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Antibiotikaresistenzkrise: Pilzinfektionen und Antimykotika-Resistenz vor dem UN-Treffen in New York City

Junger Wissenschaftler im Labor untersucht Bakterienkultur auf einer Petrischale konzentriert.

Die Welt steckt mitten in einer Antibiotikaresistenzkrise, die jährlich zum Tod von nahezu 5 Millionen Menschen beiträgt. Doch nicht nur Bakterien verändern sich – auch andere Krankheitserreger entwickeln sich weiter.

Eine „stille Pandemie“ durch Pilzinfektionen

Auch Pilzinfektionen passen sich zunehmend schneller an, als es unsere Medizin ausgleichen kann. Einige Forschende sprechen deshalb von einer „stillen Pandemie“, die dringend angegangen werden müsse.

„Die Bedrohung durch Pilzpathogene und Antimykotika-Resistenz, obwohl sie ein wachsendes globales Problem ist, wird aus der Debatte herausgelassen“, erklärt der Molekularbiologe Norman van Rhijn von der University of Manchester im Vereinigten Königreich.

Im September richtet die United Nations in New York City ein Treffen zur antimikrobiellen Resistenz aus. Dort sollen resistente Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten thematisiert werden.

Im Vorfeld dieser Veranstaltung fordern van Rhijn und ein internationales Wissenschaftsteam Regierungen, Forschungseinrichtungen und die Pharmaindustrie dazu auf, „über Bakterien hinauszuschauen“.

Wie sie in einer Korrespondenz in The Lancet schreiben, fehlen Pilzinfektionen in zu vielen Initiativen, die antimikrobielle Resistenz bekämpfen sollen.

Ohne rasche Aufmerksamkeit und konkrete Massnahmen könnten einige besonders gefährliche Pilzinfektionen, die bereits 6,5 Millionen Menschen pro Jahr betreffen und jährlich 3,8 Millionen Leben fordern, künftig noch bedrohlicher werden.

„Der unverhältnismässige Fokus auf Bakterien ist besorgniserregend, weil viele Resistenzprobleme der vergangenen Jahrzehnte auf invasive Pilzerkrankungen zurückgingen, die sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Regierungen weitgehend nicht erkannt werden“, schreiben van Rhijn und seine Kolleginnen und Kollegen. Das Team stammt aus Institutionen in China, den Niederlanden, Österreich, Australien, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Brasilien, den USA, Indien, der Türkei und Uganda.

WHO-Liste der prioritären Pilzpathogene

Im Jahr 2022 veröffentlichte die World Health Organization die Fungal Priority Pathogen List – „der erste globale Versuch, Pilzpathogene systematisch zu priorisieren“.

Zu den für die menschliche Gesundheit als besonders gefährlich eingestuften Erregern zählen Aspergillus fumigatus, der aus Schimmel stammt und das Atmungssystem befallen kann; Candida, die eine Hefepilzinfektion auslösen kann; Nakaseomyces glabratus, der den Urogenitaltrakt oder den Blutkreislauf infizieren kann; sowie Trichophyton indotineae, der Haut, Haare und Nägel befallen kann.

Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Warum Pilze schwerer zu bekämpfen sind

Im Vergleich zu Bakterien oder Viren sind Pilze komplexere Organismen und ihrer Struktur nach Tieren am ähnlichsten. Das erschwert die Entwicklung von Medikamenten: Wirkstoffe müssen Pilzzellen abtöten können, ohne dabei andere wichtige Körperzellen zu schädigen – ein Ansatz, der für Forschende schwieriger und kostspieliger ist.

„Zur Behandlung tiefer oder invasiver Pilzinfektionen stehen nur vier systemische Antimykotika-Klassen zur Verfügung, und Resistenz ist inzwischen eher die Regel als die Ausnahme für diese derzeit verfügbaren Klassen“, schreiben die Autorinnen und Autoren der Korrespondenz.

In den vergangenen Jahrzehnten seien zwar mehrere vielversprechende neue Antimykotika in Sicht gekommen. Doch das Wettrüsten zwischen Erreger und Therapie werde unter anderem durch die Agrochemie beschleunigt.

Landwirtschaftliche Fungizide und Kreuzresistenzen

„Noch bevor [diese Medikamente] nach Jahren der Entwicklung und klinischer Studien den Markt erreichen, entwickelt die Agrochemie Fungizide mit ähnlichen Wirkmechanismen, was bei kritischen prioritären Pathogenen zu Kreuzresistenzen führt“, erläutern die Forschenden in ihrer Korrespondenz.

„Antimykotischer Schutz ist für die Ernährungssicherheit erforderlich. Die Frage ist: Wie bringen wir Ernährungssicherheit mit der Fähigkeit in Einklang, aktuelle und künftige resistente Pilzpathogene zu behandeln?“

Dieses Dilemma sei bei Antibiotika ausführlich diskutiert worden, bei Antimykotika jedoch deutlich weniger. Van Rhijn und sein Team empfehlen daher ein globales Abkommen, das bestimmte Antimykotika auf klar definierte Einsatzbereiche beschränkt, sowie gemeinsame Regelungen, um Ernährungssicherheit und Gesundheit miteinander auszubalancieren.

Was die UN im September leisten muss

Das UN-Treffen im September „muss als Ausgangspunkt“ für einen koordinierten und vielfältigen Ansatz gegen antimikrobielle Resistenz dienen, schliessen die Forschenden.

Kein Mikroorganismus sollte übersehen werden.

Die Studie wurde in The Lancet veröffentlicht.

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