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Wie Adipositas und Bluthochdruck Demenz direkt begünstigen

Mann steht an Küche mit Salat, Kuchen und Gehirnmodell, vor Waage und Maßband auf Arbeitsplatte.

Erinnerungen prägen den Alltag. Wer klar denken kann, lernt leichter, plant vorausschauender und trifft bessere Entscheidungen. Die Gesundheit des Gehirns hängt dabei nicht nur vom Alter ab, sondern auch von Weichenstellungen, die oft viele Jahre zuvor erfolgen.

Neue Forschungsergebnisse zeigen inzwischen, dass Körpergewicht und Blutdruck die Hirngesundheit unbemerkt beeinflussen können – lange bevor erste Gedächtnisprobleme überhaupt auffallen.

Die Forschenden fanden überzeugende Hinweise darauf, dass Adipositas und Bluthochdruck Demenz direkt verursachen können, insbesondere Formen, die mit geschädigten Blutgefässen im Gehirn zusammenhängen.

Wie Demenz das Gehirn schädigt

Der Begriff Demenz umfasst mehrere Erkrankungen, bei denen Gehirnzellen nach und nach geschädigt werden. Die Alzheimer-Krankheit ist weiterhin die häufigste Form.

Eine vaskulär bedingte Demenz entsteht, wenn das Gehirngewebe schlechter durchblutet wird. Erhalten Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, werden sie geschwächt – und es kommt zu dauerhaften Schäden.

Wenn sich diese Schäden über die Zeit summieren, treten Gedächtnisprobleme auf. Das klare Denken fällt zunehmend schwer. Sprachfähigkeiten lassen nach. Selbst alltägliche Dinge wie Geld verwalten oder Gesprächen zu folgen werden anstrengend.

Mit der Zeit geht die Selbstständigkeit verloren. Weil es keine Heilung gibt, rückt Vorbeugung als zentrales Ziel in den Vordergrund.

Adipositas verursacht Demenz

Frühere Studien zu Adipositas und Demenz lieferten oft widersprüchliche Ergebnisse. Ein Teil der Forschung sah einen Zusammenhang, andere Arbeiten liessen Zweifel.

Ein häufiges Problem war, Ursache und Zufall auseinanderzuhalten. In frühen Stadien einer Demenz sinkt das Körpergewicht bei manchen Betroffenen, was die Auswertung verfälschen kann. Um diese Verzerrung zu umgehen, nutzten Forschende genetische Daten.

Genetische Merkmale sind von Geburt an festgelegt und weniger anfällig für Verwechslungen durch Lebensstilfaktoren. Mithilfe der Genetik konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher eher eine direkte Ursache prüfen als nur eine statistische Verbindung.

„In dieser Studie haben wir festgestellt, dass ein hoher Body-Mass-Index (BMI) und ein hoher Blutdruck direkte Ursachen von Demenz sind“, sagte Dr. Ruth Frikke Schmidt, Professorin an der Universität Kopenhagen.

„Die Behandlung und Prävention eines erhöhten BMI und eines hohen Blutdrucks stellen eine ungenutzte Chance für die Demenzprävention dar.“

Gene belegen einen direkten Zusammenhang

Das Team verwendete ein Verfahren namens Mendelsche Randomisierung. Gene, die mit einem höheren Body-Mass-Index in Verbindung stehen, funktionieren dabei wie natürliche Experimente. Eltern geben Gene zufällig an ihre Kinder weiter – ähnlich wie eine zufällige Zuteilung in klinischen Studien.

Menschen, die mit Genvarianten geboren werden, die das Körpergewicht erhöhen, haben ein höheres Risiko für bestimmte Erkrankungen. Da sich Gene nicht mit Gewohnheiten oder Einkommen verändern, bleiben die Ergebnisse besser interpretierbar.

Mit Daten aus grossen Bevölkerungsgruppen in Dänemark und dem Vereinigten Königreich bestätigten die Forschenden, dass ein höherer Body-Mass-Index das Risiko für vaskulär bedingte Demenz direkt erhöht.

Der Body-Mass-Index zeigte dabei einen linearen genetischen Effekt: Mit steigendem Body-Mass-Index nahm auch das Demenzrisiko zu. Die Befunde blieben über mehrere genetische Auswertungsmethoden und grosse Datensätze hinweg stabil.

Blutdruck schädigt das Gehirn

Weitere Auswertungen machten deutlich, dass der Blutdruck eine Schlüsselrolle spielt. Ein höheres Körpergewicht treibt den Blutdruck nach oben. Erhöhter Blutdruck schädigt Blutgefässe im gesamten Körper – einschliesslich der Gefässe im Gehirn.

So können sich kleine Schlaganfälle und winzige Schadstellen langsam ansammeln. Mit der Zeit schrumpft Hirngewebe und verliert an Leistungsfähigkeit.

Die Studie zeigte, dass systolischer und diastolischer Blutdruck einen grossen Teil des Demenzrisikos erklären, das mit Adipositas zusammenhängt.

„Diese Studie zeigt, dass hohes Körpergewicht und hoher Blutdruck nicht nur Warnsignale sind, sondern direkte Ursachen von Demenz“, erklärte Dr. Frikke Schmidt. „Damit sind sie sehr gut beeinflussbare Ziele für die Prävention.“

Andere Stoffwechselfaktoren wie Cholesterin, Blutzucker und Entzündungsprozesse zeigten schwächere Effekte. Der Blutdruck stach als stärkster Vermittler heraus.

Der Zeitpunkt ist entscheidend für die Prävention

Die Forschenden untersuchten auch, wann eine Behandlung ansetzen sollte. Medikamente zur Gewichtsreduktion wurden bereits bei Menschen mit früher Alzheimer-Krankheit getestet.

Dabei zeigte sich kein eindeutiger Nutzen, sobald Symptome bereits begonnen hatten. In späteren Phasen könnte der Schaden im Gehirn schon zu weit fortgeschritten sein.

„Medikamente zur Gewichtsreduktion wurden kürzlich getestet, um den kognitiven Abbau in frühen Phasen der Alzheimer-Krankheit aufzuhalten, jedoch ohne positiven Effekt“, sagte Dr. Frikke-Schmidt.

„Eine offene Frage, die noch getestet werden muss, ist, ob eine medikamentöse Gewichtsreduktion, die vor dem Auftreten kognitiver Symptome begonnen wird, vor Demenz schützen kann.“

„Unsere aktuellen Daten würden nahelegen, dass frühe Interventionen zur Gewichtsreduktion Demenz verhindern würden – insbesondere vaskulär bedingte Demenz.“

Frühes Erwachsenenalter und Lebensmitte scheinen besonders entscheidend zu sein. Wer in diesen Jahren Gewicht und Blutdruck gut im Blick behält, könnte die Hirngesundheit Jahrzehnte später besser schützen.

Schützende Lebensstilfaktoren

Die Forschung unterstützt zudem körperliche Aktivität als Schutzfaktor. Regelmässige Bewegung senkt den Blutdruck, verbessert die Durchblutung und stärkt die Gehirnfunktion.

Erwachsene, die körperlich aktiv bleiben, entwickeln insgesamt seltener eine Demenz. Sport hilft, die Durchblutung des Gehirns aufrechtzuerhalten und Gehirnzellen zu unterstützen.

Programme, die gesunde Ernährung, regelmässige Bewegung, kognitives Training und die Kontrolle des Blutdrucks kombinieren, haben Risikopersonen bereits dabei geholfen, klarer zu denken und länger geistig fit zu bleiben.

Schon kleine Veränderungen können über die Zeit eine starke Schutzwirkung aufbauen.

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