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Hund im Haushalt: Bestimmte Mikroben halten Babys im ersten Lebensjahr seltener krank

Baby auf Holzfußboden krabbelt und schaut Hund an, der auf Bauch liegt im sonnendurchfluteten Wohnzimmer.

Babys, die mit einem Hund aufwachsen, sind in ihrem ersten Lebensjahr seltener krank – und der Hund ist ein wesentlicher Teil der Erklärung. Er bringt bestimmte Mikroben mit ins Haus, und genau diese scheinen dazu beizutragen, dass das Kind gesünder bleibt.

Naheliegend wäre die Vermutung, dass ein Hund die Wohnung schlicht „schmutziger“ macht und etwas zusätzliche „Dreck“-Exposition das Immunsystem eines Babys abhärtet. So einfach war es in dieser Untersuchung jedoch nicht.

Entscheidend waren nicht möglichst viele Mikroben, sondern einige wenige, klar benennbare Arten.

Fussbodenstaub und wöchentliche Tagebücher

Jenni Mäki, Kinderärztin am Finnischen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt, leitete die Studie. Gemeinsam mit ihrem Team begleitete sie 368 finnische Kinder – von der Zeit vor der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahrs.

Die Familien stammten aus zwei lang laufenden Kohorten, die über das Universitätskrankenhaus Kuopio beobachtet werden. In etwa einem Drittel der Haushalte lebte ein Hund.

Als die Babys zwei Monate alt waren, entnahm das Team eine kleine Staubprobe vom Wohnzimmerboden. Ausgewertet wurde dieser Staub später an der Universität Ostfinnland.

Staub machte hundetypische Mikroben sichtbar

Anschliessend lag es an den Eltern: Jede Woche beantworteten sie eine kurze Frage – ob ihr Kind in den vergangenen sieben Tagen „pudelwohl und topfit“ gewesen sei.

Falls nicht, hielten sie fest, was passiert war, etwa Fieber, eine Ohrenentzündung oder eine Antibiotikatherapie. Über die Monate kamen so Woche für Woche mehr als 15.000 dieser kurzen Protokolle zusammen.

Im Staub identifizierten die Forschenden 14 Mikrobenarten, die in Haushalten mit Hund häufiger vorkamen. Davon waren 12 Bakterien und zwei Pilze.

Welche Mikroben hinter weniger Fieber steckten

Von diesen 14 Mikroben erklärten acht jeweils zwischen 10 und 23 Prozent des gesundheitlichen Vorteils, der mit einem Hund im Haushalt einherging. Eine Art stach deutlich heraus: ein Bakterium namens Pasteurella.

Pasteurella lebt im Maul von Hunden und Katzen, beim Menschen dagegen so gut wie nie. Zudem findet es sich auch an den Ohren und am Kinn eines Hundes.

In Wohnungen, in deren Staub mehr Pasteurella nachweisbar war, hatten die Babys weniger Wochen mit Fieber. Eine weitere Mikrobe, Collinsella, zeigte sich als besonders konstant: Sie hing mit mehr gesunden Wochen und insgesamt weniger Infektionen zusammen.

Einige Bakterien senkten den Antibiotikaeinsatz

Drei verwandte Bakterien, die gemeinsam betrachtet wurden, erklärten ungefähr ein Viertel des Rückgangs bei der Antibiotikanutzung in Haushalten mit Hund. Eine Schwachstelle blieb jedoch: Bei Ohrenentzündungen halfen diese Mikroben kaum.

„Die Ergebnisse stärken unser Verständnis, dass die mikrobielle Umgebung in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Immunsystems des Kindes spielt. Es wurde vorgeschlagen, dass es in Zukunft möglich sein könnte, die Mikrobiota im Haushalt so zu verändern, dass sie die Gesundheit fördert“, sagte Mäki.

„Unsere Studie zeigt, dass Hundehaltung dies bereits heute tut.“

Mehr Mikroben halfen nicht

Über Jahre war die verbreitete Annahme: Je mehr unterschiedliche Mikroben ein Baby im Zuhause antrifft, desto besser wird sein Immunsystem „trainiert“.

Haushalte mit Hund schienen diese Idee zu stützen. Dort ist die mikrobielle Zusammensetzung tatsächlich vielfältiger, und auch die Gesamtmenge an Bakterien ist höher.

Folglich hätte der bloss reichhaltigere Mix die Erklärung liefern müssen – tat er aber nicht.

Mäkis Gruppe summierte die gesamte Bakterienmenge, zählte die unterschiedlichen Typen und schätzte, wie viel davon von den Menschen im Haushalt stammte. Nichts davon passte zu weniger Infektionen.

Der Zusammenhang zeigte sich nur bei den spezifischen, hundeassoziierten Mikroben.

Der Hundeeffekt blieb deutlich

Ein Hund trägt die Aussenwelt auf Pfoten und Fell ins Haus – und er verändert den Tagesablauf einer Familie. Deshalb prüfte das Team, ob der beobachtete Effekt auch durch andere Faktoren als Mikroben erklärbar sein könnte.

Berücksichtigt wurden unter anderem die Familiengrösse, ob die Wohnung auf einem Bauernhof oder in einer Stadt lag, sowie Rauchen im Haushalt. Dennoch blieben die hundetypischen Mikroben weiterhin mit gesünderen Babys verknüpft.

Etwa ein Drittel der Familien lebte auf Bauernhöfen, die Hälfte auf dem Land, die übrigen in Städten. In allen drei Umgebungen waren dieselben hundeassoziierten Mikroben mit gesünderen Babys verbunden.

Trotzdem gilt: Eine Studie dieser Art kann Muster erkennen, ohne zu beweisen, dass die Mikroben die Ursache sind.

Ausserdem sind Familien mit Hund oft häufiger draussen, teilen sich die Aufgaben rund um das Tier und ernähren sich nicht selten ähnlich – all das kann die Mikroben im Haushalt ebenfalls beeinflussen.

Frühe Vorteile müssen weiter geprüft werden

„Atemwegsinfektionen in der frühen Kindheit sind ein bedeutender Risikofaktor für Asthma. Wenn einige Atemwegsinfektionen von Kindern durch hundeassoziierte Mikroben verhindert werden können, könnte dies auch das Risiko des Kindes senken, später im Leben Asthma zu entwickeln“, sagte Anne Karvonen, die leitende Forscherin der Studie.

Wenn ein Kind in den ersten Monaten ein paar Infektionen weniger durchmacht, könnte sich das auch über den ersten Geburtstag hinaus positiv auswirken.

Wie es nach der Säuglingszeit weitergeht, ist jedoch offen. Die Kinder wurden bislang nicht lange genug begleitet, um zu klären, ob der frühe Schutz anhält.

Ebenso wurde nicht untersucht, ob dieselben hundeassoziierten Mikroben tatsächlich die Atemwege des Babys erreichen – oder ob sie nur im Fussbodenstaub nachweisbar sind.

Hinzu kommt: Der Staub wurde nur ein einziges Mal beprobt, nämlich im Alter von zwei Monaten, und alle Familien lebten in Finnland. Ob sich das Muster auch bei Kindern in anderen Ländern zeigt, ist die nächste Frage, die beantwortet werden muss.

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