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Puppentherapie bei Demenz: Wie Empathiepuppen Trost spenden können

Ältere Frau hält eine Babypuppe, während ein junger Mann sie dabei unterstützt, in einem hellen Wohnzimmer.

Für Menschen mit Demenz kann sich die Wahrnehmung der Welt im Verlauf der Erkrankung verändern. Ihr Realitätsgefühl oder ihre zeitliche Orientierung kann verzerrt sein, was Unruhe und Belastung auslösen kann.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten, Menschen mit veränderter Wahrnehmung und verändertem Verhalten zu unterstützen, besteht darin, ihre Umgebung gezielt zu gestalten. Das kann weitreichende Vorteile haben, etwa den Bedarf an Beruhigungsmitteln zu verringern.

Eine mögliche Strategie ist der Einsatz von Puppen als Trostratgeber.

Was ist „Puppentherapie“?

Treffender wird diese Methode als „Kindrepräsentation“ bezeichnet: Realistisch gestaltete Puppen, auch Empathiepuppen genannt, können einigen Menschen mit Demenz Geborgenheit vermitteln.

Bei Demenz sind Erinnerungen an die weiter zurückliegende Vergangenheit oft präsenter als jüngere Erlebnisse. Frühere Erfahrungen mit Elternschaft und der Betreuung kleiner Kinder können sich für einen Menschen mit Demenz daher „wirklicher“ anfühlen als seine gegenwärtige Situation.

Auch Halluzinationen oder Wahnvorstellungen können auftreten. So kann eine Person etwa ein weinendes Baby hören oder befürchten, ihr Baby verloren zu haben.

Eine Puppe bereitzustellen, kann eine greifbare Möglichkeit sein, Belastung zu mindern, ohne das Erleben der Person mit Demenz infrage zu stellen.

Manche Menschen halten die Puppe für echt

Ein jüngster Fall, bei dem eine Pflegefachkraft in der Altenpflege die Therapiepuppe eines Demenzpatienten misshandelte, verdeutlicht, wie wichtig angemessene Schulungen und Unterstützung für Pflegekräfte in diesem Bereich sind.

Menschen, die eine enge Bindung zu einer therapeutischen Puppe entwickeln, behandeln sie als echtes Baby, das versorgt werden muss. Wird die Puppe unsachgemäß behandelt, kann dies deshalb eine sehr starke emotionale Reaktion auslösen.

Entscheidend ist, sich an der Person mit Demenz zu orientieren und nur dann so zu handeln, als wäre die Puppe ein echtes Baby, wenn die Person selbst davon ausgeht.

Was sagt die Forschung zur Kindrepräsentation?

Studien deuten darauf hin, dass Empathiepuppen Unruhe und Angst verringern und die allgemeine Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern können.

Die Therapie mit Kindrepräsentation gehört zu den nicht-medikamentösen Ansätzen in der Demenzpflege. Insbesondere kann die Bindung an die Puppe als eine Form der Erinnerungstherapie wirken, bei der Impulse genutzt werden, um an frühere Erfahrungen anzuknüpfen.

Der Umgang mit den Puppen kann zudem eine Form sensorischer Stimulation sein: Menschen mit Demenz können durch das Berühren und Halten der Puppe Trost finden. Sensorische Stimulation kann das emotionale Wohlbefinden fördern und die Kommunikation unterstützen.

Allerdings reagieren nicht alle Menschen mit Demenz auf eine Empathiepuppe.

Die Einführung einer therapeutischen Puppe sollte mit sorgfältiger Beobachtung und unter Berücksichtigung der Lebensgeschichte der betreffenden Person erfolgen.

Empathiepuppen können ungeeignet oder weniger wirksam sein für Menschen, die früher keine Kinder betreut haben oder Geburtstraumata beziehungsweise den Verlust eines Kindes erlebt haben.

Richten Sie sich nach der Person mit Demenz und danach, wie sie auf die Puppe reagiert.

Gibt es Nachteile?

Dieser Ansatz ist nicht unumstritten. Es wird argumentiert, dass die Therapie mit Kindrepräsentation Menschen mit Demenz „infantilisiert“ und negative Stigmatisierung verstärken könnte.

Außerdem kann die Bindung so intensiv werden, dass die Person mit Demenz verärgert reagiert, wenn jemand anderes die Puppe hochhebt. Das kann Schwierigkeiten bereiten, wenn Enkelkinder anwesend sind oder die Puppe gereinigt werden muss.

Die Einführung der Therapie mit Kindrepräsentation kann auch zusätzliche Schulungen für Mitarbeitende und mehr Zeit erfordern. Nicht-medikamentöse Maßnahmen wie die Kindrepräsentation haben sich jedoch als kosteneffektiv erwiesen.

Könnten Roboter die Zukunft sein?

Auch interaktivere Empathiepuppen und roboterähnliche Haustiere werden zunehmend beliebter.

Roboter haben sich in der Demenzpflege zwar als umsetzbar und akzeptabel erwiesen, doch über ihren Nutzen besteht weiterhin Uneinigkeit.

Einige Studien berichten über positive Ergebnisse, darunter weniger Unruhe. Andere zeigen hingegen keine Verbesserungen bei Kognition, Verhalten oder Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

Fortschritte bei künstlicher Intelligenz werden ebenfalls genutzt, um Menschen mit Demenz zu unterstützen und die Öffentlichkeit zu informieren.

Viv and Friends sind beispielsweise KI-Begleiter, die auf einem Bildschirm erscheinen und in Echtzeit mit Menschen mit Demenz interagieren können. Die KI-Figur Viv hat Demenz und wurde gemeinsam mit Frauen mit Demenz entwickelt; dabei wurden wortgetreue Skripte ihrer Aussagen, Erkenntnisse und Erfahrungen verwendet. Viv kann nicht nur von ihren Erfahrungen mit Demenz berichten, sondern auch darauf programmiert werden, über gemeinsame Interessen wie Gartenarbeit zu sprechen.

Diese Begleiter werden derzeit in einigen stationären Altenpflegeeinrichtungen erprobt und helfen zugleich dabei, Menschen über die gelebte Erfahrung mit Demenz aufzuklären.

Wie sollten Sie auf die Empathiepuppe eines Angehörigen reagieren?

Kindrepräsentation kann die Demenzpflege sinnvoll ergänzen, setzt jedoch Einfühlungsvermögen und eine angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse der Person voraus.

Menschen mit Demenz nehmen die soziale Welt möglicherweise anders wahr als Menschen ohne Demenz. Dennoch ist ein Mensch mit Demenz kein Kind und darf niemals als Kind behandelt werden.

Stellen Sie sicher, dass alle Angehörigen, Freunde und Pflegekräfte über die Bindung an die Empathiepuppe informiert sind. So lässt sich vermeiden, dass durch einen unpassenden Umgang mit der Puppe unbeabsichtigt Belastung entsteht.

Bei einer interaktiven Puppe sollten Ersatzbatterien bereitliegen.

Wichtig ist schließlich, die Bindung im Zeitverlauf erneut zu bewerten, da sich die Reaktion der Person auf die Empathiepuppe verändern kann.

Nikki-Anne Wilson, Postdoktorale Forschungsstipendiatin, Neuroscience Research Australia (NeuRA), UNSW Sydney

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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