Zum Inhalt springen

Wie Gorillas im Moukalaba-Doudou-Nationalpark in Gabon Pflanzen für traditionelle Medizin liefern

Ein Mann untersucht im Wald neben einem sitzenden Gorilla Pflanzen und dokumentiert die Beobachtung.

Gemeinsames Pflanzenwissen aus dem Moukalaba-Doudou-Nationalpark (Gabon)

Seit Langem nutzen sowohl Gorillas als auch Menschen die grosse Vielfalt an Pflanzen, die im feuchten Regenwald des Moukalaba-Doudou-Nationalparks im zentralafrikanischen Gabon wächst.

Im direkten Nebeneinander wurden dabei Pflanzen identifiziert, die nicht nur als Nahrung dienen, sondern teils auch zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden. Eine wissenschaftliche Untersuchung nimmt nun Wissen unter die Lupe, das lokale traditionelle Heilerinnen, Heiler und Kräuterkundige seit langem weitergeben.

„Mehrere Studien haben gezeigt, dass Pflanzen aus der Nahrung von Menschenaffen, einschliesslich des westlichen Flachlandgorillas, auch als Heilpflanzen von Heilkundigen in der traditionellen afrikanischen Medizin genutzt werden“, berichten die Autorinnen und Autoren der Studie.

Geleitet wurde die Forschung von den Bakteriologen Leresche Even Doneilly Oyaba Yinda und Richard Onanga vom Interdisziplinären Medizinischen Forschungszentrum von Franceville in Gabon. Sie beschreiben die aussergewöhnliche Biodiversität des Landes als ein „riesiges Reservoir an unerforschtem Potenzial aktiver Biomoleküle“.

Ausgangspunkt: Beobachtungen aus einer Dorfstudie (2022)

Bereits in einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 schilderten Bewohnerinnen und Bewohner eines Dorfes nahe dem Moukalaba-Doudou-Nationalpark, dass bestimmte Pflanzen sowohl in der traditionellen Medizin ihrer Gemeinschaft als auch von den dort lebenden westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) genutzt würden.

Um diesen Hinweis genauer zu prüfen, analysierten Oyaba Yinda und Kolleginnen und Kollegen die Rinde von vier dieser Bäume auf antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften – und auf mögliche dafür verantwortliche Inhaltsstoffe.

Untersucht wurden der Kapok- bzw. Fromagerbaum (Ceiba pentandra), der Ekanhou bzw. die Riesen-Gelbmaulbeere (Myrianthus arboreus), eine nicht näher bestimmte Ficus-Unterart sowie Afrikanisches Teak (Milicia excelsa).

Laborergebnisse: Antibakterielle und antioxidative Effekte

Alle vier Pflanzen zeigten eine antibakterielle Wirkung gegen mindestens einen Stamm multiresistenter Escherichia coli-Bakterien. Ein Roh-Extrakt aus der Rinde des Fromagerbaums wies dabei eine „bemerkenswerte Aktivität“ gegen sämtliche multiresistenten E. coli auf, die in den Versuchen damit in Kontakt gebracht wurden.

Beim antioxidativen Potenzial schnitten die Ficus-Unterart und das Afrikanische Teak unter den vier Pflanzen am stärksten ab. Die Forschenden hielten ausserdem fest, dass die Art der Zubereitung einen Unterschied machte – also ob der Rindenextrakt in Ethanol oder in Wasser gelöst wurde – und sich dadurch die Antioxidantienwerte veränderten.

Nachgewiesene Inhaltsstoffe

In allen vier Pflanzen fanden die Autorinnen und Autoren zudem vergleichsweise hohe Gehalte an medizinisch relevanten Verbindungen, darunter Phenole, Alkaloide, Flavonoide und Proanthocyanidine.

Nach Einschätzung des Teams könnten diese Eigenschaften den Einsatz in der traditionellen Medizin bei Durchfallerkrankungen erklären – ebenso bei Krankheiten, die mit einer Überproduktion reaktiver Sauerstoffspezies zusammenhängen (die durch Antioxidantien bekämpft werden), sowie bei Erkrankungen infolge einer E. coli-Infektion.

Einordnung: Hoffnung, aber noch keine klinische Absicherung

„Alternative Arzneimittel und Therapien geben begründete Hoffnung, viele aktuelle und künftige Probleme der öffentlichen Gesundheit zu lösen“, schreiben Oyaba Yinda und Kolleginnen und Kollegen.

„Die Zoopharmakognosie ist einer dieser neuen Ansätze, der darauf abzielt, neue Medikamente zu entdecken.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass Menschen nun Rinde dieser Pflanzen verzehren sollten. Derzeit gibt es keine klinischen Belege dafür, wie wirksam solche Behandlungen tatsächlich sind – oder ob Nebenwirkungen auftreten.

Ebenso ist nicht abschliessend geklärt, ob Gorillas Rinde dieser Bäume gezielt zur Behandlung von Beschwerden aufnehmen, wie Menschen es tun würden, oder ob sie die Rinde schlicht als zusätzliche Nahrungsquelle nutzen, die nebenbei gewisse Vorteile mit sich bringt.

So oder so, so die Forschenden, könnte „der immunitätssteigernde Verzehr bestimmter Pflanzenteile (wie Rinde) durch Gorillas dafür verantwortlich sein, dass sie diese infektiösen Mikroorganismen beherbergen und kontrollieren können, ohne eine schwere Erkrankung zu entwickeln“.

Diese Ergebnisse unterstreichen zudem, wie wichtig der Schutz verbliebener Vegetationsflächen wie des Moukalaba-Doudou-Nationalparks ist – Lebensräume, die nicht nur eine Vielfalt an Organismen bewahren, sondern auch die Vielfalt der von ihnen gebildeten chemischen Verbindungen.

Die Studie wurde in PLOS ONE veröffentlicht.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen