Tiere können Lernen, Bewegung, Trost und Verbundenheit fördern – besonders dann, wenn ein Kind mit einem Haustier in der Familie aufwächst.
Trotzdem richten sich Programme mit Tieren meist auf Hunde und Pferde aus; Katzen spielen dabei oft nur eine Nebenrolle.
An der Oregon State University wurde daher geprüft, ob Kinder mit Entwicklungsbehinderungen gemeinsam mit ihren eigenen Katzen aktiv arbeiten können.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass belohnungsbasiertes Training Kindern helfen kann, mehr Aufgaben rund um die Katzenpflege zu übernehmen – und zugleich zu verändern, wie manche Katzen auf sie reagieren.
Katzen werden zu aktiven Partnern
„Viele unterschätzen, was Katzen zu Mensch-Tier-Interventionen beitragen können“, sagte Professorin Monique Udell von der Oregon State University.
„Diese Studie zeigt, dass Katzen aktive Teilnehmende sein können und nicht nur passive Begleiter.“
„Wenn Kinder und ihre Katzen beim Training zusammenarbeiten, kann das ihre Bindung stärken und positive Effekte sowohl für das Kind als auch für die Katze unterstützen.“
Professorin Udell leitete die Arbeit gemeinsam mit Professorin Megan MacDonald, die an der Universität zu Bewegung und Gesundheit forscht.
Training unterstützt Kinder und schützt Katzen
Tiergestützte Interventionen sind organisierte Aktivitäten, bei denen Tiere eingesetzt werden, um körperliches, emotionales oder soziales Wohlbefinden zu fördern.
Im Unterschied zu Angeboten, bei denen ein Tier vor allem zum Streicheln anwesend ist, sollten in diesem Projekt Kinder und Katzen gemeinsam lernen.
Dabei wurde auch das Wohlbefinden der Katze konsequent berücksichtigt: Es gab Versteckmöglichkeiten, Kratzbäume und Pausen – und die Katzen konnten sich zurückziehen, sobald sie Anzeichen von Stress zeigten.
Kinder trainierten ihre Familienkatzen
Insgesamt nahmen 36 Kinder im Alter von acht bis 17 Jahren teil, bei denen die Eltern Entwicklungsbehinderungen angaben.
Solche Beeinträchtigungen können Lernen, Bewegung, Kommunikation oder alltägliche Aktivitäten beeinflussen. Jedes Kind machte zusammen mit einer Familienkatze mit.
Das Team teilte die 36 Kind-Katze-Paare per Zufall in zwei Gruppen ein: 18 Paare nahmen am Programm „katzenassistiertes Training“ teil, 18 Paare kamen zunächst auf eine Warteliste.
Durch die Zufallszuteilung wird der Vergleich fairer, weil der Zeitpunkt des Programmstarts nicht von den Teilnehmenden bestimmt wird.
Die Kinder in der Trainingsgruppe besuchten sechs Sitzungen mit jeweils 45 Minuten Dauer.
Sie übten, Körpersprache von Katzen zu deuten, passend zu interagieren und erwünschtes Verhalten mit Leckerli oder anderen für die Katze angenehmen Dingen zu belohnen.
Zu den Übungsaufgaben zwischen den Terminen gehörte das regelmässige Trainieren und das Aufbauen von Verhalten wie Sitzen oder Kommen auf Zuruf. Einige Kinder übten ausserdem, mit ihren Katzen spazieren zu gehen.
Umfragen erfassten Veränderungen im Alltag
Die Kinder füllten Fragebögen vor dem Programm aus, etwa sechs Wochen später sowie ein Jahr nach der ersten Erhebung.
Abgefragt wurden unter anderem Gefühle gegenüber der eigenen Katze, ein tiergerechter Umgang und die Beteiligung an Aufgaben wie Füttern, Bürsten oder Spielen.
Zusätzlich wurden die Katzen in einem achtminütigen Test in einem unbekannten Raum gefilmt.
Dabei sass das Kind innerhalb eines mit Klebeband markierten Halbkreises mit einem Radius von etwa 3.3 Fuß (ein Meter), verliess den Bereich kurz, kam zurück und rief die Katze später näher zu sich.
Die Forschenden werteten aus, wie lange jede Katze in der Nähe des Kindes blieb. Ausserdem beurteilten sie, ob die Katze eine sichere Bindung zeigte – also beim Kind Trost fand und danach entspannt blieb oder die Umgebung erkundete.
Mehr Aufgaben rund um die Katzenpflege
Kinder, die das Training absolviert hatten, gaben an, sich an mehr Aufgaben der Katzenpflege zu beteiligen; in der Wartelisten-Gruppe sanken dagegen die Verantwortungswerte.
Der Unterschied war so deutlich, dass das Team es für unwahrscheinlich hielt, dass er allein durch Zufall zustande kam.
Der Anteil der trainierten Kinder, die sagten, sie hätten ihrer Katze Neues beigebracht, stieg von 44.4 Prozent auf 94.4 Prozent.
Auch das Spazierengehen mit der Katze nahm zu: von 27.8 Prozent auf 77.8 Prozent. In der Kontrollgruppe zeigte sich keine bedeutsame Veränderung.
Bei manchen Kindern keine klare Veränderung
Gleichzeitig ergab sich durch das Programm kein eindeutiger Unterschied bei der von den Kindern berichteten Bindung zu ihren Katzen.
Ebenso zeigte sich zwischen den Gruppen kein klarer Unterschied bei tierfreundlichen Verhaltensweisen wie Kuscheln, mit der Katze sprechen oder mit ihr spielen.
Viele Kinder hatten bereits vor Trainingsbeginn eine starke Bindung und berichteten häufige tiergerechte Verhaltensweisen. Durch diese hohen Ausgangswerte blieb nur wenig Spielraum, damit in den Messungen noch eine Verbesserung sichtbar werden konnte.
Soziale Veränderungen bei den Katzen
Kurz nach dem Programm verbrachten Katzen aus der Trainingsgruppe mehr Zeit in der Nähe des Kindes, wenn das Kind aktiv ihre Aufmerksamkeit suchte.
Wenn das Kind dagegen passiv sitzen blieb, zeigte sich diese Veränderung nicht – und in der Ein-Jahres-Erhebung war der Effekt ebenfalls nicht mehr eindeutig.
Bei der sicheren Bindung dauerte es länger, bis sich etwas abzeichnete: Nach sechs Wochen war kein klarer Wandel erkennbar, aber ein Jahr nach der ersten Erhebung waren sechs trainierte Katzen von einer unsicheren Einstufung zu einer sicheren gewechselt.
In der Kontrollgruppe gab es keine vergleichbare langfristige Veränderung. Allerdings lagen zu diesem Zeitpunkt nur für 15 trainierte Paare vollständige Bindungsdaten vor, weshalb dieses Ergebnis vorläufig bleibt.
Die Teilnahme blieb aussergewöhnlich hoch
Alle Kinder, die dem Training zugeteilt waren, nahmen an sämtlichen sechs Sitzungen teil.
Im Durchschnitt erledigten die Teilnehmenden 81 Prozent der optionalen Übungsaufgaben – ein Hinweis darauf, dass die meisten Familien die Aktivitäten zwischen den Terminen fortführten.
Nach einem Jahr kamen 28 der ursprünglich 36 Paare erneut zur Erhebung. Durch die fehlenden Rückmeldungen verringerte sich die Menge an langfristig verfügbaren Daten.
Einige Inhalte funktionierten besser als andere, und die Katzen lernten nicht dieselben Verhaltensweisen gleich gut. Das Alter der Katzen zeigte keinen klaren Zusammenhang mit dem Trainingserfolg, allerdings fehlten für mehrere Tiere Altersangaben.
Eine tiefere Bindung, als man sieht
„Das hilft zu zeigen, dass wir positive Veränderungen sehen können, wenn wir die richtigen Möglichkeiten schaffen und anleiten, wie Kinder und Jugendliche ihre Beziehungen zu ihren Katzen verbessern können“, sagte Professorin Udell.
„Die Katzen werden selbstsicherer. Sie werden sozialer. Und sie entwickeln stärkere Bindungen, von denen auch die Kinder profitieren.“
Professorin Udell ergänzte, dass Kinder ihre Katzen zunehmend als Partner wahrnehmen, die Verantwortungsgefühl und gesunde Gewohnheiten fördern. Diese Beziehung könne tiefer sein, als viele Menschen annehmen.
Grössere Studien sind nötig
In der Untersuchung wurden körperliche, emotionale oder entwicklungsbezogene Gesundheitsaspekte nicht direkt gemessen. Ausserdem wussten die 36 Teilnehmenden, ob sie das Training erhalten hatten – was ihre Antworten in den Fragebögen beeinflusst haben könnte.
Grössere Studien könnten Aktivitätstracker, direkte Gesundheitsmessungen und längere Nachbeobachtungszeiträume einsetzen.
Zudem könnten sie gezielt prüfen, welche Bausteine am wichtigsten sind – etwa Unterricht zur Körpersprache, regelmässige Pflege, das Spazierengehen oder erfolgreiches Training.
Familienkatzen für Therapieprogramme
Katzen könnten tiergestützte Programme auch für Familien möglich machen, die keinen Hund besitzen oder die nicht ohne Weiteres mit Pferden arbeiten können. Weil die Tiere im Haushalt leben, könnten Kinder möglicherweise häufiger üben.
Am stärksten ist die Evidenz in Bezug auf Verantwortung, gemeinsame Aktivitäten und eine kurzfristig erhöhte soziale Annäherung.
Die mögliche langfristige Veränderung der Bindung bei Katzen ist zwar ermutigend, muss jedoch in grösseren Gruppen bestätigt werden.
Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass Familienkatzen in Programmen für manche Kinder mit Entwicklungsbehinderungen eine aktive Rolle übernehmen können. Sie zeigen jedoch nicht, dass jede Katze oder jedes Kind in gleicher Weise darauf reagiert.
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