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Wie Körperhaltung Stimmung und Risiko in der Balloon-Analog-Risikoaufgabe prägt – Studie der McGill University

Junger Mann arbeitet am Computer mit zwei Bildschirmen, einer zeigt einen bunten Luftballon.

Deine Körperhaltung kann deine Stimmung und deine Entscheidungen stärker prägen, als du vermuten würdest – und meist passiert das, ohne dass du es bemerkst.

Eine neue Studie zeigt: Personen, die aufrecht sassen, schnitten bei einer Aufgabe zum Risikoverhalten besser ab.

Ausserdem berichteten diese Teilnehmenden nach dem Experiment von positiveren Gefühlen als jene, die zusammengesackt oder in einer eher neutralen Haltung sassen – obwohl niemand realisierte, dass die Sitzhaltung durch die Raumgestaltung gezielt beeinflusst worden war.

Geleitet wurde die Untersuchung von Jorge Armony, Professor an der McGill University, gemeinsam mit dem Masterstudenten Soren Wainio-Theberge, der die Grundidee für das Projekt entwickelte.

Die Ergebnisse stützen sich auf knapp 200 Teilnehmende, im Durchschnitt etwa 20 Jahre alt.

Eine Tarnaufgabe, die die Körperhaltung steuert

Armony und Wainio-Theberge rekrutierten fast 200 Personen aus dem Umfeld der McGill University.

Nach ersten Tests am Computerbildschirm sollten die Teilnehmenden anschliessend eine Aufgabe bearbeiten, die ihnen als neue Tablet-Aufgabe vorgestellt wurde – angeblich im Rahmen eines Tests für eine mobile App.

Der eigentliche Versuch drehte sich jedoch um die Position des Tablets. Bei einem Teil der Teilnehmenden stand das Gerät auf einer Halterung auf einem erhöhten, verstellbaren Tisch. Um den Bildschirm auf Augenhöhe sehen zu können, mussten sie dadurch aufrecht sitzen.

Bei anderen wurde der Tisch abgesenkt und das Tablet flach auf die Tischplatte gelegt, was sie dazu brachte, sich nach vorn zu beugen und eher gekrümmt zu sitzen, um das Display gut zu sehen.

Niemand erhielt die Anweisung, eine bestimmte Haltung einzunehmen. Diese „Arbeit“ übernahm der Raum – und eine spätere Videoauswertung bestätigte, dass die Manipulation wie beabsichtigt funktionierte.

Teilnehmende in der aufrechten Anordnung zeigten während der gesamten Aufgabe messbar geradere Nackenwinkel als die Personen in der gekrümmten Bedingung. Gleichzeitig gaben beide Gruppen an, dass sich die jeweilige Haltung ungefähr gleich bequem anfühlte und ähnlich viel Anstrengung erforderte.

Die Balloon-Analog-Risikoaufgabe

Sobald sie positioniert waren, absolvierten die Teilnehmenden einen etablierten Test zum Risikoverhalten, die sogenannte Balloon-Analog-Risikoaufgabe. Dabei verdienen Spielerinnen und Spieler kleine Belohnungen, indem sie einen virtuellen Ballon schrittweise aufpumpen – jeweils „eine Pumpe“ nach der anderen – und verlieren alles, wenn der Ballon platzt.

Im Verlauf der Aufgabe gingen die aufrecht Sitzenden durchgehend grössere Risiken ein und erzielten im Durchschnitt höhere Belohnungen.

„Das deutet darauf hin, dass sie nicht impulsiver handelten, sondern ein effektiveres Risikoverhalten zeigten“, erklärte Armony.

Ein Vergleich mit einer separaten Gruppe, die die Aufgabe an einem normalen Schreibtisch bearbeitete, sprach dafür, dass der Effekt vor allem durch das aufrechte Sitzen zustande kam – und weniger dadurch, dass das Zusammensacken die Leistung nach unten zog.

Nach dem Test berichteten die aufrecht Sitzenden zudem deutlich stärkere Gefühle von Stolz, eine Emotion, die mit positiver Stimmung verknüpft ist. Für Erregung liess sich hingegen kein vergleichbar klarer Effekt nachweisen.

Ein methodisches Problem der Haltungsforschung lösen

Dass Körperhaltung das Erleben und Denken beeinflussen kann, ist keine neue Idee. Seit Jahren wird darüber diskutiert – besonders bekannt ist die Debatte rund um sogenannte „Power-Posen“.

Diese Forschungslinie stösst jedoch seit Langem auf einen wiederkehrenden Einwand: Wenn Forschende Menschen ausdrücklich auffordern, eine bestimmte Pose einzunehmen, reagieren Teilnehmende womöglich unbewusst so, wie sie glauben, dass es die Versuchsleitung erwartet. Das kann die Ergebnisse verfälschen.

Das Team der McGill University umging dieses Problem, indem es Körperhaltung mit keinem Wort erwähnte. Statt Anweisungen nutzten sie die physische Umgebung, um Personen unbemerkt in eine bestimmte Haltung zu lenken.

In Nachbefragungen gaben die meisten Teilnehmenden an, ihnen sei nicht aufgefallen, dass ihre Sitzhaltung überhaupt manipuliert worden war.

Zusätzlich setzten die Forschenden eine videobasierte Tracking-Software ein, um den Nackenwinkel jeder Person während der gesamten Aufgabe zu messen. Damit hatten sie einen präziseren Anhaltspunkt für die tatsächlich eingenommene Haltung, als viele frühere Studien in diesem Bereich.

Kleine Effekte, aber relevante Folgen

Wer seine Sitzposition verändert, wird dadurch nicht über Nacht ein anderes Leben führen.

Trotzdem weist die Studie auf etwas hin, das Aufmerksamkeit verdient: Merkmale alltäglicher Umgebungen – etwa die Höhe eines Schreibtischs oder der Winkel eines Monitors – könnten Stimmung und Entscheidungsverhalten leise mitformen, ohne dass es jemand bemerkt. Das schliesst ergonomische Bedingungen am Arbeitsplatz ausdrücklich mit ein.

Gleichzeitig betonen die Forschenden Grenzen der Aussagekraft.

Die meisten Teilnehmenden waren junge Frauen aus einem Universitätsumfeld. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf ältere Erwachsene, andere kulturelle Kontexte oder Stichproben mit ausgeglichenerem Geschlechterverhältnis übertragen.

Allerdings hat diese Schieflage auch eine positive Seite: Einige Theorien zu Haltung und Dominanz gehen davon aus, dass solche Effekte vor allem bei Männern auftreten. Die Resultate dieser Studie sprechen eher dagegen.

Wenn Körperhaltung Verhalten beeinflussen kann, selbst wenn Menschen sich dessen nicht bewusst sind, könnte das unauffällige Design alltäglicher Umgebungen unsere Psychologie stärker prägen, als wir annehmen.

Stehpulte, die Höhe eines Stuhls und die Position eines Bildschirms in Relation zur Augenhöhe könnten dabei eine Rolle spielen. Offen bleibt als nächste Frage, wie weit dieser Einfluss tatsächlich reicht.

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