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REM-Schlaf beeinflusst die Ausdauer von Pferden beim Lernen

Braunes Pferd in einem Stall steht vor einem Schild mit blauen und roten Formen, im Hintergrund ein schlafendes Fohlen.

Schlaf dient Pferden nicht allein zur Erholung. Eine neue Studie legt nahe, dass er auch beeinflussen kann, wie lange sie bei schwieriger werdenden Lernaufgaben durchhalten.

Die Forschenden stellten fest, dass kurze REM-Schlafphasen die Leistung der Pferde nicht einfach verschlechterten, etwa indem sie mehr Fehler machten. Stattdessen schienen sie vor allem die Ausdauer zu verringern – insbesondere in anspruchsvolleren Lernsituationen.

Die Untersuchung wurde an der Universität Helsinki mit Reitschulpferden durchgeführt.

Zudem entwickelte das Team einen neuen Lerntest, der unter realen Stallbedingungen einsetzbar ist. Die Pferde konnten somit in ihren eigenen Abteilen oder einer anderen vertrauten Umgebung getestet werden, statt in einer laborähnlichen Situation.

Ein Umkehr-Lerntest für Pferde

Um Lernprozesse praxisnah zu untersuchen, entwickelten die Forschenden einen Umkehr-Lerntest, der schnell und mit einfacher Ausrüstung durchgeführt werden kann.

Das Prinzip ist einfach: Ein Pferd lernt zunächst, einen Gegenstand zu berühren, um eine Belohnung zu erhalten. Hat es erkannt, welcher Gegenstand „richtig“ ist, werden die Regeln geändert. Der zuvor richtige Gegenstand gilt dann als falsch, und das Pferd muss sich umstellen.

Ein solcher Wechsel ist aussagekräftig, weil er nicht nur das Auswendiglernen, sondern auch Anpassungsfähigkeit prüft. Ein Muster zu lernen, ist etwas anderes, als eine gestern noch erfolgreiche Handlung aufzugeben und sich an eine neue Regel anzupassen.

Die meisten Reitschulpferde in der Studie erlernten die Aufgabe und schlossen sie erfolgreich ab.

Der Test lässt sich in den Stallalltag integrieren

Als Maß für den Lernerfolg erfasste das Forschungsteam, wie viele richtige Antworten die Pferde pro Minute gaben. Dies erwies sich als praktikable Methode, um Fortschritte zu verfolgen, ohne den Test unnötig kompliziert zu machen.

„Unser Umkehr-Lerntest kann innerhalb eines einzigen Tages im eigenen Abteil des Pferdes durchgeführt werden“, erklärte die Hauptautorin der Studie, Mira Joanna Hämäläinen.

„Traditionell wurde Lernen mithilfe von Tests untersucht, die mehrere Tage dauern. Da der neue Test nur zwei Personen und einfache Ausrüstung erfordert, lässt er sich in der Praxis leicht anwenden.“

REM-Schlaf und Bewältigung von Aufgaben

Im Mittelpunkt der Studie stand der REM-Schlaf – jene Schlafphase, die beim Menschen mit lebhaften Träumen verbunden ist und bei vielen Arten mit Gedächtnis und Lernen in Zusammenhang steht.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass Schlaf bei allen bislang untersuchten Tieren eine zentrale Rolle für Lernen und Gedächtnis spielt.

Zu wenig Schlaf kann die Gedächtnisbildung beeinträchtigen und sich tagsüber zudem auf Aufmerksamkeit, Motivation und Flexibilität auswirken.

In der Studie wurde der nächtliche REM-Schlaf von 16 Reitschulpferden über sechs Wochen überwacht. Das Team führte fünf Reihen von Verhaltensmessungen durch, die jeweils 48 Stunden dauerten.

Durch dieses Studiendesign konnten die Schlafmuster mit dem Lernverhalten verknüpft werden, anstatt sich auf eine einzelne Momentaufnahme zu stützen.

Das zentrale Ergebnis war deutlich: Pferde, die pro Nacht mehr als 30 Minuten REM-Schlaf erhielten, schnitten im Umkehr-Lerntest tendenziell besser ab als Pferde mit kürzeren REM-Schlafphasen.

Weniger REM-Schlaf, geringere Motivation

Bemerkenswert ist, auf welche Weise sich der Unterschied zeigte. Die Pferde mit kürzerem REM-Schlaf wurden nicht plötzlich im grundlegenden Sinn zu „schlechteren Lernern“.

„Kürzerer REM-Schlaf erhöhte nicht die Zahl der Fehler, wirkte sich aber besonders darauf aus, wie lange die Pferde an der Aufgabe arbeiteten“, sagte Hämäläinen.

Die Pferde konnten das Problem also weiterhin lösen. Sie blieben nur nicht so lange dabei.

Praktisch bedeutet das: Zwei Pferde können ähnlich wirken, wenn lediglich geprüft wird, ob sie eine Aufgabe grundsätzlich bewältigen können. Erfordert die Aufgabe jedoch anhaltende Konzentration und Flexibilität, könnte das Pferd mit weniger REM-Schlaf früher aufhören.

„Dies deutet darauf hin, dass REM-Schlaf bei Pferden mit Motivation und Ausdauer verbunden ist“, ergänzte Hämäläinen.

Keine offensichtlichen Anzeichen von Schlafmangel

Ein Aspekt, der die Ergebnisse besonders bedenklich macht: Die Forschenden beobachteten keine klaren äußerlich sichtbaren Hinweise auf Schlafstörungen.

Einige Pferde hatten schlicht sehr wenig REM-Schlaf, ohne dass bei ihnen offensichtlich erkennbar gewesen wäre, dass sie nicht richtig schliefen.

Das ist bedeutsam, weil Schlafprobleme im alltäglichen Management von Pferden leicht unbemerkt bleiben könnten.

Ein Pferd kann gesund und leistungsfähig erscheinen, aber dennoch mit einer Art verborgenem Nachteil zurechtkommen müssen, wenn es sich konzentrieren, anpassen und ausdauernd arbeiten soll.

Ein möglicherweise übersehenes Schlafproblem

Die Studie weist auch auf ein Risiko hin, das Pferdehalter und Trainer falsch deuten könnten.

Wirkt ein Pferd bei anspruchsvollen Aufgaben unkonzentriert, weniger kooperativ oder hört es auf, sich zu bemühen, liegt die erste Vermutung möglicherweise bei einem Trainings- oder Einstellungsproblem.

Diese Forschung legt nahe, dass Schlaf ein Teil der Erklärung sein könnte.

„Während die Pferde einfache Aufgaben schnell lernten, zeigten sich die Auswirkungen kurzer REM-Schlafphasen bei längeren und anspruchsvolleren Aufgaben“, stellte Hämäläinen fest.

Ein neues Instrument für das Wohlbefinden

Die Forschenden betrachten dies nicht bloß als Möglichkeit zur Leistungsoptimierung. Sie sehen darin auch einen Ansatz, das Wohlbefinden und die Lernfähigkeit unter realistischen Bedingungen zu bewerten.

Weil der Test an einem Tag und mit minimaler Ausrüstung durchgeführt werden kann, könnte er für Reitschulen oder Ställe zu einer praktischen Option werden, die besser verstehen möchten, wie ihre Pferde mit Anforderungen umgehen.

„Die Ergebnisse bieten ein neues Instrument zur Beurteilung der Lernfähigkeit und des Wohlbefindens von Pferden. Sie unterstreichen außerdem die Bedeutung des Schlafs als Teil ihres allgemeinen Wohlergehens“, sagte die Doktorandin Iina Brotherus, die zum Schlaf von Pferden forscht.

Die übergeordnete Botschaft der Studie ist einfach, wird aber leicht unterschätzt: Die Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen, hängt nicht nur von Training, Temperament oder Motivation ab.

Die Schlafqualität kann beeinflussen, wie gut sich ein Pferd an alltägliche Herausforderungen anpasst – und ob es weiter versucht, wenn das Lernen geistig anspruchsvoll wird.

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