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Nachteulen und Herzgesundheit: Späte Chronotypen erhöhen das Risiko im mittleren und höheren Alter

Mann sitzt abends in der Küche, arbeitet am Laptop und hält sich mit besorgtem Gesicht die Hand auf die Brust.

Nachteulen kommen oft erst spät richtig in Schwung: Sie arbeiten bis in die Nacht hinein, essen später und bleiben wach, wenn es um sie herum längst ruhig geworden ist.

Für viele fühlt sich dieser Takt völlig selbstverständlich an. Doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass er einen Preis haben kann – besonders mit zunehmendem Alter.

Eine grosse neue Auswertung bringt späte Aktivität mit einer schlechteren Herzgesundheit in der Lebensmitte und in späteren Jahren in Verbindung. Am deutlichsten zeigt sich dieses Muster bei Frauen. Entscheidend scheint nicht nur zu sein, was Menschen tun, sondern auch wann sie es tun – stärker, als vielen bislang bewusst war.

Wenn sich späte Gewohnheiten summieren

Untersucht wurden Erwachsene mit klarer Neigung zum Abend, häufig als Nachteulen bezeichnet. Gemeint sind Personen, die sehr spät ins Bett gehen und deren Leistungs- und Energietiefpunkt erst später am Tag in ein Hoch umschlägt.

Im Vergleich zu Menschen ohne ausgeprägte Morgen- oder Abendpräferenz wiesen Nachteulen eine schlechtere Herzgesundheit insgesamt auf.

Der Abstand zwischen den Gruppen liess sich nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen. Stattdessen spiegelte er ein Bündel an Gewohnheiten wider, die oft gemeinsam auftreten: eine Ernährung geringerer Qualität, zu wenig oder unregelmässiger Schlaf sowie höhere Raucherquoten. Über die Jahre verschieben solche Muster die Karten zulasten des Herzens.

Ein genauer Blick auf den Tagesrhythmus

Die Analyse stützte sich auf Gesundheitsdaten von mehr als 300,000 Erwachsenen; das Durchschnittsalter lag bei etwa 57.

Die Teilnehmenden stammten aus der UK Biobank und gaben ihre natürliche Schlaf- und Wachpräferenz an – den sogenannten Chronotyp.

Rund 8% beschrieben sich als eindeutig abendorientiert. Etwa 24% ordneten sich den Morgentypen zu. Die übrigen lagen dazwischen.

Zur Bewertung der Herzgesundheit nutzte das Team die „Life’s Essential 8“, ein Schema, das Verhaltensweisen und Gesundheitswerte erfasst, die mit kardiovaskulärer Gesundheit verknüpft sind.

Dazu zählen Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen, Schlafqualität, Körpergewicht, Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck.

Was die Zahlen zeigten

Die Unterschiede fielen deutlich aus. Gegenüber der Gruppe mit mittlerem Chronotyp hatten Nachteulen eine um 79% höhere Wahrscheinlichkeit, insgesamt eine schlechte kardiovaskuläre Gesundheitsbewertung zu erreichen.

Ausserdem lag ihr Risiko, im Beobachtungszeitraum einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, um 16% höher – bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von etwa 14 Jahren.

Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Frauen: Der Zusammenhang zwischen Abendpräferenz und niedrigeren Herzgesundheitswerten war bei ihnen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Bei Morgentypen zeigte sich der gegenteilige Trend: Im Vergleich zu Personen ohne klare Präferenz war die Häufigkeit schlechter Herzgesundheitswerte um 5% geringer.

Warum die Nacht dem Körper entgegenarbeitet

Studienleiterin und Erstautorin Dr. Sina Kianersi arbeitet als Research Fellow in der Abteilung für Schlaf- und zirkadiane Störungen am Brigham and Women’s Hospital und an der Harvard Medical School.

„‘Abendtypen’ erleben häufig eine zirkadiane Fehlanpassung – das heisst, ihre innere Uhr passt möglicherweise nicht zum natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus oder zu ihren üblichen Tagesabläufen“, sagte Dr. Kianersi.

„Abendtypen zeigen eher Verhaltensweisen, die die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflussen können, etwa eine schlechtere Ernährungsqualität, Rauchen sowie unzureichenden oder unregelmässigen Schlaf.“

Zirkadiane Rhythmen steuern unter anderem Hormone, Stoffwechsel und Blutdruck. Gerät dieses innere Timing durch Alltagspläne aus dem Takt, wird es schwieriger, gesunde Routinen konsequent einzuhalten.

Die Rolle eines gesunden Lebensstils

Die Ergebnisse sind kein Urteil über Menschen, die späte Stunden bevorzugen. Ein grosser Teil des Zusatzrisikos liess sich durch Lebensstilentscheidungen erklären. Das bedeutet: Verbesserungen sind möglich, ohne die eigene Persönlichkeit zu verbiegen oder extreme Zeitpläne erzwingen zu müssen.

Dr. Kristen Knutson war ehrenamtliche Vorsitzende des wissenschaftlichen Statements der American Heart Association für 2025.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die höheren Risiken für Herzerkrankungen bei Abendtypen teilweise auf veränderbare Verhaltensweisen wie Rauchen und Schlaf zurückzuführen sind. Daher haben Abendtypen Möglichkeiten, ihre kardiovaskuläre Gesundheit zu verbessern“, sagte Dr. Knutson.

„Abendtypen sind nicht von Natur aus ungesünder, aber sie stehen vor Herausforderungen, die es für sie besonders wichtig machen, einen gesunden Lebensstil aufrechtzuerhalten.“

Versorgung am inneren Takt ausrichten

Das Interesse wächst, Gesundheitsversorgung besser an den natürlichen Rhythmus einer Person anzupassen. Behandlungen und Programme zur Lebensstiländerung könnten wirksamer sein, wenn sie zur inneren Uhr passen.

„Einige Medikamente oder Therapien wirken am besten, wenn sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der relevanten zirkadianen Rhythmen eingesetzt werden – und dieser Zeitpunkt unterscheidet sich je nachdem, ob jemand ein Morgen-, Zwischen- oder Abend-Chronotyp ist“, sagte Dr. Knutson.

„Gezielte Programme für Menschen, die von Natur aus lange wach bleiben, könnten ihnen helfen, ihre Lebensstilgewohnheiten zu verbessern und ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu senken.“

Die vollständige Studie wurde in der Fachzeitschrift Journal of the American Heart Association veröffentlicht.

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