Die Gesundheitsvorsorge für ältere Menschen ist das ganze Jahr über wichtig, bekommt jedoch im Winter eine noch grössere Bedeutung. Denn wenn die Temperaturen sinken, fällt es dem Körper schwerer, die Wärmebalance zu halten – und damit steigt die Anfälligkeit für Erkrankungen.
Laut Alexandre Pimenta, Arzt und nationaler technischer Leiter von AmorSaúde, einem Netzwerk von Partnerkliniken der Cartão de TODOS, führt das Älterwerden zu physiologischen Veränderungen, die die Anpassung an niedrige Temperaturen erschweren.
„Ältere Menschen erzeugen weniger Körperwärme, haben eine geringere Muskelmasse, weniger Unterhautfett und eine langsamere Reaktion der Mechanismen, die für die Temperaturregulation zuständig sind. Ausserdem kann das Kälteempfinden weniger ausgeprägt sein, sodass viele nicht sofort merken, dass sie ungeeigneten Temperaturen ausgesetzt sind“, erklärt er.
In der Folge erhöht der Winter das Risiko für Unterkühlung, Atemwegsinfektionen und die Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen. Der Arzt weist zudem darauf hin, dass Kälte eine Vasokonstriktion auslöst – also eine Verengung der Blutgefässe – „was den Blutdruck steigen lassen und das Herz stärker belasten kann, insbesondere bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen“.
Erkrankungen, die sich bei Kälte verschlimmern
Im Winter ist bei älteren Menschen ein Anstieg der Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beobachten. Nach Angaben von Alexandre Pimenta zählen zu den häufigsten Beschwerden, die sich in dieser Zeit verschärfen können:
- Grippe und COVID-19;
- Lungenentzündung;
- Bronchitis und Verschlechterung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD);
- Asthmaanfälle;
- dekompensierte Herzinsuffizienz;
- schwer einstellbarer Bluthochdruck;
- akuter Herzinfarkt;
- Schlaganfall, dessen Risiko in kälteren Phasen steigen kann;
- Dehydrierung, die oft unbemerkt bleibt, weil ältere Menschen bei Kälte weniger Durst verspüren.
Ausserdem kommt es in dieser Jahreszeit häufig zu stärkeren Gelenk- und Muskelschmerzen bei Personen mit Arthrose und rheumatologischen Erkrankungen.
Warnzeichen, die sofort ärztlich abgeklärt werden müssen
Bestimmte Anzeichen sollten von Angehörigen und Betreuungspersonen umgehend ernst genommen werden, da sie darauf hindeuten können, dass die betroffene Person unter Kälteeinwirkung leidet. Besonders wichtig sind:
- starke Schüttelfröste oder das Ausbleiben von Zittern bei stark ausgekühlten älteren Menschen;
- ausgeprägte Müdigkeit bzw. ungewöhnliche Schläfrigkeit;
- Verwirrtheit oder Desorientierung;
- Schwierigkeiten beim Sprechen;
- sehr kalte oder bläulich verfärbte Extremitäten;
- beschleunigte Atmung oder Atemnot;
- Brustschmerzen;
- anhaltender Husten zusammen mit Fieber;
- niedrige Sauerstoffsättigung;
- Absinken der Körpertemperatur (unter 35 °C).
Der Arzt betont, dass bei älteren Menschen eine schwere Infektion nicht zwingend mit hohem Fieber einhergeht. „Oft ist das erste Anzeichen nur eine Verhaltensänderung, Schläfrigkeit, Appetitverlust oder Verwirrtheit. Diese Symptome dürfen nie als ‚normal fürs Alter‘ abgetan werden“, so Pimenta.
Schutzmassnahmen für den Körper an besonders kalten Tagen
Ein grosser Teil der Komplikationen lässt sich durch Vorbeugung verhindern. Alexandre Pimenta empfiehlt vor allem:
- Räume warmhalten, dabei aber gut lüften und übermässige Feuchtigkeit vermeiden;
- Kleidung im Zwiebellook tragen und besonders Kopf, Hände und Füsse schützen;
- ausreichend trinken, auch ohne Durstgefühl;
- ausgewogene Ernährung, reich an Eiweiss, Obst und Gemüse;
- körperliche Aktivität beibehalten – angepasst an den Gesundheitszustand;
- längere Kälteexposition vermeiden, vor allem früh morgens und abends;
- Impfstatus aktuell halten, insbesondere gegen Influenza, COVID-19 und Pneumokokken, wenn angezeigt;
- Hände regelmässig reinigen und Kontakt zu Personen mit Atemwegssymptomen vermeiden;
- regelmässige ärztliche Kontrollen helfen zudem, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich zu ernsteren Zuständen entwickeln.
Chronische Erkrankungen erfordern im Winter besondere Aufmerksamkeit
Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes sowie Herz- oder Atemwegserkrankungen tragen im Winter ein höheres Risiko für Komplikationen. „Bei Patientinnen und Patienten mit Hypertonie kann der Blutdruck durch die kältebedingte Vasokonstriktion ansteigen. Personen mit Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit können ebenfalls stärker kardiovaskulär belastet werden“, erklärt Alexandre Pimenta.
Bei Menschen mit Diabetes können Atemwegsinfektionen den Blutzucker entgleisen lassen und so das Komplikationsrisiko erhöhen. Wer an COPD, Asthma oder anderen Lungenerkrankungen leidet, hat in der kalten Jahreszeit oft häufiger Anfälle und benötigt eher eine Notfallversorgung. Für diese Gruppe nennt er insbesondere folgende Punkte:
- keine Medikamente ohne ärztliche Anweisung absetzen;
- Blutdruck und Blutzucker regelmässig kontrollieren;
- Grunderkrankungen konsequent gut einstellen;
- bei ersten Atemwegssymptomen frühzeitig medizinische Hilfe suchen;
- Selbstmedikation vermeiden, besonders mit Antibiotika und Kortikosteroiden;
- den vom Arzt festgelegten Therapieplan strikt einhalten.
„Prävention ist weiterhin die wirksamste Strategie, um Krankenhausaufnahmen zu reduzieren und die Lebensqualität älterer Menschen im Winter zu erhalten“, sagt der Arzt. Ihm zufolge kann Kälte – über den blossen Unkomfort hinaus – bei besonders vulnerablen Personen wie älteren Menschen erhebliche Komplikationen auslösen. „Mit aktuellen Impfungen, regelmässiger ärztlicher Begleitung, guter Kontrolle chronischer Erkrankungen und einfachen Schutzmassnahmen lässt sich der Winter deutlich sicherer überstehen. Sich um die Gesundheit älterer Menschen zu kümmern, bedeutet in Lebensqualität, Autonomie und Prävention zu investieren“, schliesst er.
Von Nayara Campos
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