Ein Vitamin-B12-Mangel betrifft nicht nur Veganer und Vegetarier, sondern kann ebenso Menschen treffen, die Fleisch und Milchprodukte essen. Zahlen aus der Tufts University Framingham Offspring Study zeigen: 40% der 26- bis 83-Jährigen haben Vitamin-B12-Plasmaspiegel im unteren Normbereich – und viele von ihnen erleben dabei bereits neurologische Beschwerden.
Laut Rodrigo Neves, einem Arzt mit postgradualer Weiterbildung in Endokrinologie, ist Vitamin B12 zentral für die Bildung roter Blutkörperchen, die Gehirnleistung und das Nervensystem. „Die Menge, die nötig ist, um gute Werte im Blutkreislauf zu halten, kann von Person zu Person variieren – abhängig von der jeweiligen Aufnahmefähigkeit des Körpers (5 mcg bis 20 mcg pro Tag)“, erläutert er.
Der Mediziner betont ausserdem, dass die Erhaltungsmenge von Vitamin B12 deutlich niedriger ist als die Dosis, die zur Korrektur eines Mangels erforderlich ist. „Ein Mangel an diesem Vitamin kann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen, und die Symptome können sich schleichend entwickeln“, ergänzt er.
Ursachen des Vitamin-B12-Mangels
Vitamin B12 wird von Bakterien gebildet, die in organischem Boden und im Darm von Tieren vorkommen. Da Pflanzen dieses Vitamin für ihr Wachstum nicht benötigen, nehmen sie es nicht auf. Rodrigo Neves zufolge kann ein Mangel daher sowohl bei Vegetariern als auch bei Nicht-Vegetariern auftreten.
„Das Problem liegt nicht nur in der Einschränkung tierischer Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Milch. Häufig kann es auch durch den Einsatz von chemischem Dünger im Boden entstehen, der die Bakterien abtötet, durch Veränderungen unserer Darmflora oder durch den unkontrollierten Einsatz von Antibiotika“, erklärt er.
Nach Aussage des Arztes kann auch Fleisch heute weniger B12 enthalten – je nachdem, wie die Tiere gehalten werden. „Die Haltung von Nutztieren in geschlossenen Anlagen verhindert zudem, dass die Tiere direkt vom Boden fressen. Dadurch sinkt die Menge an B12 im Blutkreislauf und im Gewebe. Deshalb bekommen Tiere heute Nahrungsergänzungen, um diesen Mangel auszugleichen“, fügt er hinzu.
Er weist ausserdem darauf hin, dass viele pflanzliche Lebensmittel, denen oft ein B12-Gehalt zugeschrieben wird – etwa Algen, Pilze und Hefen –, in Wirklichkeit häufig nur eine analoge Form enthalten. Diese Form ist beim Menschen jedoch nicht in relevantem Ausmass wirksam.
Symptome eines B12-Mangels
Zu den häufigsten Anzeichen eines Vitamin-B12-Mangels zählen:
- Anhaltende Müdigkeit: sich trotz ausreichender Erholung erschöpft und energielos fühlen;
- Muskelschwäche: fortlaufende Schwäche und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben;
- Unerklärlicher Schwindel und Kribbelgefühle in Händen und Füssen;
- Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich Informationen zu merken, geringere Konzentration und Erinnerungslücken;
- Kleine Einrisse an den Mundwinkeln;
- Veränderungen der Darmfunktion;
- Stimmungsschwankungen, einschliesslich Reizbarkeit, Angst oder sogar depressiver Symptome.
In solchen Fällen ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen und gezielte Untersuchungen durchführen zu lassen, um einen Vitamin-B12-Mangel zu bestätigen oder auszuschliessen.
Supplementierung von Vitamin B12
Liegt der Vitamin-B12-Wert unter 350 pg/mL, gibt es Hinweise auf einen Mangel. Ideal ist ein Spiegel von über 490 pg/mL. Daher empfiehlt es sich, diese Werte per Bluttest alle sechs Monate zu kontrollieren – besonders bei Vegetariern oder bei Personen, die regelmässig Medikamente einnehmen.
„Viele Menschen, die häufig Fleisch essen, müssen supplementieren. Wenn Sie aber Vegetarier oder Veganer sind, ist eine Supplementierung essenziell. Die gängigsten Formen sind Kapseln, sublinguale Präparate oder Injektionen“, erklärt Rodrigo Neves.
Eine Vitamin-B12-Supplementierung kann diese Unterversorgung wirksam ausgleichen. Wichtig ist jedoch: Selbstmedikation ist nicht angemessen. Der Bedarf ist individuell, und ein Überschuss an B12 kann unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Der beste Weg ist, eine medizinische Fachperson für eine genaue Diagnostik und – falls nötig – eine passende Supplementierung zu konsultieren.
Von Tayanne Silva
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