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Klinische Studie: CBD kann die THC-Wirkung verstärken

Wissenschaftler im Labor untersucht Fläschchen mit CBD- und THC-Extrakten neben einem Gehirnscan auf Tablet.

Die beiden am intensivsten erforschten Wirkstoffe in Cannabis gleichen sich möglicherweise nicht so aus, wie oft behauptet wird.

THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) ist der wichtigste berauschende Bestandteil der Cannabispflanze, während CBD (Cannabidiol) als zentraler nicht berauschender Bestandteil gilt.

Oft werden beide Stoffe gegeneinander ausgespielt. Doch ihre Wirkungen im menschlichen Körper müssen offenbar nicht in einem direkten „Kräftemessen“ stehen.

THC und CBD: Annahmen über eine „Ausgleichswirkung“

Eine neue doppelblinde klinische Studie stellt die verbreitete Hypothese infrage, CBD könne THC „abmildern“ – also unerwünschte Begleiterscheinungen wie Rausch, kognitive Beeinträchtigung oder Angst reduzieren.

Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass CBD bei ausreichend hoher Dosierung die berauschende Wirkung von THC sogar verstärken kann.

In den Versuchen nahmen Teilnehmende 9 Milligramm THC und 450 Milligramm CBD als orale Dosis ein. Danach berichteten sie deutlich häufiger und intensiver, sich körperlich und geistig berauscht zu fühlen, als nach der Einnahme von THC allein.

Blutanalysen zeigten zudem erhöhte Konzentrationen von THC sowie seiner psychoaktiven Metaboliten. Die Forschenden vermuten, dass die hohe CBD-Dosis den Abbau von THC im Körper hemmt und so dessen psychoaktive Effekte verstärkt.

Auch bei einer niedrigeren CBD-Dosis von 30 Milligramm waren solche Wechselwirkungen erkennbar. Diese kleineren Mengen hatten jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die subjektiv empfundene Rauschintensität.

„Unabhängig vom Verabreichungsweg bleibt die Hypothese, dass CBD THC-Effekte abschwächt, umstritten, und unsere Ergebnisse tragen zu einer wachsenden Evidenzbasis dagegen bei“, erklären die Autorinnen und Autoren der klinischen Studie unter der Leitung von Andriy Gorbenko von einem Zentrum für Humanarzneimittelforschung in den Niederlanden.

Studiendesign und Ablauf der klinischen Untersuchung

Die aktuelle Studie wurde mit gesunden weiblichen und männlichen Freiwilligen im Alter von 18 bis 45 Jahren durchgeführt. Alle Teilnehmenden hatten in der Vergangenheit Erfahrung mit Cannabis, hatten die Droge jedoch mindestens drei Wochen vor dem Experiment nicht konsumiert.

An fünf unterschiedlichen Terminen kamen die Teilnehmenden in die Klinik und erhielten ein orales Präparat, das entweder ein Placebo, reines THC oder eine Kombination aus THC und CBD enthielt. Weder die Teilnehmenden noch das Forschungsteam wussten, wer welche Variante bekommen hatte.

In den Stunden nach der Einnahme erfasste das Team mit zwei validierten Tests die subjektive Wahrnehmung von Schmerz und Rausch. Blutproben wurden vor der Dosis entnommen und danach in mehreren Zeitabständen bis zu 8 Stunden nach Einnahme erneut.

Ergebnisse: Hohe CBD-Dosen verstärken die THC-Wirkung

Niedrigere orale CBD-Dosen veränderten die berauschende Wirkung von THC nicht. Die höchste CBD-Dosis beeinflusste hingegen einen Grossteil der untersuchten psychoaktiven Messgrössen deutlich.

Das Team schreibt, eine „Arzneimittel-Arzneimittel-Wechselwirkung mit CBD als auslösendem Wirkstoff und THC als betroffenem Wirkstoff erscheint als die wahrscheinlichste Erklärung für die pharmakokinetischen Befunde dieser Studie“.

Darüber hinaus hatte die CBD-Menge keinen Einfluss auf die subjektiven Schmerzbewertungen der Teilnehmenden. Das stützt frühere klinische Studien, die gezeigt haben, dass CBD-Produkte chronische Schmerzen für sich genommen nicht lindern.

Die Untersuchung ist allerdings klein angelegt und betrachtet ausschliesslich die orale Einnahme von CBD und THC. Bislang haben jedoch auch Inhalationsstudien keine überzeugenden Belege dafür geliefert, dass CBD die Wirkung von THC tatsächlich abschwächt.

Der Neuropharmakologe Geert Groeneveld sagte gegenüber Psypost, sein Team am niederländischen Zentrum für Humanarzneimittelforschung führe weiterhin Studien mit sehr hohen Dosen von reinem CBD durch.

„Wir haben das noch nicht veröffentlicht“, sagte Groeneveld dem Reporter Eric Dolan, „aber wir können sagen, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass CBD im zentralen Nervensystem aktiv ist. Es verursacht keine Sedierung und führt nicht zu subjektiven Arzneimittelwirkungen, die sich mit unserer sehr empfindlichen Testbatterie erfassen liessen …“

Cannabis ist inzwischen die am regelmässigsten genutzte Freizeitdroge in den Vereinigten Staaten – sogar vor Alkohol. Umso wichtiger ist es, die Auswirkungen seiner beiden Hauptwirkstoffe auf den menschlichen Körper genau zu verstehen.

Die Studie wurde in Clinical Pharmacology & Therapeutics veröffentlicht.

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