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Zerebrale Amyloidangiopathie (CAA) und Demenz: Risiko steigt auch ohne Schlaganfall

Arzt erklärt älterer Patientin Gehirnscan auf Bildschirm in einer hellen Praxis.

Die meisten Menschen verbinden Demenz mit einem reinen Gedächtnisproblem, das scheinbar plötzlich auftritt. Tatsächlich entsteht sie häufig schleichend – ausgelöst durch Vorgänge tief im Gehirn, die sich anfangs kaum bemerkbar machen.

Ein Teil dieser Veränderungen spielt sich nicht direkt in den Nervenzellen ab, sondern in den Blutgefässen, die das Gehirn versorgen. Dabei geht es auch um ein Protein, das viele kennen, dessen Rolle aber oft missverstanden wird.

Es handelt sich um dasselbe Protein, das mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht wird – nur lagert es sich in diesem Fall in den Wänden von Blutgefässen ab. Mit der Zeit schwächt diese Ablagerung die Gefässwände und erhöht das Risiko für schwere Schädigungen des Gehirns.

Der Begriff dafür ist sperrig: zerebrale Amyloidangiopathie, kurz CAA. Lange Zeit wurde CAA vor allem im Zusammenhang mit Schlaganfällen thematisiert. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass es noch einen zweiten Grund gibt, genauer hinzuschauen.

Langsames Problem in der „Gehirn-Pipeline“

Bei CAA sammeln sich Amyloid-Proteine in kleinen Blutgefässen im Gehirn an. Eine geringe Menge Amyloid kann im Rahmen des normalen Alterns auftreten, ohne zwingend Beschwerden auszulösen.

Kritisch wird es, wenn die Ablagerungen so stark werden, dass sie die Gefässe selbst schädigen.

Durch die geschwächten Gefässwände steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie einreissen und Blut in das umliegende Hirngewebe austritt.

Das kann einen hämorrhagischen Schlaganfall auslösen. Zudem wird CAA auch mit ischämischen Schlaganfällen in Verbindung gebracht, bei denen der Blutfluss blockiert ist. Doch Schlaganfälle sind nicht die ganze Geschichte.

Gefässe, deren Wände von Amyloid durchsetzt sind, brechen nicht nur leichter – sie schaffen es auch schlechter, das Gehirn gleichmässig zu durchbluten. Auf Dauer kann das Hirngewebe dadurch zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe erhalten.

Diese langsame Schädigung beeinträchtigt Denken, Gedächtnis und Urteilsvermögen – oft lange bevor es überhaupt zu einem grossen Schlaganfall kommt.

CAA im Zusammenhang mit Demenz

Forschende haben kürzlich genauer untersucht, wie häufig Menschen nach einer CAA-Diagnose eine Demenz entwickeln.

Die Ergebnisse sollen auf einem grossen internationalen Kongress zu Schlaganfall und Gehirngesundheit vorgestellt werden, an dem Fachleute aus aller Welt teilnehmen.

Samuel Bruce, Hauptautor der Studie, ist Neurologe und Forscher an der Weill Cornell Medicine in New York City. Sein Team wollte eine grundlegende, aber wichtige Frage klären: Wie stark erhöht CAA das Demenzrisiko – mit Schlaganfall und ohne Schlaganfall?

„Viele Menschen mit CAA entwickeln Demenz; allerdings fehlten Ärztinnen und Ärzten bislang klare, gross angelegte Schätzungen dazu, wie häufig das passiert und wie schnell sich die Demenz bei diesen Patientinnen und Patienten entwickelt“, sagte Bruce.

Um diese Lücke zu schliessen, griff das Team auf eine der grössten Gesundheitsdatenquellen des Landes zurück.

Demenzrisiko über die Zeit nachverfolgt

Die Forschenden werteten Gesundheitsdaten von mehr als 1,9 Millionen Medicare-Versicherten ab 65 Jahren aus, für die Jahre 2016 bis 2022. Sie erfassten, wer CAA entwickelte, wer einen Schlaganfall hatte und zu welchem Zeitpunkt erstmals eine Demenz diagnostiziert wurde.

Anhand dieser grossen Medicare-Stichprobe schätzte die Studie, ob Menschen mit CAA häufiger neu mit Demenz diagnostiziert werden, und sie zeigte auf, wie CAA und Schlaganfall – getrennt betrachtet und gemeinsam – mit neuen Demenzdiagnosen zusammenhängen.

Die Personen wurden über die Zeit beobachtet, während sich ihr Gesundheitszustand veränderte: Einige hatten weder CAA noch Schlaganfall. Andere entwickelten nur CAA. Wieder andere hatten Schlaganfälle oder beide Erkrankungen zusammen.

So konnten die Forschenden nicht nur feststellen, wer eine Demenz entwickelte, sondern auch, wann dies geschah.

Das Demenzrisiko steigt mit CAA deutlich an

Die Ergebnisse fielen deutlich aus. Innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose wurde bei rund 42 Prozent der Menschen mit CAA eine Demenz festgestellt – im Vergleich zu etwa 10 Prozent bei Personen ohne CAA.

Menschen, die sowohl CAA als auch einen Schlaganfall hatten, erhielten zu jedem betrachteten Zeitpunkt 4,5-mal häufiger eine Demenzdiagnose als Personen, bei denen keine der beiden Erkrankungen vorlag.

Bei Betroffenen mit CAA ohne Schlaganfallvorgeschichte lag die Wahrscheinlichkeit einer Demenzdiagnose bei 4,3-mal höher. Zum Vergleich: Erwachsene, die einen Schlaganfall erlebt hatten, jedoch ohne CAA, entwickelten 2,4-mal häufiger eine Demenz.

Auffällig war zudem: Das Demenzrisiko bei CAA ohne Schlaganfall ähnelte dem Risiko bei CAA mit zusätzlichem Schlaganfall.

Beide Gruppen zeigten eine höhere Demenzhäufigkeit als Teilnehmende, die nur einen Schlaganfall erlitten hatten. Das spricht dafür, dass Mechanismen jenseits von Schlaganfällen eine wichtige Rolle für das CAA-assoziierte Demenzrisiko spielen.

„Diese Ergebnisse unterstreichen, dass nach einer CAA-Diagnose proaktiv auf kognitive Veränderungen gescreent werden sollte und dass Risikofaktoren angegangen werden müssen, um einen weiteren kognitiven Abbau zu verhindern“, sagte Bruce.

Kleine Blutgefässe treiben Demenz

Steven Greenberg, ein Neurologe, der nicht an der Studie beteiligt war, ordnete die Befunde in das bestehende Wissen ein. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Erkrankungen der kleinen Blutgefässe im Gehirn.

„Erkrankungen der kleinen Blutgefässe im Gehirn sind ein wesentlicher Treiber von Demenz“, sagte er. „Das gilt besonders für CAA, die häufig gemeinsam mit der Alzheimer-Krankheit auftritt – ein starker Doppelschlag.“

„Wir wissen, dass nach jeder Art von Schlaganfall ein Demenzrisiko besteht, aber diese Ergebnisse deuten auf ein noch höheres Risiko für CAA-Patientinnen und -Patienten hin.“

Das ist relevant, weil Erkrankungen kleiner Gefässe oft unbemerkt bleiben. Sie führen nicht immer sofort zu dramatischen Symptomen, sondern beeinträchtigen die Hirnfunktion allmählich.

Zukünftige Forschungsrichtungen

Die Forschenden betonten, dass ihre Analyse auf Diagnoseschlüsseln aus Medicare-Abrechnungsdaten beruhte – nicht auf ausführlichen klinischen Untersuchungen oder Bildgebung.

„Diese Codes sind ein unvollkommener Ersatz für klinische Diagnosen, und es kann zu Fehlzuordnungen kommen“, sagte Bruce. Das Team nutzte Codes, die als hinreichend zuverlässig gelten, dennoch hat dieser Ansatz Grenzen.

Ausserdem lagen keine Bildgebungsdaten vor, um CAA oder Schlaganfall in jedem einzelnen Fall zu bestätigen. Künftige Studien müssen Patientinnen und Patienten prospektiv begleiten und standardisierte Diagnoseinstrumente einsetzen, um ein klareres Bild zu gewinnen.

Trotzdem ist die Aussage schwer zu übersehen: Probleme in den Blutgefässen des Gehirns – insbesondere solche mit Amyloid-Ablagerungen – können Menschen auch ohne Schlaganfall in Richtung Demenz treiben.

Für Patientinnen und Patienten ebenso wie für Ärztinnen und Ärzte bedeutet das, dass ein frühes Augenmerk auf kognitive Veränderungen wichtiger ist denn je.

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