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Neue Studie: Klimawandel verschiebt Malaria in Subsahara-Afrika

Ein Mann in blauer Kleidung zeigt auf eine Afrikakarte, im Hintergrund stehen mehrere Menschen vor Lehmhäusern.

Seit 25 Jahren streiten Forschende und Verantwortliche im öffentlichen Gesundheitswesen darüber, wie genau der Klimawandel die Ausbreitung von Malaria verändert.

Eine neue Studie beendet diese Debatte nun mit der bislang umfassendsten Auswertung – und kommt zu einem Ergebnis, das deutlich komplexer ist als ein schlichtes „schlimmer“ oder „besser“.

Untersucht wurde, wie stark der Klimawandel Malaria in der Vergangenheit beeinflusst hat und wie er das Risiko künftig verändern dürfte – mit Fokus auf Kinder in Subsahara-Afrika, wo der überwiegende Teil der Fälle und Todesfälle auftritt.

In der Gesamtschau zeigt die Analyse: Bis heute hat der Klimawandel Malaria leicht zunehmen lassen.

Für die Zukunft verdeckt dieser Durchschnittswert jedoch einen markanten geografischen Bruch. Steigende Temperaturen könnten das Malariarisiko im südlichen und östlichen Afrika erhöhen, während es in den heute am stärksten betroffenen Regionen sinken könnte – weil es dort so heiss wird, dass Mücken nicht mehr überleben.

Eine Krankheit in Bewegung: Klimawandel verschiebt Malaria

„Der Klimawandel macht Malaria nicht einfach nur schlimmer oder besser – er verlagert sie“, sagte die Co-Autorin Tamma Carleton, Assistant Professor an der University of California, Berkeley.

„Ob ein Ort unter dem Klimawandel höhere Malariarisiken oder eine geringere Belastung erlebt, hängt davon ab, wie heiss es dort heute ist. In den aktuellen Hotspots sehen wir Entlastung und fast überall sonst neue Risiken.“

Damit wirkt der Klimawandel nicht als gleichmässiger Druck über den gesamten Kontinent. Stattdessen zeichnet er die Landkarte neu, auf der Malaria tatsächlich optimale Bedingungen vorfindet.

Heutige Hotspots könnten abklingen

In den ohnehin warmen Gebieten, in denen Malaria derzeit besonders fest verankert ist, hat der Klimawandel die Ausbreitung schon bislang leicht gebremst. Dieser Effekt dürfte anhalten, wenn die Temperaturen so weit steigen, dass sie selbst für die übertragenden Mücken ungünstig werden.

Das ist allerdings ein zweischneidiges Ergebnis: Extreme Hitze, die Malaria-Mücken verdrängen kann, bringt zugleich eigene schwerwiegende Risiken für die menschliche Gesundheit mit sich.

Die Forschenden rechnen damit, dass der Klimawandel die Malariafälle in mehreren grossen westafrikanischen Staaten – darunter Nigeria, Burkina Faso und Mali – um etwa 5 Prozent senken wird.

Zudem erwarten sie, dass Malaria in extrem heissen Sahel-Staaten wie Niger, Gambia, Guinea-Bissau und Somalia vollständig verschwinden könnte, weil steigende Temperaturen die Bedingungen für Mücken zu hart werden lassen.

Kühlere Regionen sehen ein wachsendes Risiko

In kühleren Regionen, in denen Malaria historisch keine grosse Rolle spielte – darunter das südliche Afrika und höher gelegene Teile Ostafrikas –, zeigt sich dagegen die umgekehrte Entwicklung.

Dort führt der Klimawandel schrittweise dazu, dass die lokalen Temperaturen für Malaria übertragende Mücken günstiger werden.

Diese Verschiebung erhöht die Fallzahlen bereits um rund 5 Prozent im äthiopischen Hochland, in Kenia und in Burundi; ähnlich deutliche Anstiege zeigen sich auch in Angola, Sambia und im Nordosten Südafrikas.

Langfristig dürfte sich dieser Aufwärtstrend deutlich beschleunigen.

Bis 2100 könnte das Malariarisiko im Rift Valley und in den Küstenregionen des südlichen Afrikas um bis zu 20 Prozent steigen. Das würde Regionen fordern, die in jüngerer Zeit nur wenig Erfahrung im Umgang mit der Krankheit haben.

Begrenzte Erwärmung rettet Leben

Die Expertinnen und Experten stellten fest: Wenn die Welt die Erwärmung auf 3.6°F (2°C) begrenzt, könnten im südlichen Afrika etwa fünf zusätzliche Malariafälle pro 1,000 Kinder verhindert werden. In den ostafrikanischen Hochländern wären die Rückgänge sogar noch grösser.

Eine Begrenzung auf diesen Schwellenwert würde ausserdem die breiteren Klimaauswirkungen dämpfen, die Zentral- und Westafrika treffen dürften, wenn die globalen Temperaturen weiter steigen.

Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass Emissionsminderungen allein nicht ausreichen werden.

Ebenso entscheidend ist Anpassung. Das gilt besonders, weil die Regionen im südlichen und östlichen Afrika, die künftig die stärksten Zunahmen des Malariarisikos erwarten, zuletzt vergleichsweise wenig Routine im Kampf gegen die Krankheit hatten.

Vorbereitung auf neue Malaria-Ausbrüche

„Regierungen, Gesundheitssysteme und Gemeinschaften müssen sich an die sich wandelnde Malariabedrohung anpassen“, sagte Co-Autor Christopher Trisos von der University of Cape Town.

„Das bedeutet, sich schon jetzt darauf vorzubereiten, in kühleren Regionen Subsahara-Afrikas, in denen das Malariarisiko wächst und die möglicherweise weniger Erfahrung in der Bekämpfung haben, offensivere Anti-Malaria-Programme umzusetzen.“

Die Forschenden weisen darauf hin, dass eine inklusive wirtschaftliche Entwicklung zentral sein wird, um dem klimawandelbedingten Anstieg von Malaria im östlichen und südlichen Afrika zu begegnen.

Ebenso wird die globale Gesundheitsfinanzierung für wirksame Überwachung, Krankheitskontrolle und eine bessere Gesundheitsversorgung eine Schlüsselrolle spielen.

Minderung und Anpassung – einschliesslich aktiver Strategien zur Malaria-Eliminierung – müssen dabei zusammenwirken, statt als konkurrierende Prioritäten verstanden zu werden.

Ein Vierteljahrhundert Debatte

Malaria gehörte zu den ersten gesundheitlichen Folgen, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wurden. Doch nach Angaben der Forschenden brauchte es 25 Jahre Forschung, um festzustellen, in welche Richtung sich der Gesamtrend bewegt.

„Die grosse Geschichte hier ist die Chance zum Handeln: Bislang haben Eliminierungsbemühungen die Auswirkungen des Klimawandels um nahezu das 200-fache ausgeglichen“, sagte Co-Autor Colin Carlson, Assistant Professor für Epidemiologie an der Yale University.

„Malaria-Eliminierung innerhalb einer Generation ist nicht nur möglich, sondern eine der besten Möglichkeiten, besonders betroffene Bevölkerungsgruppen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.“

Diese Kennzahl – dass Eliminierungsbemühungen die Klimawandelwirkung bislang um knapp das 200-fache übertreffen – bildet einen auffälligen Gegenpol zu den beunruhigenderen regionalen Projektionen der Studie.

Sie deutet darauf hin, dass gezielte Massnahmen der öffentlichen Gesundheit die Entwicklung von Malaria bislang wesentlich stärker geprägt haben als der Klimawandel selbst – zumindest bis zu diesem Zeitpunkt.

Planung für das, was kommt

Die Studie ist nach Darstellung der Autorinnen und Autoren die erste ihrer Art, die genau verortet, wo künftige Investitionen in Anpassung zur Prävention und Kontrolle von Malaria am dringendsten benötigt werden.

Sie ist Teil eines grösseren Vorhabens des Climate Impact Lab, das Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger dabei unterstützen soll, Anpassungsressourcen zielgenauer einzusetzen.

Die Arbeit baut auf der bestehenden Reihe Adaptation Roadmap sowie auf dem Adaptation Inventory des Labors auf, das erprobte Strategien zur Klimaanpassung sammelt.

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