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Apokalyptische Überzeugungen prägen den Umgang mit globalen Risiken

Junger Mann hält eine Pflanze auf Dach mit Pflanzen, Erde, Sanduhr und Globus im Sonnenlicht.

Apokalyptisches Denken gilt häufig als Randphänomen. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass es wesentlich verbreiteter – und einflussreicher – sein könnte, als viele vermuten.

Umfragedaten aus den Vereinigten Staaten und Kanada zeigen, dass rund ein Drittel der Menschen damit rechnet, das Ende der Welt noch zu ihren Lebzeiten zu erleben.

Diese Erwartungen beeinflussen, wie Menschen Warnungen vor dem Klimawandel, Pandemien, nuklearen Konflikten und anderen globalen Bedrohungen deuten.

Die Studie macht deutlich, dass solche Überzeugungen wie ein Filter wirken: Sie prägen, ob Menschen katastrophale Risiken als vermeidbare Probleme oder als unausweichliche Entwicklungen ansehen.

Apokalyptische Überzeugungen werden gesellschaftsfähig

In Tausenden von Antworten aus Umfragen in den Vereinigten Staaten und Kanada zeichnete sich ein wiederkehrendes Muster ab. Es zeigte, wie tief diese Zukunftserwartungen inzwischen im alltäglichen Denken verankert sind.

Forschende der University of British Columbia (UBC) hielten fest, dass Menschen globale Gefahren durch unterschiedliche Erzählungen darüber einordnen, wie und weshalb die Welt enden könnte.

Diese Deutungsmuster unterscheiden sich in zentralen Fragen: beim Zeitpunkt, bei der Verantwortung und dabei, ob der endgültige Ausgang gefürchtet oder begrüßt wird.

Dadurch kann dieselbe globale Warnung in manchen Gemeinschaften Dringlichkeit auslösen, während sie in anderen Akzeptanz oder Zurückhaltung fördert.

Verschiedene Erzählungen über das Ende

Einfache Antworten mit Ja oder Nein erfassten das eigentliche Muster nicht, weil Menschen sich das Ende auf mehrere unterschiedliche und emotional aufgeladene Arten vorstellten.

Einige konzentrierten sich auf den Zeitpunkt, andere auf die Ursache oder die persönliche Kontrolle; wieder andere darauf, ob sich der Ausgang schrecklich oder willkommen anfühlte.

Die Befragten benannten nicht bloß Untergangsszenarien, sondern ordneten innerhalb derselben grundlegenden Angst auch Schuld, Handlungsmacht und emotionale Bedeutung ein.

Sobald diese Erzählungen auseinandergehen, wird Einigkeit über Klimapolitik oder Pandemieplanung schwieriger – noch bevor Fakten überhaupt eine Rolle spielen.

Zwei Wege zur Apokalypse

Eine Trennlinie wog besonders schwer: Ob Menschen die Menschheit selbst als Ursache der Katastrophe sahen oder davon ausgingen, dass höhere Mächte sie lenken.

Von Menschen verursachte Enden erschienen vermeidbar. Wer an diese Variante glaubte, bewertete Bedrohungen daher als akuter und befürwortete entschlossenere Maßnahmen.

Die Annahme göttlicher Kontrolle veränderte diese Logik, denn Prävention schien weniger sinnvoll, wenn der endgültige Ausgang von oben festgelegt wirkte.

Dieser Gegensatz erklärt mit, warum identische Schlagzeilen bei einer Gruppe Aktivismus und bei einer anderen Resignation hervorrufen können.

Religion verändert die Details

Das gleiche Grundmodell zeigte sich in sechs religiösen Gruppen: bei Katholiken, Angehörigen traditioneller protestantischer Kirchen, evangelikalen Protestanten, Juden, Muslimen und nichtreligiösen Teilnehmenden.

Dennoch schrieben Menschen in diesen Gruppen der Menschheit weiterhin eine wichtige Rolle für das Schicksal der Spezies zu.

Ausnahmen bei evangelikalen Protestanten und Muslimen deuteten darauf hin, dass Kultur das Denken über die Endzeit stabilisieren kann, selbst wenn andere Gruppen davon abrücken.

Unterschiedliche Überzeugungen, unterschiedliche Gefahren

Um Überzeugungen mit Gefahren zu verknüpfen, nutzte das Team innerhalb eines gemeinsamen Rahmens fünf Kategorien existenzieller Risiken – Bedrohungen, die die Zivilisation schwer beschädigen könnten.

Das Weltwirtschaftsforum ordnete diese Gefahren den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie zu.

Im Bericht für 2026 dominierten Konflikte und wirtschaftliche Konfrontationen die kurzfristigen Sorgen, während Umweltschäden über einen Zeitraum von zehn Jahren weiterhin als größte Gefahr galten.

Gemeinsame Risiken führen folglich nicht zu gemeinsamen Reaktionen, weil Menschen sie durch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Handlungsmacht und Schicksal betrachten.

Apokalyptische Angst löst Handeln aus

Ein Ergebnis widersprach der alten Annahme, dass Menschen mit apokalyptischen Überzeugungen sich schlicht nicht mehr um die Zukunft kümmern.

Stattdessen unterstützten Menschen, die ein baldiges Ende erwarteten, häufig stärkere Eingriffe – insbesondere wenn sie menschliches Handeln als Ursache ansahen.

Damit wird die vereinfachte Vorstellung infrage gestellt, Endzeitgläubige verkürzten lediglich ihren Zeithorizont und investierten nicht mehr in die Zukunft.

Alarm führte also nicht automatisch zu Passivität; mitunter verstärkte er die Unterstützung für besonders weitreichende Lösungen.

Kontrolle verändert die Bereitschaft zum Handeln

Auch das Gefühl persönlicher Kontrolle bildete eine wichtige Trennlinie, da Menschen anders handelten, wenn sie glaubten, den Ausgang beeinflussen zu können.

Ein stärkeres Kontrollgefühl ging mit einer größeren Bereitschaft einher, drastische staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe zur Verhinderung einer Katastrophe zu akzeptieren.

Weniger Kontrolle führte dagegen in die entgegengesetzte Richtung, besonders wenn göttliche Pläne mächtiger als jede menschliche Entscheidung erschienen.

Diese Spannung bedeutet, dass zwei Menschen zwar bald eine Katastrophe erwarten können, aber dennoch entschieden darüber streiten, ob Handeln weiterhin sinnvoll ist.

Öffentliche Warnungen treffen auf apokalyptische Überzeugungen

Öffentliche Kampagnen zu Klima, Krankheiten, Krieg oder künstlicher Intelligenz erreichen keine unvoreingenommenen Menschen, sondern treffen auf moralische Erzählungen.

„Unterschiedliche Erzählungen, an die Menschen über das Ende der Welt glauben, können zu sehr unterschiedlichen Reaktionen auf gesellschaftliche Themen führen“, sagte der Hauptautor der Studie, Matthew Billet, der die Forschung als Studierender an der UBC durchführte.

Selbst wenn sich diese apokalyptischen Erzählungen als falsch erweisen sollten, prägen sie laut Billet weiterhin, wie Gemeinschaften auf reale Bedrohungen reagieren. Wer Konsens schaffen will, muss Angst, Handlungsmacht und Bedeutung ansprechen – nicht nur Belege.

Warum Endzeitüberzeugungen wichtig sind

Der deutlichste Zusammenhang zwischen apokalyptischen Überzeugungen und der Unterstützung drastischer Maßnahmen zeigte sich in der US-Stichprobe mit 1.409 Befragten.

Die Umfrage erfasste jedoch Wahrnehmungen, Toleranz und die erklärte Unterstützung für Maßnahmen – nicht die Politik, die Menschen letztlich tatsächlich umsetzten.

Das von den UBC-Forschenden entwickelte Modell erklärt, wie diese Überzeugungen im Denken der Menschen organisiert sind. Es bestimmt jedoch nicht, ob irgendeine Prophezeiung oder Vorhersage tatsächlich wahr ist.

Trotz dieser Einschränkungen zeigt die Studie einen starken Einfluss auf das öffentliche Leben, den übliche Debatten über Risiken oft übersehen.

Auseinandersetzungen über Klimawandel, Pandemien, nukleare Gefahr und künstliche Intelligenz könnten daher auch einen tieferliegenden Konflikt darüber widerspiegeln, wer die Zukunft kontrolliert.

Den Forschenden zufolge müssen Führungspersonen, die Zusammenarbeit fördern wollen, ihre Botschaften möglicherweise von Angst weg und hin zu einem Gefühl von Handlungsmacht verschieben, denn Fakten allein lösen apokalyptische Erzählungen nur selten auf.

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