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Aktualisierter Lancet-Commission-Bericht: 14 Risikofaktoren und 45 Prozent weniger Demenz

Arzt erklärt älterem Patienten Gehirnscan auf Tablet in heller Praxis mit Brille auf dem Tisch.

Fast jede zweite Demenzerkrankung könnte sich nach hinten verschieben oder sogar ganz vermeiden lassen, wenn 14 potenziell beeinflussbare Risikofaktoren konsequent angegangen würden – darunter Sehverlust und erhöhte Cholesterinwerte.

Zu diesem zentralen Ergebnis kommt eine neue Studie, die wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen im Fachjournal The Lancet veröffentlicht haben.

Demenz ist eine weltweit rasant wachsende Herausforderung: Derzeit sind schätzungsweise 57 million Menschen betroffen. Bis 2050 wird diese Zahl weltweit voraussichtlich auf 153 million ansteigen. Während die Demenzhäufigkeit in Ländern mit hohem Einkommen rückläufig ist, nimmt sie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiter zu.

Der nun zum dritten Mal aktualisierte Bericht der Lancet Commission on Dementia enthält eine klare, ermutigende Botschaft: Politik, medizinische Praxis, Einzelpersonen und Familien können beim Thema Prävention ambitioniert sein und das Demenzrisiko senken. Und für Menschen, die bereits mit Demenz leben, sowie für ihre pflegenden Angehörigen geht es darum, die Lebensqualität mit evidenzbasierten Ansätzen zu stützen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Lancet-Reports zur Demenz

Der neue Bericht bekräftigt 12 bereits zuvor benannte, potenziell veränderbare Risikofaktoren aus zwei früheren Berichten (2017 und 2020). Zugleich liefert er zusätzliche Evidenz für zwei weitere beeinflussbare Risiken: Sehverlust sowie hohe Spiegel des Low-Density-Lipoprotein-(LDL)-Cholesterins, das häufig als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird.

Unsere Auswertung der veröffentlichten Forschung zeigt: In der Summe könnten Massnahmen gegen diese 14 veränderbaren Risikofaktoren die Demenzprävalenz weltweit potenziell um 45 Prozent senken. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen – und auch bei Menschen mit geringem Einkommen in Ländern mit hohem Einkommen – könnten sogar noch stärkere Risikoreduktionen möglich sein. Hintergrund sind die dort höhere Demenzhäufigkeit, ausgeprägtere gesundheitliche Ungleichheiten und eine höhere Belastung durch Risikofaktoren.

Der Bericht macht zudem deutlich, dass eine Verringerung dieser 14 Risiken die Zahl der gesunden Lebensjahre erhöhen und die Dauer schlechter Gesundheit bei Menschen mit Demenz verkürzen kann.

Nichtmedikamentöse Ansätze zur Lebensqualität bei Demenz

Darüber hinaus verweist der Bericht auf klinische Studien, die zeigen, dass nichtpharmakologische Vorgehensweisen Demenzsymptome lindern und die Lebensqualität verbessern können – etwa Aktivitäten, die gezielt an Interessen und Fähigkeiten der Betroffenen angepasst werden.

Wir sind ein Internist (Allgemeine Innere Medizin) sowie eine angewandte Soziologin und Interventionswissenschaftlerin; unsere Arbeit konzentriert sich auf Gedächtnis und Wohlbefinden älterer Menschen. Gemeinsam mit 25 weiteren international anerkannten Demenzexpertinnen und -experten unter der Leitung der Psychiatrieprofessorin Dr. Gill Livingston haben wir die vorhandene Evidenz sorgfältig gesichtet, um Empfehlungen zu Prävention, Intervention und Versorgung abzuleiten.

Warum das wichtig ist

Dass die Bevölkerung weltweit immer älter wird, ist ein Erfolg besserer öffentlicher und individueller Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg. Gerade weil es jedoch keine Heilung für Demenz gibt, unterstreicht der Bericht, wie entscheidend Prävention ist – und ebenso, wie wichtig die Unterstützung der Lebensqualität nach einer Demenzdiagnose bleibt.

Im aktuellen Bericht schlägt unser Team ein ambitioniertes Programm zur Demenzprävention vor, das sich auf individueller Ebene, in Gemeinschaften und über politische Massnahmen umsetzen lässt – und zwar lebenslang, von der frühen Kindheit über das mittlere bis ins höhere Alter. Die Kernelemente sind:

  • Frühes Leben: die allgemeine Bildung verbessern.
  • Mittleres Lebensalter: Hörverlust angehen, hohes LDL-Cholesterin senken, Depressionen behandeln, Schädel-Hirn-Traumata vermeiden, körperliche Inaktivität reduzieren, Diabetes gut kontrollieren, Rauchen stoppen, Bluthochdruck behandeln, Adipositas verringern und übermässigen Alkoholkonsum reduzieren.
  • Höheres Alter: soziale Isolation vermindern, Luftverschmutzung senken und Sehverlust entgegenwirken.

In der Gesamtschau entspricht das der Schätzung der Lancet Commission on Dementia, wonach sich 45 Prozent des Demenzrisikos reduzieren lassen. Zudem zeigt eine Vielzahl neuer Studien: Werden Risikofaktoren tatsächlich verändert – etwa die Belastung durch Luftverschmutzung –, geht dies mit besserer Kognition einher und dürfte das Demenzrisiko verringern.

Neue Evidenz stützt ausserdem die Annahme, dass in Ländern mit hohem Einkommen eine Senkung des Demenzrisikos in mehr gesunde Jahre, mehr Jahre ohne Demenz und eine kürzere Phase von Krankheit bei jenen münden kann, die dennoch eine Demenz entwickeln.

Was weiterhin unklar ist

Die rechnerische Reduktion des Demenzrisikos um 45 Prozent in der Weltbevölkerung beruht auf einer Kalkulation, die voraussetzt, dass die Risikofaktoren ursächlich wirken und vollständig eliminiert werden können. Diese Modellrechnung verdeutlicht, wie zentral Prävention ist – und welche Folgen sie für Betroffene und Familien haben könnte.

Die Kommission betonte, dass zusätzliche Forschung nötig ist: um weitere Risikofaktoren zu identifizieren, Veränderungen von Risikofaktoren in klinischen Studien zu prüfen, öffentliche Gesundheitsstrategien besser anzuleiten sowie Umsetzungs- und Skalierungsstrategien für evidenzbasierte Programme zu entwickeln und zu bewerten, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen.

Der aktualisierte Bericht entfaltet weltweit Wirkung für öffentliche Gesundheit und Forschung und wird breit verbreitet. Er dient als Orientierung für Behandelnde und politische Entscheidungsträger und skizziert zugleich neue Richtungen für die Forschung.

Der Forschungsüberblick ist ein kurzer Blick auf interessante wissenschaftliche Arbeiten.

Eric B. Larson, Affiliate-Professor für Medizin, Medizinische Fakultät der University of Washington, und Laura Gitlin, emeritierte Dekanin und Distinguished Professor für Pflegewissenschaft und Gesundheit, Drexel University

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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