Zum Inhalt springen

Aktuelle CDC-Umfrage: Absichtliches Sonnenbräunen in den USA bleibt weit verbreitet

Frau in gelbem Bikini liegt auf Strandtuch im Sand, hält Sonnencreme, Buch liegt vor ihr am Strand.

Es hat die Sonnenbank praktisch erledigt und unzählige Kampagnen rund um den Lichtschutzfaktor (SPF) ausgelöst. Und doch hat sich ein sonnengetränktes Ritual, trotz jahrzehntelanger Warnungen, still und leise gehalten – eine grosse neue staatliche Befragung zeigt nun, wie lebendig es weiterhin ist.

Stellen Sie sich ein öffentliches Schwimmbad Mitte Juli vor: Handtücher dicht an dicht in der Sonne, Liegestühle so ausgerichtet, dass sie dem Licht nachwandern, und jemand, der sich alle 20 Minuten wendet wie ein Brathähnchen am Spiess.

Niemand dort draussen weiss nicht, was Sonne mit der Haut macht. Seit 40 Jahren sind die Hinweise allgegenwärtig.

Genau deshalb lohnt sich die Frage: Wie viele erwachsene US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner legen sich trotz allem ganz bewusst in die Sonne – mit dem Ziel, dunkler zu werden?

Forschende der US-Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) und des Nationalen Krebsinstituts (NCI) haben das nun beziffert. Und der Wert fällt deutlich höher aus, als viele erwarten würden.

Was die Befragung ergeben hat

Das Team um Dawn Holman aus der CDC-Abteilung für Krebsprävention und -kontrolle wertete Antworten von mehr als 31.000 Erwachsenen aus.

Grundlage waren Daten aus der Nationalen Gesundheitsinterview-Befragung 2024, einem der grössten fortlaufenden Gesundheits-„Check-ins“ des Landes.

Den Teilnehmenden wurde eine einfache Frage gestellt: Wenn Sie Zeit im Freien verbringen – wie häufig versuchen Sie dabei, Sonne zu bekommen, um eine Bräune zu entwickeln?

Rund 30% antworteten, dass sie das zumindest manchmal tun. Das entspricht etwa jeder dritten Frau und ungefähr jedem vierten Mann. Bei Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren liegt der Anteil sogar bei über der Hälfte.

Stellt man das dem Bräunen in Innenräumen gegenüber, wird der Unterschied drastisch: Sonnenbänke wurden durch Regulierung, Steuern und jahrelange, ernüchternde Berichterstattung stark zurückgedrängt. Nur noch etwa 3.6% der Erwachsenen nutzen sie.

Absichtliches Bräunen im Freien ist laut dieser Erhebung damit mehr als achtmal so verbreitet. Die Sonnenbank hat verloren – der Liegestuhl im Garten hat gewonnen.

Wer am häufigsten bräunt

Das Muster, das sich aus den Daten abzeichnet, passt nicht zu der naheliegenden Annahme, Sonnenbräunen sei vor allem eine nachlässige Gewohnheit. Die stärkste Überschneidung findet sich nicht bei Menschen mit wenig Bewegung, sondern bei denen, die trainieren.

Frauen, die die staatlichen Empfehlungen sowohl für Ausdauertraining als auch für Krafttraining erfüllten, bräunten häufiger als Frauen, die keines von beidem erfüllten. Dasselbe Bild zeigte sich bei Männern.

Ob das Training selbst zur Bräunungszeit wird, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Die Forschenden nennen jedoch eine plausible Erklärung: das seit Langem verbreitete kulturelle Ideal, nach dem „braun, schlank und fit“ gemeinsam als Inbegriff von Gesundheit gelten.

Dass manche Fitnessstudios zusätzlich Sonnenbänke anbieten, hat diese Verknüpfung über Jahre eher verstärkt.

Hinzu kommt Alkohol. Fast die Hälfte der Frauen, die starken oder exzessiven Alkoholkonsum angaben, berichtete auch von absichtlichem Bräunen – bei Frauen, die gar nicht tranken, war es nur etwa ein Viertel.

Bei Frauen im Alter von 18 bis 20 Jahren, die zugaben, minderjährig zu trinken, lag der Bräunungsanteil bei 63.7%. Zwei Verhaltensweisen, beide mit Krebsrisiken verbunden, treten hier gemeinsam auf.

Warum genau, kann die Studie nicht klären. Beide liefern jedoch eine kurzfristige „Belohnung“ – bessere Stimmung, ein bestimmtes Aussehen –, die sich für manche im Moment gewichtiger anfühlt als eine weit entfernte Gefahr.

Der Zusammenhang mit Sonnenbrand

Wer sich gezielt bräunte, hatte im vergangenen Jahr fast doppelt so häufig einen Sonnenbrand: 49.9% gegenüber 28.3% bei allen anderen.

Dieser Abstand ist relevant, weil Sonnenbrand nicht nur ein verdorbenes Wochenende bedeutet. Er zählt zu den klarsten vermeidbaren Risikofaktoren für Hautkrebs, einschliesslich Melanom, der tödlichsten Form.

Hautkrebs ist in den USA bereits die häufigste Krebsart: Mehr als 6 million Erwachsene werden jedes Jahr behandelt – die Kosten liegen bei ungefähr $8.9 billion.

Selbst Menschen, deren Haut schon innerhalb einer Stunde ungeschützter Sonne verbrennt – also die allersonnenempfindlichsten – bräunten in hoher Zahl.

Unter sonnenempfindlichen Erwachsenen, die absichtlich bräunten, hatten 66.2% im letzten Jahr einen Sonnenbrand. Das ist kein Pech. Das ist der erwartbare Preis dafür, einer Farbe hinterherzujagen, die die eigene Haut nicht dafür gemacht ist, dauerhaft zu halten.

Der Mythos der „Grundbräune“

Warum hält sich das Verhalten trotzdem? Ein besonders hartnäckiges Stück Alltagswissen trägt viel dazu bei: die Vorstellung, eine „Grundbräune“ wirke wie eine Rüstung und schütze später vor schlimmeren Sonnenbränden. Strandweisheit, die über Generationen weitergegeben wurde.

Die Biologie spricht dagegen. Eine Bräune bietet nur einen minimalen Schutz vor Verbrennungen. Das wurde gemessen – und liegt ungefähr auf dem Niveau einer sehr schwachen Sonnencreme.

Mehr noch: Die Bräune selbst ist ein Hinweis auf Schaden. Das Nachdunkeln ist eine Reaktion auf Verletzung – Pigment wird hochgefahren, nachdem UV-Strahlung die DNA in den Zellen bereits beschädigt hat.

Die Bräune ist nicht der Schild. Die Bräune ist der Schadensbericht.

In den Daten steckt zudem ein Hinweis zur Verteilung: Nicht-hispanische weisse Erwachsene bräunten am häufigsten, doch das Verhalten fand sich in jeder erfassten ethnischen und rassischen Gruppe.

Eine Gewohnheit, die sich schwer ablegen lässt

Es handelt sich um eine Querschnittsaufnahme: Sie zeigt Zusammenhänge, aber keine Ursachen. Aus den Angaben lässt sich nicht beweisen, dass Alkohol zum Bräunen führt oder dass Fitnessroutinen Menschen stärker in die Sonne treiben.

Ausserdem basieren alle Informationen auf Selbstauskünften – und viele formulieren ihre Antworten eher so, wie es sozial akzeptabel klingt.

Auch der Kontext blieb offen: Die Frage konnte nicht unterscheiden, ob das Sonnen-Suchen einmalig im Strandurlaub passierte oder jeden einzelnen Mittag in der Pause.

Trotzdem bleibt die zentrale Aussage: Jahrzehnte im Zeitalter des SPF haben das absichtliche Bräunen nicht verschwinden lassen. Es hat sich lediglich nach draussen verlagert – dorthin, wo kein Gesetz es reguliert und kein Warnetikett es erreicht.

Zurück zum Beckenrand, zu den Handtüchern in der Sonne: Die Menschen darauf sind keine Ausnahmen und keine letzten Verweigerer. Statistisch gesehen sind sie ein Drittel des Landes.

Der öffentliche Gesundheitsschutz hat über eine Generation den Kampf gegen Sonnenbänke geführt – und er war erfolgreich. Der nächste Kampf ist komplizierter, weil der Gegner kostenlos ist, sich gut anfühlt und direkt über uns scheint.

Die Sonne, so zeigt sich, war schon immer die schwierigere Gewohnheit.

Die vollständige Studie wurde in der Fachzeitschrift JAMA Dermatologie veröffentlicht.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen