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Delir oder Demenz im Krankenhaus: Was hinter plötzlicher Verwirrtheit bei Älteren steckt

Ältere Patientin im Krankenbett hält die Hand ihrer Begleiterin während Arzt ihnen Befunde erklärt.

„Tagsüber ist er völlig ruhig, aber nachts wird er sehr unruhig.“

„Heute Nacht hat sie ununterbrochen nach ihrer Mutter gerufen, die vor vielen Jahren gestorben ist. Dabei hat sie den ganzen Tag geschlafen, und es war fast unmöglich, sie zu wecken.“

Viele Angehörige und Pflegepersonen werden solche Schilderungen wiedererkennen – besonders dann, wenn ein älterer Mensch für einige Zeit im Krankenhaus bleiben muss.

Sie beschreiben eine leider häufige Situation: Eine ältere Person wird stationär aufgenommen und erlebt plötzlich eine deutliche Verschlechterung ihres Zustands. Im Vordergrund stehen dabei oft räumliche und zeitliche Desorientierung sowie Unruhe.

Das kann auf den ersten Blick wie eine Demenz wirken – aber steckt möglicherweise etwas anderes dahinter?

Demenz oder Delir?

Demenz ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für den fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten – etwa Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung oder Problemlösevermögen. Mit der Zeit schränkt dies die Selbstständigkeit ein und erschwert alltägliche Aktivitäten.

Obwohl sich viele Symptome mit dem Bild eines plötzlich unruhigen älteren Patienten überschneiden, entsteht Demenz typischerweise langsam und entwickelt sich über einen langen Zeitraum.

In den oben genannten Beispielen könnten die Betroffenen stattdessen unter einem akuten Verwirrtheitszustand leiden – auch Delir genannt.

Diese häufige und komplexe Komplikation eines Krankenhausaufenthalts kann den Krankheitsverlauf direkt beeinflussen und auch die Sterblichkeit erhöhen. Umso wichtiger ist es, Delirien zu verhindern oder – wenn das nicht gelingt – früh zu erkennen, damit sie angemessen behandelt werden können.

Mehrere Studien zeigen, dass 20% bis 30% der älteren stationär behandelten Patientinnen und Patienten davon betroffen sein können.

Ein Delir kann sich unter anderem durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

  • Veränderungen von Aufmerksamkeit und Wachheit, die im Tagesverlauf schwanken können. Oft sind Betroffene nachts übermäßig wach oder „überalert“, während sie tagsüber sehr schläfrig sind.
  • Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen, zum Beispiel Gedächtnislücken (etwa keine Erinnerung an Ereignisse in der Nacht), Desorientierung (z. B. die Überzeugung, zu Hause zu sein), ungeordnete oder zusammenhanglose Sprache und Ähnliches.
  • Weitere mögliche Symptome sind Wahrnehmungsveränderungen oder Halluzinationen, Unruhe sowie plötzliche, schwer vorhersehbare Stimmungsschwankungen.

Verschiedene Faktoren wirken zusammen

Bei älteren Menschen kommen meist mehrere Einflussfaktoren zusammen, die solche Beschwerden begünstigen. Ein Teil hängt mit dem Älterwerden selbst zusammen, beispielsweise Polypharmazie (die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente) oder Sinnesbeeinträchtigungen.

Viele weitere Auslöser stehen im Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt: Stress durch eine akute Erkrankung, die Gabe bestimmter Arzneimittel oder auch eine Operation. Zusätzlich spielen Umgebungsfaktoren eine Rolle – etwa ständige Unterbrechungen durch Pflegepersonal oder andere Patientinnen und Patienten, die erholsamen Nachtschlaf erschweren.

Auch wenn Demenz und Delir manche Merkmale teilen, unterscheiden sie sich klinisch deutlich. Dennoch können beide gleichzeitig auftreten – und das passiert häufig. Tatsächlich zeigen Menschen mit einer Demenzdiagnose während eines stationären Aufenthalts eher ein Delir.

Ein möglicher Grund ist eine geringere kognitive Reserve: Es stehen weniger „Hirnressourcen“ zur Verfügung, um belastende Situationen abzufedern.

Kann man das behandeln?

Die gute Nachricht: Ein Delir ist behandelbar – und je früher, desto besser. Ein zentrales Problem ist, dass es manchmal nicht erkannt wird und deshalb keine Maßnahmen erfolgen. Bei Patientinnen und Patienten mit Demenz ist das Risiko zusätzlich erhöht, weil Demenz mit Veränderungen der Wachheit einhergehen kann.

Wenn ein Delir als Reaktion auf ein bestimmtes Medikament auftritt, kann es ausreichen, dieses abzusetzen. Liegt eine Infektion zugrunde, können sich die Symptome durch die Behandlung der Infektion bessern.

In anderen Fällen kann eine gezielte medikamentöse Therapie helfen, Verhaltensauffälligkeiten zu kontrollieren. All diese Möglichkeiten sollten selbstverständlich erst nach einer gründlichen fachärztlichen Abklärung in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus gibt es Strategien, um Delirien möglichst zu verhindern. Programme wie HELP in den USA setzen auf nicht-medikamentöse Maßnahmen: Orientierungshilfen, Schlafmanagement, frühe Mobilisation, die Nutzung von Sinneshilfen (z. B. Brille oder Hörgerät), ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie Unterstützung der Verdauungsgesundheit.

Die Umsetzung solcher Programme und eine kontinuierliche Fortbildung von Gesundheitsfachkräften sind entscheidend, um ein Problem zu verhindern und rasch zu diagnostizieren, das sich zunehmend zu einer stillen Epidemie entwickelt.

Wie Angehörige ein Delir bewältigen oder vorbeugen können

Es gibt einige grundlegende Schritte, mit denen Angehörige und Betreuungspersonen helfen können, das Risiko für ein Delir bei älteren stationären Patientinnen und Patienten zu senken oder beginnende Symptome besser zu begleiten:

  • Einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus unterstützen. Tagsüber Vorhänge öffnen und Tageslicht hereinlassen; nachts beim Einschlafen helfen, indem Lärm reduziert und das Licht ausgeschaltet wird.
  • Das Zimmer möglichst ruhig halten, damit sich die Patientin oder der Patient so wohl wie möglich fühlt.
  • Einfache Gespräche fortführen: kurze, klare Sätze verwenden und genügend Zeit zum Antworten lassen.
  • Bei Verwirrung oder Angst ruhig erklären, wo die Person ist und was gerade passiert.
  • Wenn eine bestimmte Situation Unruhe oder Gereiztheit auslöst, gelassen bleiben und nicht diskutieren. Oft hilft es, das Thema zu wechseln oder die Umgebung zu verändern.
  • Bei Halluzinationen nicht abwerten und nicht widersprechen. Wichtig ist, die Gefühle anzuerkennen und behutsam zu beruhigen.

Zusammengefasst sind Vorbeugung und frühes Erkennen zentral für eine optimale Behandlung des Delirs – einer Störung, die die körperliche und psychische Gesundheit stark beeinträchtigen kann und zudem erhebliche Folgen für öffentliche Gesundheitssysteme haben kann.

Laura Zaurín Paniagua, Dozentin und Forscherin im Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft, Universidad San Jorge, Universidad San Jorge

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.


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