Dank eines Tricks namens unbewusste selektive Aufmerksamkeit hat Ihr Gehirn gelernt, Ihre Nase auszublenden.
Als markantes Gesichtsmerkmal, das sehr nah an den Augen sitzt, könnte der Zinken unser Sichtfeld stören – doch das Nervensystem filtert ihn raffiniert heraus.
Trotzdem können Sie Ihre Nase ganz bewusst ins Blickfeld holen: Schliessen Sie ein Auge oder richten Sie den Blick nach links, rechts oder nach unten – und schon taucht sie auf.
Auch wenn Ihr Gehirn sich also Mühe gibt, damit die Nase Ihre Sichtlinie nicht beeinträchtigt, ist dieser „Rüssel“ nichts, was man ignorieren sollte. Wie bei vielen anderen Körperregionen kann ein genauer Blick auf die Nase dabei helfen, äussere Hautprobleme zu erkennen – und auch Hinweise auf innere Erkrankungen zu liefern.
Akne
Es gibt verschiedene Akneformen, doch Akne vulgaris ist die häufigste – und sie betrifft nicht selten auch die Nase.
Dabei verstopfen winzige Drüsen in der Haut, die schützende Öle absondern. Die Folge sind offene und geschlossene Komedonen.
Offene Komedonen – besser bekannt als Mitesser – bilden einen dunkel gefärbten Pfropf. Geschlossene Komedonen sind Weissköpfchen, die entstehen, wenn die Pore vollständig blockiert ist.
Aus verstopften Poren können ausserdem grössere Knötchen und Erhebungen werden. Diese können sich infizieren, sich entzünden, sich mit Eiter füllen – und im schlimmsten Fall Narben hinterlassen.
Akne rosacea zeigt sich anders: Es handelt sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die ein Erythem verursacht – also eine Rötung der Haut –, meist über Nase und Wangen. Rosazea ist derzeit nicht heilbar, lässt sich aber häufig kontrollieren, oft mit einer langfristigen Behandlung.
Bei Betroffenen entstehen zudem oft Papeln und Pusteln, die Akne ähneln. Hinzu kommen sichtbare Blutgefässe, die als feine rote oder violettliche Linien über Nase und Wangen verlaufen.
In manchen Fällen führt Rosazea dazu, dass die Haut an der Nase wächst und sich verdickt. Das nennt man Rhinophym; wie andere sichtbare Hautveränderungen kann es das Erscheinungsbild stark verändern und bei Betroffenen das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen.
Sowohl Akne vulgaris als auch Rosazea wurden mit verschiedenen Risikofaktoren und Gesundheitszuständen in Verbindung gebracht – wobei einige Zusammenhänge stärker belegt sind als andere. Bei Rosazea umfasst die Liste unter anderem Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes sowie rheumatoide Arthritis.
Wolfsnase
Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, die prinzipiell jedes Gewebe des Körpers betreffen kann – vor allem jedoch die Lunge und die Lymphknoten. Sie kann bläuliche oder violettliche Ausschläge in Fleckenform verursachen, besonders an Körperenden, wo die Haut typischerweise kühler ist.
Dazu zählen die Ohren, Finger und Zehen – und natürlich die Nase. Befällt Sarkoidose die Nase, spricht man von Lupus pernio. Der Name ist allerdings irreführend, weil diese Erkrankung nicht mit der Autoimmunerkrankung Lupus gleichzusetzen ist.
Der „gewöhnliche“ Lupus ist etwas völlig anderes: Hier greift der Körper sein eigenes Gewebe an. Die Bezeichnung geht auf das lateinische Wort für „Wolf“ zurück und stammt aus dem Mittelalter, als man den dazugehörigen Hautausschlag mit dem Biss eines Wolfs verglich.
Wenn Lupus – und nicht Sarkoidose – die Haut betrifft, kann er ein Schmetterlingserythem auslösen, auch malarer Ausschlag genannt, der sich über die Wangen und den Nasenrücken ausbreitet. Dieser Ausschlag kann Rosazea sehr ähnlich sehen.
Tatsächlich wird Lupus als „der grosse Imitator“ bezeichnet, weil die Erkrankung viele Symptome mit ganz unterschiedlichen Krankheiten teilt.
Trigeminus-trophisches Syndrom
Das Trigeminus-trophische Syndrom ist selten und entsteht durch eine Schädigung des Trigeminusnervs, der das Kauen steuert, aber auch die Sensibilität im Gesicht vermittelt. Werden die kleineren Nervenäste verletzt, die die Haut rund um die Nasenlöcher versorgen, verändert sich die Wahrnehmung in diesem Bereich.
Betroffene bemerken dann entweder, dass die Haut weniger empfindlich wird oder taub wirkt – oder dass sie kribbelt, wie bei Ameisenlaufen, was den Drang auslösen kann, zu zupfen oder zu kratzen. Durch wiederholte Verletzungen können sich um die Nasenlöcher herum Geschwüre bilden.
Von einer Skin-Picking-Störung – auch Dermatillomanie genannt – unterscheidet sich das dadurch, dass dort ein psychischer Zwang den Impuls antreibt, an der Haut zu knibbeln.
Schliessen Sie also hin und wieder ein Auge, um Ihren Zinken zu bewundern – oder noch besser: Schauen Sie ihn sich im Spiegel genau an. Er verdient mehr Aufmerksamkeit als den blinden Fleck, den Ihr Gehirn ihm zugesteht.
Dan Baumgardt, Dozent, Fachbereich Physiologie, Pharmakologie und Neurowissenschaften, Universität Bristol
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut aus The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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