Die Europäische Union wirkt wie das Zimmer eines Teenagers: unaufgeräumt, chaotisch und voller grosser Träume. Man hat den Eindruck, sie wüssten selbst nicht genau, wohin die Reise geht – und es scheint sie kaum zu kümmern. Das wäre halb so schlimm, wenn sie nicht den Rest von uns gleich mitziehen würden.
Nach all den Schwüren und vermeintlichen Gewissheiten haben wir heute berichtet, dass nun doch eine Ausnahme von der geplanten Vorgabe zugelassen werden soll, Verbrennungsmotoren bis 2035 nicht mehr zu produzieren. Wie genau das aussehen wird, ist bislang unklar – die Details sind rar. Aber die Richtung ist eindeutig: Es wird zurückgerudert. Auch dann, wenn dieses Zurückrudern am Ende womöglich gar nichts ändert.
Die neue Ausnahme: viel Rückwärtsgang, wenig Klartext
Unentschlossenheit ist dabei kein Novum. Es reicht, sich an die Aussagen des EU-Kommissars Thierry Breton zu erinnern, der nun versucht, die Mässigung zu finden, die dieser Debatte so oft gefehlt hat. Damit erweisen sie den Bürgerinnen und Bürgern einen schlechten Dienst: erst vor, dann zurück, erst so, dann anders – und am Ende wird die Mobilität von Millionen Menschen sowie der Motor der europäischen Wirtschaft zum Spielball. Wofür eigentlich?
All diese Kurswechsel nähren den Eindruck, als liesse sich die Elektrifizierung des Autos stoppen – oder als wäre sie nicht wünschenswert. Beides ist falsch.
Die Erbsünde der Europäischen Union
Die Erbsünde dieser ganzen Geschichte rund um das Ende des Verbrennungsmotors hat nur einen Verantwortlichen: die Europäische Union. Zum einen hätten sie sein Ende gar nicht erst per Beschluss verkünden sollen. Und nun werden sie anfangen, nach und nach Ausnahmen anzukündigen.
Offenbar ist noch immer nicht angekommen, dass sich das Elektroauto auch ohne Dekret durchsetzen wird. Wie ich bereits früher geschrieben habe: Elektroautos sind effizienter, angenehmer zu fahren und im Unterhalt günstiger.
Es ist nur eine Frage der Zeit – und so weit ist es nicht mehr –, bis Elektroautos auch in der Anschaffung günstiger sind. Und selbst falls sie es nie werden: Sie werden die erste Wahl für alle sein, die es sich leisten können und wollen, eine angenehmere und nachhaltigere Form der Mobilität zu nutzen.
„Sagt endlich klipp und klar, dass es ein Fehler war, dem Verbrennungsmotor ein Ablaufdatum zu geben.“
Doch weil wir offenbar von Teenagern mit weissen Haaren geführt werden, reichte es nicht, Elektroantriebe zu fördern – in diese Energiewende sind bereits Milliarden und Abermilliarden Euro geflossen. Man musste zusätzlich launisch das „Ende“ von irgendetwas ausrufen.
Es bräuchte jemanden, der ihnen die Ohren lang zieht und klarstellt: Verbrennungsmotoren sind ein Auslaufmodell, und die Elektroautos werden sich durchsetzen – ganz gleich, welche Ankündigungen in Brüssel gemacht werden.
Wären sie wirklich konsequent beim Umweltschutz, würden wir heute den Austausch alter Fahrzeuge gegen neuere, weniger schmutzige Modelle unterstützen. Allein in Portugal sind über 1,2 Millionen Fahrzeuge unterwegs, die älter als 20 Jahre sind. Aber wie es sich für gute Teenager gehört, versuchen wir lieber, ein Haus vom Dach her zu bauen.
Elektrifizierung. Eine Gewissheit
Die Verwirrung ist inzwischen so gross, dass ich es einmal unmissverständlich festhalten möchte: Daran führt kein Weg vorbei. Elektroautos werden die dominante Kraft im Markt sein. Verbrennungsmotoren verschwinden – entweder auf natürlichem Weg oder per Verordnung.
Mir wäre die erste Variante lieber. Verbraucherinnen und Verbraucher können sehr wohl entscheiden – entgegen dem, was viele unserer Politiker glauben – und der Markt findet sein Gleichgewicht. Lasst Verbrennungsmotoren existieren: Elektroautos werden trotzdem weiter wachsen. *Elektroautos müssen nicht für alle Menschen die beste Option sein, und das sollte in Ordnung sein: Das nennt man Freiheit. *Ein Konzept, das heutzutage immer teurer wird, ich weiss. **
Was Politik uns nimmt: Zeit und Gelassenheit
Mit Beschlüssen wie dem für 2035 nimmt man uns zwei zentrale Dinge: Zeit und Gelassenheit. Zeit, damit sich Technologie weiterentwickeln kann, und Gelassenheit, um Veränderungen anzunehmen, ohne das Gefühl zu haben, man nehme uns etwas weg, das wir nicht ersetzen können.
Stattdessen haben sie beschlossen, das Thema zu „fussballisieren“ und daraus eine Lagerfrage zu machen. Mit oder ohne Dekrete bin ich sicher: 2035 werden Elektroautos den Markt dominieren. Zum Glück hängt das nicht von ihnen ab.
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