Da die Überprüfung der Emissionsziele der Europäischen Union (EU) näher rückt, hat die ACEA (Europäischer Automobilherstellerverband) die europäischen Regulierungsbehörden erneut aufgefordert, die Vorgaben für 2030 und 2035 für leichte und schwere Fahrzeuge abzumildern.
Nach Darstellung des Verbands sind die Ziele trotz hoher Investitionen weiterhin nicht realistisch. Das Treffen zur Überarbeitung der Zielwerte wurde nach dem dritten strategischen Dialog zwischen der EU und Branchenvertretern auf Ende dieses Jahres vorgezogen; konkrete Termine wurden bislang jedoch nicht genannt.
Bis August lag der Anteil von Elektrofahrzeugen in der EU laut ACEA bei lediglich 15,8% bei leichten Pkw, 8,5% bei leichten Nutzfahrzeugen und 3,6% bei schweren Nutzfahrzeugen.
Sollte sich das Wachstum in diesem Tempo fortsetzen, werde der Anteil elektrischer Autos im Jahr 2035 „voraussichtlich nur 63%“ erreichen – und damit nicht die geforderten 100%, wie unabhängige Analysten gegenüber Automotive News Europe erklärten. „Es gibt daher einen starken Grund, den aktuellen Pfad zur Reduzierung von Kohlendioxid neu zu kalibrieren“, so die ACEA.
Entlastung bei den Zielen
Anfang dieses Jahres erhielten Automobilhersteller mehr Zeit, um die von der EU vorgegebenen Emissionsziele für 2025 bei leichten Pkw zu erfüllen. Die Branche warnt jedoch: Wenn bereits die Vorgaben für 2025 schwer zu erreichen gewesen wären, seien die Ziele für 2030 nahezu unerreichbar. Das könnte in Strafen von bis zu 25 Milliarden Euro münden.
Ursprünglich hätte die Industrie bis zum Ende dieses Jahres einen Durchschnittswert von 93,6 g/km CO₂ einhalten müssen. Mit der neuen Regel wird stattdessen nur noch ein kumulierter Drei-Jahres-Durchschnitt berücksichtigt – vom Beginn 2025 bis zum Ende 2027.
Das Problem bei den schweren Nutzfahrzeugen
Wenn sich die Zielerreichung bei den leichten Fahrzeugen bereits als sehr schwierig erweist, ist die Aufgabe bei den schweren Fahrzeugen nach Einschätzung der Branche kaum noch zu bewältigen.
Die ACEA veröffentlichte eine Mitteilung zur Dekarbonisierung schwerer Nutzfahrzeuge in Europa. Demnach steht der Prozess wegen fehlender grundlegender Voraussetzungen auf dem Spiel – von unzureichender Ladeinfrastruktur bis hin zur fehlenden Kostenparität bei den Gesamtbetriebskosten (TCO) zwischen elektrischen schweren Nutzfahrzeugen und Diesel.
Im ersten Halbjahr 2025 konzentrierte sich der Großteil der Verkäufe schwerer elektrischer Nutzfahrzeuge in der EU – deren Anteil insgesamt nicht über 3,6% hinausging – auf nur fünf Länder: Schweden, die Niederlande, Österreich, Dänemark und Frankreich.
Gleichzeitig hebt die ACEA die Entwicklung in zwei europäischen Ländern außerhalb der EU hervor: Norwegen (12,6% im Jahr 2024) und die Schweiz (11,6% im Jahr 2024). Dort seien die Rahmenbedingungen für die Einführung elektrischer schwerer Nutzfahrzeuge günstiger, was nach Ansicht des Verbands zeigt, dass das Problem auch innerhalb der EU selbst liegt.
Die ACEA betont, dass die Europäische Union ohne koordiniertes Handeln – mit wirksamer Steuerpolitik, ausgebauten Stromnetzen und klaren Anreizen – Gefahr läuft, die Ziele in diesem Transportsegment zu verfehlen.
Emissionsreduktionsziele neu justieren
Um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erreichen, schlägt die ACEA mehrere Maßnahmen für die Emissionsreduktionsziele 2030 vor und plädiert dabei für mehr Flexibilität für Hersteller.
Ähnlich wie bei den Emissionszielen für 2025 empfiehlt die ACEA, die Ziele für 2030 als Durchschnitt der in den Jahren 2028 bis 2032 erzielten Emissionen zu berechnen. Zusätzlich schlägt der Verband vor, kompakten Elektroautos zusätzliche Gutschriften zu gewähren, die Bedeutung von Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen mit Reichweitenverlängerer zu erhöhen sowie klimaneutrale Kraftstoffe – Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe – den Elektrofahrzeugen gleichzustellen.
Für leichte Nutzfahrzeuge empfiehlt die Vereinigung, die Emissionsziele für 2025 über den Zeitraum 2025–2029 zu erreichen und die für 2030 vorgesehene Reduktion um 50% zu überprüfen. Bei schweren Nutzfahrzeugen fordert sie eine vorgezogene Überprüfung der Ziele (derzeit erst für 2027 vorgesehen) sowie dringende Maßnahmen, um Strafen wegen Nichterfüllung der aktuellen Vorgaben zu verhindern.
Mehrere Umweltorganisationen haben diese Vorschläge bereits kritisiert und vor möglichen Schlupflöchern gewarnt, die laut Transport & Environment dazu führen würden, dass Hersteller bis 2035 lediglich einen Anteil von 52% Elektrofahrzeugen erreichen müssten.
Die ACEA hält dagegen, dass mehr Flexibilität den Wandel nicht verzögern werde, sondern der Industrie wirtschaftliche Sicherheit verschaffe.
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