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Neue Rattenstudie warnt: Cannabis, THC und CBD in der Schwangerschaft

Schwangere Frau hält Cannabisblatt neben CBD-Flasche, Tabletten und Ultraschallbild im Arztzimmer.

Personen, die schwanger sind oder stillen, sollten ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass Cannabis – egal in welcher Form und auf welchem Weg konsumiert – die Entwicklung des Kindes potenziell beeinträchtigen kann.

Eine neue präklinische Untersuchung an Ratten rückt die möglichen Risiken in den Fokus, wenn Übelkeit am Morgen oder andere Schwangerschaftsbeschwerden mit Produkten behandelt werden, die entweder THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) oder CBD (Cannabidiol) enthalten.

Cannabis in der Schwangerschaft: Was THC und CBD im Körper erreichen können

THC gilt als die stärker psychoaktive Komponente innerhalb der pflanzlichen Cannabinoide. Problematisch ist dabei, dass dieses Cannabinoid die Plazenta passieren und in den fetalen Kreislauf gelangen kann – in Konzentrationen, die den Werten im Blut der Mutter ähneln. Bereits ab etwa der 14. Schwangerschaftswoche verfügt der menschliche Fötus über neuronale Rezeptoren für Cannabinoide.

CBD ist ein weiterer zentraler Inhaltsstoff von Cannabis. Es ist breit verfügbar und wird von vielen als harmlos eingestuft, obwohl bisher nur wenige Studien systematisch geprüft haben, ob die Anwendung während der Schwangerschaft tatsächlich sicher ist.

Auch wenn CBD keinen berauschenden „Rausch“ auslöst, beeinflusst es den Körper auf eigene Weise. Und ähnlich wie THC kann CBD in Nagerstudien ebenfalls relativ leicht die Plazenta überwinden; dort scheint es zudem Form und Funktion dieses Organs zu beeinträchtigen.

Studiendesign: Tägliche Gabe von THC, CBD oder beidem bei trächtigen Ratten

In der aktuellen Studie untersuchten Forschende beide Substanzen gezielt. Über fast die gesamte Trächtigkeit erhielten die Muttertiere täglich eine Dosis THC, CBD oder eine Kombination aus beiden.

Die Teams der University of Western Ontario und der Queen’s University (Kanada) berichten, dass Ratten, die bereits im Mutterleib regelmässig THC und CBD ausgesetzt waren, deutliche Entwicklungsveränderungen zeigten – und zwar selbst dann, wenn die Wirkstoffe ohne zusätzliche Begleitstoffe verabreicht wurden, wie sie in Cannabis häufig vorkommen.

Ergebnisse bei den Nachkommen: Geburtsgewicht, Gehirnmasse und Verhalten

Junge Tiere, die im Mutterleib einer niedrigen THC-Dosis ausgesetzt waren, kamen mit geringerem Geburtsgewicht zur Welt als die Kontrolltiere; ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch nach pränataler CBD-Exposition. Wurden THC und CBD gemeinsam verabreicht, lagen Körper- und Gehirngewicht bei der Geburt noch niedriger.

Zwar holten die Wachstumsraten bis zur Adoleszenz wieder auf, dennoch zeigten einige Nachkommen später Verhaltensauffälligkeiten sowie gestörte neuronale Aktivität in bestimmten Hirnregionen.

Die Ergebnisse stützen damit Beobachtungen aus Studien zur menschlichen Gesundheit, in denen Cannabisexposition in der Schwangerschaft mit niedrigem Geburtsgewicht, kognitiven und Verhaltensänderungen sowie einem erhöhten Risiko für neuropsychiatrische Störungen in Verbindung gebracht wurde.

Einordnung: Empfehlungen, Wissenslücken und geschlechtsspezifische Effekte

„Marjiuana wurde in Kanada und in vielen US-Bundesstaaten legalisiert, allerdings ist seine Nutzung während der Schwangerschaft bis zu diesem Zeitpunkt nicht gut untersucht worden“, sagt David Natale von der Queen’s University.

„Diese Studie ist wichtig, um Klinikerinnen und Kliniker dabei zu unterstützen, die sehr realen Risiken zu vermitteln, die mit Cannabiskonsum während der Schwangerschaft verbunden sind.“

In den USA haben 24 Bundesstaaten Cannabis für den Freizeitgebrauch legalisiert. Umfragen deuten darauf hin, dass die Popularität der Droge bei Schwangeren zugenommen hat; viele nutzen sie, um Stimmungsschwankungen, morgendliche Übelkeit, Schmerzen oder Schlafprobleme zu lindern.

Der US Surgeon General, das American College of Obstetricians and Gynecologists sowie die American Academy of Pediatrics sind sich einig: Solange weitere belastbare Evidenz fehlt, ist Cannabiskonsum – in jeder Form – während der Schwangerschaft nicht zu empfehlen.

Trotzdem sind sich viele Frauen der möglichen Risiken weiterhin nicht bewusst.

Ein Rattenexperiment reicht nicht aus, um endgültig zu beweisen, dass Cannabiskonsum in der Schwangerschaft zwangsläufig gefährlich ist. Es liefert jedoch Hinweise darauf, was hinter einigen besorgniserregenden Zusammenhängen stehen könnte, die Forschende in epidemiologischen Studien beobachten.

In der vorliegenden Arbeit waren es ausschliesslich männliche Rattennachkommen, die nach pränataler THC-Exposition in der Adoleszenz ein beeinträchtigtes kognitives Verhalten zeigten.

Weibliche Nachkommen, die im Mutterleib THC ausgesetzt waren, wiesen dagegen typische neurologische Ergebnisse auf und nahezu ein „vollständiges Fehlen molekularer Veränderungen“, wie die Forschenden berichten.

Wurden Mäuse hingegen nur CBD ausgesetzt, zeigte sich ein unerwartet deutlicher Einfluss auf die spätere Gehirnentwicklung: In der Adoleszenz zeigten sowohl männliche als auch weibliche Tiere nach pränatalem CBD Hinweise auf neuropsychiatrische Probleme.

Weibliche Nachkommen, die pränatal entweder nur CBD oder CBD und THC gemeinsam erhalten hatten, zeigten in Tests angstähnliches Verhalten. Männliche Nachkommen, die THC und CBD ausgesetzt waren, zeigten dagegen eher impulsivitätsähnliche Verhaltensweisen.

„Im Gegensatz zu der verbreiteten Annahme, dass CBD in der Schwangerschaft sicher ist, verursachte CBD allein eindeutige langfristige neuropsychiatrische Effekte und milderte die Folgen von pränatalem THC nicht“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Verbreitung von CBD- und THC-Produkten unterstreichen diese Befunde die Notwendigkeit strengerer Forschung zum Cannabiskonsum in der Schwangerschaft und zu möglichen Auswirkungen auf den sich entwickelnden Fötus.

Die Studie wurde in Neurobiology of Disease veröffentlicht.

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