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Neue Analyse zur 2025-Blutdruckleitlinie der American Heart Association: PREVENT bringt Millionen für Medikamente in Frage

Ärztin misst Blutdruck einer Patientin in heller Praxis mit Tablet und Obstschale im Hintergrund.

Eine Blutdruckmessung von 130/80 mm Hg führte früher vor allem zu Ratschlägen rund um Salzreduktion und mehr Bewegung. Nach der US-Leitlinie von 2025 kann derselbe Wert jedoch ebenso den Anlass geben, auch über Medikamente zu sprechen.

Eine neue Auswertung zeigt nun, wie viele Menschen von dieser Verschiebung betroffen sind. Von 81 Millionen erwachsenen Personen in den USA mit Bluthochdruck und ohne Herzerkrankung erfüllen 22,8 Millionen inzwischen die Kriterien für eine medikamentöse Behandlung – das sind 28%.

Ein grosser Teil dieser Gruppe nimmt bereits ein blutdrucksenkendes Mittel ein. Die Lücke betrifft die 9,7 Millionen, die bislang keine Medikamente erhalten.

Wer hat die Analyse durchgeführt?

Die Untersuchung stammt von Mustafa Al-Jarshawi und Mamas A. Mamas von der Universität Keele im Vereinigten Königreich; beide sind ausserdem mit der Universität Manchester verbunden.

Veröffentlicht wurde die Arbeit im Journal der American Heart Association. Weder die Autorinnen und Autoren der Leitlinie noch die Amerikanische Herzvereinigung haben diese Analyse durchgeführt.

Es handelt sich um eine der ersten detaillierten Einordnungen, was die neuen Schwellenwerte auf Bevölkerungsebene bedeuten.

Neue Blutdruckleitlinie

Die Leitlinie 2025 der Amerikanischen Herzvereinigung und des Amerikanischen College für Kardiologie stellt weiterhin Lebensstilmassnahmen in den Mittelpunkt der Versorgung.

Ernährung, Körpergewicht, Bewegung, Salz und Alkohol stehen an erster Stelle. Medikamente kommen hinzu, wenn eine Ärztin oder ein Arzt entscheidet, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.

Neu ist vor allem die Art, wie das Risiko berechnet werden soll. Behandelnde sollen die PREVENT-Gleichungen anwenden, die die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung abschätzen.

Diese Gleichungen beziehen sich auf Erwachsene im Alter von 30 bis 79 Jahren mit Bluthochdruck, jedoch ohne diagnostizierte Herzerkrankung. Ein 10-Jahres-Risiko unter 7.5% gilt dabei als niedrig.

Millionen ohne Medikamente

Das Team nutzte Daten aus der Nationalen Gesundheits- und Ernährungsuntersuchung, erhoben zwischen 2009 und 2018.

Von den 22,8 Millionen Erwachsenen, die die neuen Kriterien erfüllten, nahmen 13,1 Millionen bereits Blutdruckmedikamente – das entspricht 57%. Die übrigen 9,7 Millionen waren unbehandelt.

Am stärksten profitieren könnten vor allem ältere Menschen: In der Gruppe lag das Durchschnittsalter bei 66 Jahren. Zudem traten bei ihnen häufiger weitere Erkrankungen zusätzlich zum Bluthochdruck auf, darunter Diabetes und chronische Nierenerkrankung.

„Durch diese Studie war es unser Ziel zu verstehen, wie viele Menschen gemäss den aktualisierten Empfehlungen in der Leitlinie für eine Behandlung infrage kommen könnten“, sagt Al-Jarshawi.

„Und zu schätzen, wie viele Todesfälle – insgesamt sowie durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – langfristig verhindert werden könnten, wenn die Leitlinienempfehlungen umgesetzt würden und unbehandelte Patientinnen und Patienten eine Versorgung einschliesslich Medikation erhielten“, ergänzt er.

Gleichzeitig kommen weiterhin neue Arzneimittel für besonders schwierige Verläufe auf den Markt – darunter eine experimentelle Tablette gegen Blutdruck, der auf Standardtherapien nicht anspricht.

Behandlung könnte Leben retten

Unbehandelter Bluthochdruck kann das Gehirn lange vor dem Auftreten von Symptomen belasten. Bei den anspruchsberechtigten Erwachsenen war eine Medikation in der Analyse mit einem um 23% geringeren Risiko verbunden, an irgendeiner Ursache zu sterben. Für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ursachen lag der Wert bei 50%.

Würden alle Betroffenen behandelt, so schätzen die Autorinnen und Autoren, könnten über ein Jahrzehnt hinweg etwa 200,000 Todesfälle insgesamt vermieden werden. Rund 162,000 davon wären demnach kardiovaskulär bedingt.

„Am meisten stach die Grösse der Behandlungslücke hervor“, sagt Al-Jarshawi. Mehr als 40% der Personen, die nach der neuen Leitlinie eindeutig infrage kämen, erhielten keine Behandlung.

Er hob zudem den möglichen Nutzen hervor und verwies auf die ungefähr 200,000 Todesfälle, die laut der Analyse potenziell verhindert werden könnten.

Lebensstil bleibt die Erstlinienbehandlung

Der Seniorautor stellt klar, dass Tabletten nicht der erste Schritt sein sollen. Damit folgt er auch der Leitlinie, die den Lebensstil weiterhin in den Mittelpunkt stellt.

„Lebensstiländerungen bleiben die Grundlage des Bluthochdruck-Managements“, sagt Mamas.

„Ein gesundes Gewicht zu halten, eine herzgesunde Ernährung, die Reduktion der Natriumaufnahme, mehr körperliche Aktivität, ausreichend Schlaf, Stressmanagement und die Begrenzung von Alkohol können den Blutdruck und das gesamte kardiovaskuläre Risiko spürbar senken.“

Wann Lebensstiländerungen ausreichen

Nicht jede Stellschraube wirkt gleich stark. In einer direkten Vergleichsstudie mit acht Trainingsarten senkte nur aerobes Training den Blutdruck über volle 24 Stunden.

„Für viele Menschen, insbesondere bei Blutdruck unter 140/90 mm Hg und ohne Vorgeschichte von Herzerkrankung, Schlaganfall, chronischer Nierenerkrankung oder Diabetes, können Lebensstiländerungen zunächst ausreichen“, sagt Mamas.

„Wenn Ihr 10-Jahres-Risiko für Herzerkrankungen niedrig ist, mit einem PREVENT-Wert unter 7.5%, kann ein gesunder Lebensstil helfen, den Zeitpunkt für Medikamente hinauszuzögern oder sie zu vermeiden. Selbst wenn Sie Medikamente benötigen, um den Blutdruck zu senken, sind Lebensstiländerungen wichtig für eine wirksame Behandlung und die allgemeine Gesundheit.“

Fachleute unterstützen risikobasierte Behandlung

Daniel W. Jones leitete das Komitee, das die Leitlinie 2025 verfasste. An dieser Studie war er nicht beteiligt.

„Die Leitlinie 2025 betont einen personalisierten Ansatz zur Behandlung von Bluthochdruck, indem Blutdruckwerte sowie das 10-Jahres- und 30-Jahres-Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt werden“, sagt Jones.

„Die PREVENT-Risikogleichungen der Amerikanischen Herzvereinigung helfen dabei, Personen zu identifizieren, die bereits vor einem schweren kardialen Ereignis von einer Behandlung profitieren könnten.“

Studiengrenzen sind wichtig

Der grösste Vorbehalt betrifft die Datengrundlage selbst. Der Blutdruck wurde hier bei nur einem Erhebungstermin gemessen, während die Leitlinie mehrere Messungen über mehrere Termine hinweg verlangt.

Die Autorinnen und Autoren benennen dies als zentrale Einschränkung. Eine Messung an einem Tag kann jemanden in beide Richtungen falsch einordnen – weshalb bessere Messverfahren relevant sind.

Das Studiendesign bringt zwei weitere Grenzen mit sich. Die Behandlung wurde nicht zufällig zugeteilt; daher könnten nicht gemessene Unterschiede zwischen behandelten und unbehandelten Personen die Ergebnisse beeinflussen.

Ärztinnen und Ärzte müssen die Behandlung individualisieren

Zudem betrachteten die Forschenden die Behandlung nur zu einem einzelnen Zeitpunkt. Die Studie kann daher nicht abbilden, wie sich die Medikamenteneinnahme im Laufe mehrerer Jahre in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Ärztin oder dem jeweiligen Arzt verändert hat.

All dies entscheidet nicht darüber, ob eine einzelne Person Medikamente erhalten sollte. Jones beschreibt das Ergebnis eher als Gesprächsgrundlage denn als feste Regel.

„Gesundheitsfachkräfte sollten das gesamte kardiovaskuläre Risiko beurteilen und gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten Lebensstilstrategien und Medikamente kombinieren, um eine optimale Blutdruckkontrolle zu erreichen“, sagt Jones.


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