Mpox (früher als Monkeypox bekannt) ist eine Virusinfektion, die sich einer neuen Studie zufolge bereits mit nur einer Dosis eines vorhandenen Impfstoffs verhindern lässt.
Diese Erkenntnis könnte helfen, die Dynamik des weltweiten Mpox-Ausbruchs zu bremsen, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Juli 2022 als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft hatte.
Hintergrund zum globalen Mpox-Ausbruch
Damals riet die WHO dazu, Pockenimpfstoffe der zweiten oder dritten Generation gezielt einzusetzen. Seitdem fehlten jedoch weitgehend klinische Daten oder belastbare Ergebnisse aus der Praxis, die zeigen, wie wirksam dieser Ansatz tatsächlich ist. Pocken sind eine mit Mpox verwandte Viruserkrankung, gegen die es eine Impfung gibt.
Weil die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe Zeit und Geld kostet – Ressourcen, die auch in die schnelle Bereitstellung fliessen könnten –, ist es eine positive Nachricht, dass ein bereits verfügbarer Impfstoff offenbar Mpox vorbeugen kann.
Beobachtungsstudien, die nach der WHO-Erklärung veröffentlicht wurden, deuteten darauf hin, dass der Impfstoff Modified Vaccinia Ankara–Bavarian Nordic (MVA-BN) bei der Vorbeugung von Mpox irgendwo zwischen 36 und 86 Prozent wirksam sein könnte.
Studiendesign: Target-Trial-Emulation mit MVA-BN
Das Forschungsteam der neuen Studie, angeführt von der Public-Health-Ärztin Christine Navarro von Public Health Ontario und der University of Toronto, weist darauf hin, dass Beobachtungsdaten anfällig für Verzerrungen sind. Solche Bias können Ergebnisse irreführend machen oder ihre Genauigkeit mindern.
Gleichzeitig könne in einer akuten Lage – in der Mpox-Infektionen weltweit erneut zunehmen und in Afrika inzwischen der bislang „gefährlichste“ Stamm zirkuliert – Evidenz aus Beobachtungsstudien schnell dringend benötigte Hinweise liefern. Bei solchen Studien wird eine bereits vorhandene Massnahme genutzt, um eine Hypothese zu prüfen.
Um die Qualität solcher Daten zu erhöhen, übertrugen die Forschenden Prinzipien randomisierter Studien – dem Goldstandard für Wirksamkeitsnachweise – auf die Auswertung. Das Verfahren nennt sich Target-Trial-Emulation und soll den kausalen Effekt einer Impfung schätzen, während Verzerrungen möglichst reduziert werden.
In die Analyse gingen 3,204 geimpfte Männer aus Ontario (Kanada) ein, die jeweils vor einer möglichen Exposition gegenüber Mpox eine Dosis MVA-BN erhalten hatten. Mpox erreichte Ontario irgendwann zwischen Juni 2022 und November 2022.
Für den Vergleich wurden diese 3,204 Personen mit 3,204 Männern ohne Impfung abgeglichen. Wurde während des Studienzeitraums jemand aus der ungeimpften Vergleichsgruppe doch noch geimpft, rückte ein weiterer ungeimpfter Mann nach. So wurde niemand von einer Impfung ausgeschlossen; die Betroffenen dienten lediglich als Kontrollen, solange sie „in der Warteschlange“ waren.
Ergebnisse zur Wirksamkeit nach einer Dosis
Im Verlauf der Studie wurden 71 Mpox-Infektionen diagnostiziert: 21 Fälle entfielen auf die geimpfte Gruppe, 50 auf die ungeimpfte.
Daraus ergab sich für eine einzelne Impfstoffdosis eine geschätzte Wirksamkeit von 58 Prozent.
Zudem zeigte sich, dass MVA-BN in den ersten 14 Tagen nach der Impfung nicht mit einer niedrigeren Mpox-Infektionsrate verbunden war. Als wahrscheinlichste Erklärung nennen die Forschenden, dass dem Körper in diesem Zeitraum noch die Zeit fehlt, um eine ausreichende Antikörperantwort aufzubauen.
Dass ein Impfstoff seine Schutzwirkung nicht sofort entfaltet, ist zwar erwartbar. Gerade dieses Muster stützt jedoch zusätzlich die Annahme, dass der beobachtete Rückgang der Mpox-Infektionen in der geimpften Kohorte spezifisch auf die Impfung zurückzuführen ist.
Einordnung: Impfstrategie und Versorgungslage in Ontario
„Although MVA-BN is approved in Canada as a series of two doses 28 days apart, Ontario initially employed a dose sparing strategy such that vaccine candidates could only receive one dose owing to concerns about limited vaccine supply," schreiben die Autorinnen und Autoren.
Ein Programm mit zwei Dosen wurde in Ontario Ende September 2022 eingeführt. Allerdings hatten in der vorliegenden Untersuchung zu wenige Teilnehmende die zweite Dosis erhalten, sodass ihre Wirksamkeit in dieser Studie nicht bewertet werden konnte.
„Our findings strengthen the evidence that MVA-BN is effective at preventing mpox infection and should be made available and accessible to communities at risk," folgern die Autorinnen und Autoren.
Die Studie wurde im British Medical Journal veröffentlicht.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen