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BPA in Plastik und Autismus: Was die neue Studie wirklich zeigt

Schwangere Frau hält Wasserflasche in der Küche, Ultraschallbild auf dem Tisch, Kind im Hintergrund.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat in den Medien viel Aufmerksamkeit ausgelöst – vor allem wegen der Frage, welche Rolle Kunststoffe bei der Entstehung von Autismus spielen könnten.

Im Mittelpunkt stand dabei die Belastung im Mutterleib durch einen Bestandteil harter Kunststoffe: Bisphenol A, kurz BPA – und ob dies das Risiko erhöht, dass Jungen später diese neurologische Entwicklungsstörung entwickeln.

Wichtig ist: Die Studie belegt nicht, dass BPA-haltige Kunststoffe Autismus verursachen.

Sie liefert jedoch Hinweise darauf, dass BPA mit Östrogenspiegeln bei Säuglingen und Schulkindern zusammenhängen könnte – und damit indirekt die Wahrscheinlichkeit einer Autismus-Diagnose beeinflusst.

Schauen wir uns das genauer an.

Zur Erinnerung: Was ist BPA?

BPA ist ein Baustein harter Kunststoffe und wird seit mehreren Jahrzehnten eingesetzt. Weil BPA in Kunststoffen vorkommt, die für Lebensmittelverpackungen sowie einige Getränke- und Aufbewahrungsbehälter genutzt werden, sind viele Menschen täglich geringen Mengen ausgesetzt.

Seit Längerem gibt es allerdings Bedenken hinsichtlich möglicher Gesundheitswirkungen. Der Grund: BPA kann im Körper die Wirkung des Hormons Östrogen schwach nachahmen.

Auch wenn dieser Effekt nur gering ist, sorgt die lebenslange Exposition in niedrigen Dosen für Besorgnis. Einige Länder haben BPA vorsorglich in Babyflaschen verboten; Australien schafft BPA in Babyflaschen freiwillig schrittweise ab.

Was ist Autismus – und wodurch entsteht er?

Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Die Diagnose wird anhand von Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation sowie repetitiven und/oder eingeschränkten Verhaltensweisen gestellt.

Zusätzlich können bei autistischen Menschen weitere Probleme auftreten, etwa Anfälle, Veränderungen der Motorik (zum Beispiel Schwierigkeiten mit feinmotorischer Koordination wie einen Stift zu halten oder einen Schlüssel zu drehen), Angstzustände, sensorische Auffälligkeiten, Schlafprobleme sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Die Ausprägung dieser Merkmale variiert stark. Entsprechend erleben autistische Menschen ihren Alltag auf sehr unterschiedliche Weise.

Bislang beschreiben viele Studien vor allem autistische Personen, die sich in der Gemeinschaft gut zurechtfinden und teilweise in bestimmten Bereichen aussergewöhnliche Fähigkeiten zeigen. Gleichzeitig besteht eine grosse Wissenslücke bei der Gruppe stark beeinträchtigter autistischer Menschen, die eine Betreuung rund um die Uhr benötigen.

Genetische Faktoren haben einen starken Einfluss: Mit Autismus werden mehr als 1.000 Gene in Verbindung gebracht. Trotzdem ist die Ursache in den meisten Fällen nicht geklärt.

Dazu kommt: Eine detaillierte Gen-Sequenzierung ist bei Kindern mit Autismus nicht routinemässig. Zwar gibt es einzelne Gene, die bestimmte Formen von Autismus erklären können. Häufiger dürfte Autismus jedoch aus dem komplexen Zusammenspiel vieler Gene entstehen – etwas, das selbst in gross angelegten Studien schwer nachzuweisen ist.

Neben der Genetik können auch Umweltfaktoren zur Entwicklung von Autismus beitragen. So werden einige Medikamente gegen Anfälle Schwangeren heute nicht mehr verordnet, weil sie das Risiko erhöhen können, dass Kinder neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus entwickeln.

Die neue Studie prüft einen weiteren möglichen Umweltfaktor: die BPA-Exposition im Mutterleib. Die Forschung bestand aus mehreren Teilen, darunter Untersuchungen mit Menschen und mit Mäusen.

Was haben die Forschenden bei Menschen beobachtet?

Untersucht wurde eine Kohorte von 1.074 australischen Kindern; etwa die Hälfte davon waren Jungen. Bis zum Alter von sieben bis elf Jahren (Durchschnittsalter neun Jahre) hatten 43 Kinder (29 Jungen und 14 Mädchen) eine Autismus-Diagnose.

Von 847 Müttern wurde in der späten Schwangerschaft Urin gesammelt und die BPA-Menge bestimmt. In der anschliessenden Auswertung konzentrierte sich das Team auf die Proben mit den höchsten BPA-Werten.

Ausserdem analysierten die Forschenden Genveränderungen anhand von Blut aus der Nabelschnur bei der Geburt. Ziel war es, die Aktivität des Aromatase-Enzyms abzuschätzen, das mit dem Östrogenspiegel zusammenhängt. Kinder mit Genveränderungen, die auf niedrigere Östrogenwerte hindeuten könnten, wurden als "low aromatase activity" eingestuft.

Das Team berichtete einen Zusammenhang zwischen hohen BPA-Werten der Mutter und einem erhöhten Autismus-Risiko bei Jungen mit "low aromatase activity".

Für Mädchen sei die Zahl der Fälle mit Autismus-Diagnose und niedrigen Aromatase-Werten in der abschliessenden Analyse zu gering gewesen, um belastbar auszuwerten. Daher bezogen sich die Schlussfolgerungen auf Jungen.

Was haben sie bei Mäusen festgestellt?

Zusätzlich untersuchte das Team, wie sich eine BPA-Exposition im Mutterleib bei Mäusen auswirkt.

Bei den so belasteten Mäusen beobachteten die Forschenden vermehrtes Putzverhalten (als Hinweis auf repetitives Verhalten) sowie ein vermindertes Annäherungsverhalten gegenüber Artgenossen (als Hinweis auf reduzierte soziale Interaktion).

Zudem wurden nach der BPA-Behandlung Veränderungen in der Amygdala-Region des Gehirns beschrieben. Diese Region spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung sozialer Interaktionen.

Die Forschenden folgerten, dass hohe BPA-Mengen das Aromatase-Enzym dämpfen können, wodurch sich die Östrogenproduktion verändert und das Wachstum von Nervenzellen im Mausgehirn modifiziert werden könnte.

Die Ergebnisse aus dem Mausmodell sollten jedoch aus mehreren Gründen vorsichtig interpretiert werden:

  • Mausverhalten lässt sich nicht eins zu eins auf menschliches Verhalten übertragen.
  • BPA wurde nicht allen Mäusen auf dieselbe Weise verabreicht – einige erhielten Injektionen unter die Haut, andere nahmen BPA über ein zuckerhaltiges Gelee auf. Das kann beeinflussen, welche BPA-Menge tatsächlich ankommt oder wie sie verstoffwechselt wird.
  • Die verabreichte Tagesdosis (50 Mikrogramm pro Kilogramm) lag über dem, was Menschen in Australien typischerweise aufnehmen würden, und deutlich über den BPA-Werten, die im Urin der Mütter in dieser Studie gemessen wurden.

Was ist die Kernaussage?

Ein Zusammenhang zwischen zwei Faktoren – hier BPA-Exposition im Mutterleib und Autismus – bedeutet nicht, dass das eine das andere verursacht.

Die Forschenden schlagen allerdings auf Basis der Mausdaten einen Mechanismus vor: Hohe BPA-Werte könnten das Aromatase-Enzym dämpfen, dadurch die Östrogenproduktion verändern und so beeinflussen, wie sich Nervenzellen im Mausgehirn entwickeln.

Ist damit die Ursache von Autismus gefunden? Allein auf Grundlage dieser Studie: nein. Nicht alle Babys von Frauen mit BPA im Urin entwickelten Autismus – die Exposition gegenüber solchen Kunststoffen reicht also für sich genommen nicht aus. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen, einschliesslich genetischer Einflüsse.

Die Studie deutet jedoch an, dass eine Gen-Umwelt-Interaktion möglich ist: Babys mit bestimmten Genvarianten könnten empfindlicher auf BPA reagieren und dadurch ein höheres Autismus-Risiko haben. Um das einzuordnen, wäre weitere Forschung nötig.

Wichtig ist ausserdem: Es gibt viele andere mögliche Faktoren, die mit ähnlicher Evidenzlage zu Autismus beitragen könnten. Und letztlich ist bei den meisten Menschen weiterhin nicht sicher bekannt, wodurch Autismus entsteht.

Elisa Hill-Yardin, Professorin und Leiterin des Gut-Brain Axis Laboratory, RMIT University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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