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Neue Studie: Acinetobacter baumannii zirkuliert zwischen Haustieren und Menschen

Tierärzte untersuchen Bakterienkultur, während Hund und Katze auf dem Tisch im Behandlungsraum warten.

Fund in Geflügel-Embryonen: Acinetobacter baumannii im Gehirngewebe

Im Jahr 2022 traf in einem Veterinärlabor in China eine Lieferung mit Hühner- und Entenembryonen ein, die noch vor dem Schlüpfen verendet waren und nun untersucht werden sollten.

In ihrem Hirngewebe stiessen die Forschenden auf Acinetobacter baumannii – einen Erreger, den die Weltgesundheitsorganisation als „Priority 1“ einstuft. Bekannt ist das Bakterium vor allem dafür, dass es sich auf Intensivstationen in Krankenhäusern ausbreiten kann, weil es selbst gegenüber Antibiotika der letzten Reserve oft unempfindlich ist.

Zugleich wird A. baumannii in jüngerer Zeit zunehmend als zoonotisch wahrgenommen – also als Keim, der zwischen Tieren und Menschen wechseln kann.

Seit Langem gilt die Vermutung, dass Nutztiere an der Verbreitung von Arzneimittelresistenzen bei „Superbugs“ beteiligt sein könnten. Umso auffälliger war hier: Die aus dem Geflügel isolierten Stämme waren gar nicht besonders gegen vieles resistent.

Als die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nanjing Agricultural University, des Wuhu Institute of Technology und der Nanjing University of Chinese Medicine die neuen Genomdaten mit Daten aus Humanproben sowie aus Haustieren wie Katzen und Hunden verglichen, zeigte sich, dass das grössere Problem näher am Menschen zu liegen scheint.

Genomdaten aus 17 Ländern: 509 Tierproben, 33 Arten

Das Team trug genetische Informationen zu 509 A. baumannii-Proben zusammen, die bei Tieren in 17 Ländern entnommen worden waren – über 33 Arten hinweg. Das Spektrum reichte von Weissstörchen in Polen (die auffälligerweise einen sehr grossen Anteil der dokumentierten Tierproben ausmachen) bis zu Katzen, Hunden und Pferden aus Tierkliniken in ganz Europa.

Zusammen mit Tausenden klinischen Humanproben aus denselben Regionen sowie den neuen Daten aus dem Geflügel ergab sich ein Bild, das für Tierhalterinnen und Tierhalter wenig beruhigend wirkt.

A. baumannii isolated from animals can be divided into two groups: a high antimicrobial resistance (AMR) group dominated by hosts such as horses, cats, and dogs and a low AMR group dominated by hosts such as livestock, poultry, and wildlife,“ schrieben die Forschenden um Xiangkuan Zheng von der Nanjing Agricultural University in der Fachzeitschrift Angewandte und Umweltmikrobiologie.

„Internationale Klone“ und ST25: Warum Haustiere im Fokus stehen

Mithilfe eines Einordnungssystems, das verwandte A. baumannii-Stämme zu „international clones“ zusammenfasst – also zu jenen Linien, die weltweit hinter Ausbrüchen in Krankenhäusern stehen –, stellte das Team fest, dass mehrere dieser Klone bei Haustieren immer wieder auftauchten. Dazu gehörte auch ein Typ namens ST25.

Allein ST25 wurde bei neun verschiedenen Tierarten nachgewiesen, vor allem bei Katzen, Hunden und Pferden.

Die aus Katzen, Hunden und Pferden stammenden Bakterien erwiesen sich genetisch als nahezu nicht von Stämmen zu unterscheiden, die Menschen in nahegelegenen Krankenhäusern infizierten: Die Genome ähnelten sich mit Werten von über 99 Prozent, in einigen Fällen sogar von über 99.5 Prozent.

Bei Nutztieren, Geflügel und Wildtieren sah das anders aus: Dort waren die Stämme deutlich weiter entfernt verwandt und lagen typischerweise nur bei 97 bis 98 Prozent Ähnlichkeit zu den Humanstämmen.

„Our study suggests that A. baumannii has a higher potential of intertransmission between companion animals and humans compared to livestock, poultry, and wildlife,“ schreiben die Forschenden. „This elevated potential may be related to the close contact of companion animals with humans.“

Resistenzgene bei Katzen und Hunden: Carbapeneme als Warnsignal

Sogar Resistenzgene, die in der Nutztierhaltung gar nicht vorkommen sollten, fanden sich bei Katzen und Hunden. In Isolaten aus Haustieren tauchten zwei Gene auf, die Bakterien gegen Carbapeneme resistent machen – also gegen jene Antibiotika, zu denen Ärztinnen und Ärzte greifen, wenn andere Mittel versagen, und die in der Nutztiermast vollständig tabu sind. Genau diese Resistenzgene wurden in exakt 0 Proben aus Nutztieren, Geflügel oder Wildtieren gefunden.

Das bedeutet dennoch nicht, dass Ihre Katze oder Ihr Hund Ihnen eine Krankenhausinfektion übertragen hat – oder jemals übertragen wird.

Wichtig ist: Es gibt hier keinen direkten Nachweis dafür, dass das Bakterium tatsächlich von einem konkreten Haustier auf einen konkreten Menschen gesprungen ist. Vorhanden ist lediglich eine genetische Spur, die nahelegt, dass die Gelegenheit dafür besteht – und das offenbar schon seit einiger Zeit.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Amerikanische Gesellschaft für Mikrobiologie (AMR) einen Beitrag, der die entstehende Verbindung zwischen antibiotikaresistenten Bakterien bei Haustieren und beim Menschen beleuchtete – und dabei ausdrücklich mehr, artspezifischere Probenahmen von Erregern forderte, um das Gesamtbild künftig besser zu verstehen.

Auch wenn die aktuelle Studie wichtige Hinweise liefert, bleibt noch viel offen.

Als nächster Schritt braucht es zusätzliche Proben – von Pfoten, Federn, Hufen und von den Menschen daneben –, um zu klären, wie häufig und wie leicht dieser „Stammgast“ aus dem Krankenhausmilieu zwischen Arten wechselt.

Die Forschung wurde in Angewandte und Umweltmikrobiologie veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde von Kate Mallord auf Fakten geprüft und von Kate Mallord redigiert. So sorgfältig unser Prozess auch ist: Wir sind nur Menschen. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, geben Sie uns bitte Bescheid.

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