Ein Schweizer Biotechnologieunternehmen testet derzeit ein neues Langlebigkeits-Supplement – und die jüngsten klinischen Daten wirken ermutigend.
Der oral einzunehmende Antioxidans-Wirkstoff ist laut Forschenden des Unternehmens Amazentis SA, die mit einem internationalen Wissenschaftsteam zusammengearbeitet haben, „eine attraktive Option, um die Immunalterung zu beeinflussen“.
Bisher wurde das Präparat nicht nur als gut verträglich und für die tägliche Einnahme sicher eingestuft; eine neue klinische Studie liefert zudem Hinweise darauf, dass es das Immunsystem in Richtung eines „verjüngten“ Profils beeinflussen könnte. Welche konkreten gesundheitlichen Vorteile daraus entstehen, muss allerdings erst noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden – die ersten Blutmarker geben dennoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus.
Urolithin A (UA) als Grundlage des Supplements
Das Supplement basiert auf einem natürlichen Metaboliten namens Urolithin A (UA). Dieser Stoff entsteht durch Darmbakterien, nachdem wir bestimmte Lebensmittel gegessen haben – etwa Granatäpfel, Erdbeeren, Himbeeren oder einige Nüsse.
Erste Hinweise aus Studien am Menschen deuten darauf hin, dass UA die Mitophagie fördern könnte. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem gealterte oder beschädigte Mitochondrien aus Zellen entfernt werden – ein Mechanismus, der zur zellulären Gesundheit beitragen kann.
Aus Tiermodellen gibt es zudem Hinweise, dass UA die Lebensspanne verlängern und einen gewissen Schutz für das alternde Gehirn bieten könnte.
Mitopure von Amazentis SA und frühere klinische Ergebnisse
Auf diese Möglichkeiten setzt Amazentis SA. Im Jahr 2020 begann das Unternehmen, eine gereinigte Form von UA unter dem Namen Mitopure zu vermarkten. Bereits 2022 zeigte eine klinische Studie: Ältere Erwachsene, die über vier Monate täglich 500 mg Mitopure einnahmen, erzielten signifikante Verbesserungen der Muskelkraft.
Eine neuere, kürzer angelegte Studie, die Mitopure untersucht hat, findet nun auch potenzielle Effekte auf das Immunsystem.
Die neue Studie: 1.000 mg täglich und Veränderungen bei Immunzellen
An der aktuellen Studie nahmen 50 gesunde Erwachsene mittleren Alters teil. Sie wurden per Zufall zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt täglich 1.000 mg Mitopure, die andere täglich ein Placebo. Weder die Teilnehmenden noch die Forschenden wussten, wer welches Präparat bekam.
Nach vier Wochen zeigten sich bei denjenigen, die das Supplement einnahmen, messbare Veränderungen in Immunzellen, die im Blutkreislauf zirkulieren.
Besonders auffällig war, dass die CD8⁺-T-Zellen dieser Gruppe – also Zellen, die gefährliche Eindringlinge sowie erkrankte Zellen abtöten – ein „jüngeres“ metabolisches Profil aufwiesen als in der Placebo-Gruppe. Zusätzlich zeigten auch die natürlichen Killerzellen dieser Gruppe metabolische Verbesserungen.
Was die Ergebnisse (noch) nicht belegen
Unklar bleibt, ob diese Veränderungen über die vier Wochen des Studienzeitraums hinaus anhalten – und welche Bedeutung sie für die langfristige Gesundheit einer Person haben. Dennoch hoffen die Forschenden, dass die beobachteten Verschiebungen ein Hinweis auf eine verbesserte Immunfunktion sein könnten, die in gewissem Umfang „dem altersbedingten Rückgang des Immunsystems entgegenwirkt“.
Bislang ist diese Interpretation jedoch theoretisch.
Viele Nahrungsergänzungsmittel werben mit Langlebigkeit. Mitopure könnte zu den wenigen zählen, die in klinischen Studien deutliche Ergebnisse zeigen – aber selbst wenn das Supplement mit Biomarker-Veränderungen in Verbindung gebracht wird, bedeutet das nicht automatisch, dass es die Immunfunktion oder die Lebensspanne tatsächlich verbessert.
„Während unsere Ergebnisse eindeutige Hinweise auf verringerte Merkmale der Immunalterung liefern, sind weitere Studien erforderlich, um zu prüfen, ob diese durch UA ausgelösten Verbesserungen in klinisch greifbare Vorteile übersetzt werden“, schreiben die Autorinnen und Autoren.
Als Nächstes soll Mitopure in einer klinischen Studie daraufhin geprüft werden, ob es die Immuntherapie bei Krebspatientinnen und -patienten ergänzt. Das wäre ein Schritt in Richtung eines nachweisbaren, realen Nutzens für das Immunsystem.
Die Studie wurde in Nature Aging veröffentlicht.
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