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ACTIVE-Studie: Computergestütztes Geschwindigkeitstraining senkt Demenzrisiko noch nach 20 Jahren

Ältere Frau nutzt Tablet zur Gehirnaktivierung in hellem Wohnzimmer mit Pflanze und Büchern im Hintergrund.

Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen Menschen die Sorge, das Gedächtnis könne nachlassen. Zahlreiche Erwachsene fürchten, durch Demenz oder die Alzheimer-Krankheit ihre Selbstständigkeit zu verlieren.

Eine langjährig laufende Studie aus den USA liefert nun ermutigende Hinweise: Kurzes, computergestütztes Gehirntraining – ergänzt durch spätere Auffrischungseinheiten – könnte das Demenzrisiko sogar noch 20 Jahre danach senken.

Über zwei Jahrzehnte begleiteten Forschende ältere Erwachsene und beobachteten, dass vor allem eine bestimmte mentale Übung nachhaltige Effekte hinterliess.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Gehirngesundheit durch gezieltes, wiederholtes Üben stärken lässt – ohne aufwendige oder komplizierte Behandlungsansätze.

Geschwindigkeitstraining stärkt geistige Leistungsfähigkeit

Beim kognitiven Geschwindigkeitstraining geht es um schnelle visuelle Verarbeitung und Aufmerksamkeit. Die Teilnehmenden schauen auf einen Bildschirm und müssen Formen oder Symbole in kurzer Zeit erkennen.

Die Aufgaben werden anspruchsvoller, sobald sich die Leistung verbessert. Wer zügig reagiert, gelangt zu schwierigeren Stufen; bei langsameren Reaktionen wird das Tempo entsprechend reduziert.

Dieses Vorgehen unterscheidet sich von Trainingsprogrammen für Gedächtnis oder Schlussfolgern. Gedächtnisprogramme vermitteln beispielsweise Strategien wie das Bündeln von Wörtern, während Trainings zum logischen Denken regelbasierte Problemlöseverfahren lehren.

Geschwindigkeitstraining baut Fähigkeiten dagegen vor allem über wiederholte Ausführung auf, nicht über das Erlernen von Regeln. Fachleute bezeichnen es als prozedurales Lernen: Gewohnheiten und Fertigkeiten werden durch Übung gefestigt.

Programme zu Gedächtnis und Schlussfolgern stützen sich eher auf deklaratives Lernen, bei dem Fakten und Strategien im Vordergrund stehen. Neurowissenschaftliche Befunde zeigen, dass prozedurales Lernen im Alter häufig robuster erhalten bleibt.

Effekte über Jahrzehnte hinweg nachverfolgt

Das Team wertete Daten aus der Studie „Advanced Cognitive Training for Independent and Vital Elderly“ aus, bekannt als ACTIVE. Die Aufnahme begann 1998 und 1999; insgesamt nahmen 2.802 Erwachsene im Alter von 65 Jahren und älter teil.

Die Teilnehmenden wurden einer von vier Gruppen zugeordnet: Geschwindigkeitstraining, Gedächtnistraining, Training zum Schlussfolgern oder keine Trainingsmassnahme. Die jeweiligen Programme umfassten zehn Sitzungen zu je einer Stunde über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen.

Ein grosser Teil absolvierte später sogenannte Booster-Sitzungen – etwa ein Jahr sowie nochmals rund drei Jahre nach dem Starttraining.

Für die 20-Jahres-Nachbeobachtung verknüpften die Forschenden die Studienunterlagen mit Gesundheitsabrechnungen von Medicare. Die Diagnosen stammten damit aus der regulären medizinischen Versorgung statt aus Studientests, was es ermöglichte, Demenzdiagnosen über lange Zeit realitätsnah zu erfassen.

Was zeigte sich nach 20 Jahren?

Nach zwei Jahrzehnten fiel der Unterschied vor allem in einer Gruppe deutlich aus. Rund 40 Prozent der Erwachsenen, die Geschwindigkeitstraining plus Booster erhalten hatten, entwickelten eine Demenz. In der Gruppe ohne Training erhielten nahezu 49 Prozent eine entsprechende Diagnose.

Die statistische Auswertung ergab ein um 25 Prozent geringeres Demenzrisiko bei Personen, die das Gehirn-Geschwindigkeitstraining inklusive Auffrischungen durchliefen. Geschwindigkeitstraining ohne Booster brachte dagegen keinen nennenswerten Vorteil.

Auch Gedächtnistraining und Training zum Schlussfolgern waren nicht mit einer Verringerung des Demenzrisikos verbunden.

Das Alter beim Einstieg spielte ebenfalls keine Rolle. Personen, die zwischen Mitte 60 und bis in die 90er-Jahre hinein mit dem Training begannen, profitierten in ähnlichem Ausmass – ein Hinweis darauf, dass der Start auch in sehr späten Lebensjahren möglich ist.

Auffrischungen festigen das Training

Booster-Sitzungen verstärkten die Trainingseffekte vermutlich, weil sie zuvor gebildete neuronale Verbindungen erneut aktivierten und stabilisierten. Für den Nutzen kommen zwei Erklärungen infrage.

Zum einen erhöhte sich durch zusätzliche Einheiten die Gesamtdosis, sodass sich die Fertigkeiten weiter vertiefen konnten. Zum anderen passte sich der Schwierigkeitsgrad mit steigender Leistung an, wodurch die Aufgaben dauerhaft herausfordernd blieben.

Studien zeigen, dass adaptives Training stärkere Veränderungen im Gehirn auslösen kann als Programme mit festem Schwierigkeitsniveau.

Ausserdem verbessert Geschwindigkeitstraining die geteilte Aufmerksamkeit – also die Fähigkeit, mehrere visuelle Informationen gleichzeitig zu verarbeiten.

Beim Autofahren, beim Orientieren in stark frequentierten Strassen oder beim Lesen von Hinweisschildern sind genau solche Kompetenzen gefragt. Eine gesteigerte geteilte Aufmerksamkeit könnte daher die Selbstständigkeit im Alltag unterstützen.

Anhaltende Effekte auf die Gehirngesundheit

Dr. Marilyn Albert, Leiterin des Alzheimer’s Disease Research Center an der Johns Hopkins School of Medicine, betonte, wie bedeutsam auch kleine Massnahmen sein können.

„Seeing that boosted speed training was linked to lower dementia risk two decades later is remarkable because it suggests that a fairly modest nonpharmacological intervention can have long-term effects,“ said Dr. Albert.

„Even small delays in the onset of dementia may have a large impact on public health and help reduce rising healthcare costs.“

Die Forschenden hielten fest, dass die Ergebnisse die weitere Entwicklung und Verfeinerung kognitiver Trainingsprogramme für ältere Erwachsene stützen – insbesondere solcher, die auf visuelle Verarbeitung und die Fähigkeiten der geteilten Aufmerksamkeit abzielen.

Die Teilnehmenden mit dem grössten Nutzen absolvierten innerhalb von drei Jahren nicht mehr als 18 Trainingseinheiten. Dass sich dennoch fast zwei Jahrzehnte später noch messbare Vorteile zeigten, wirkt besonders bemerkenswert.

Training für ein gesünderes Altern des Gehirns

Gehirn-Geschwindigkeitstraining allein verhindert Demenz nicht. Die Gesundheit des Gehirns wird von vielen Einflussfaktoren geprägt. Forschende verweisen unter anderem auf körperliche Aktivität, Herzgesundheit, die Kontrolle des Blutzuckers sowie geistige Anregung als wichtige Stützen.

Aktuelle Präventionsprogramme kombinieren deshalb häufig Bewegung, Ernährung und kognitives Training. Geschwindigkeitstraining könnte Netzwerke im Gehirn stärken, die Aufmerksamkeit und schnelle Entscheidungen unterstützen – und damit lebensstilbasierte Ansätze ergänzen.

Die ACTIVE-Ergebnisse zeigen, dass mentales Training keinen Schaden verursacht und möglicherweise einen langfristigen Nutzen bietet. Schon wenige Stunden konzentrierten Übens könnten helfen, die Selbstständigkeit bis ins hohe Alter zu schützen.

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