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Exploding-Head-Syndrom: Was dahintersteckt und warum es meist harmlos ist

Frau schläft im Bett, neben Nachttisch mit Wecker und Glas Wasser, schwebende Klangwellen über ihrem Kopf.

Du bist gerade dabei einzuschlafen – und plötzlich klingt es, als würde in deinem Kopf ein Schuss fallen, eine Tür zuschlagen oder etwas explodieren. Du schreckst hoch, das Herz rast, du setzt dich im Bett auf – doch im Zimmer ist es still.

Es ist nichts passiert. Und trotzdem fühlte es sich vollkommen echt an.

Für dieses Erlebnis gibt es einen dramatischen Begriff: das Exploding-Head-Syndrom.

So beunruhigend der Name auch wirkt: Es ist weder gefährlich noch schmerzhaft und normalerweise kein Hinweis darauf, dass mit dem Gehirn etwas nicht stimmt.

Was ist das?

Das Exploding-Head-Syndrom ist eine Form von Schlafstörung aus der Gruppe der Parasomnien.

Parasomnien sind ungewöhnliche Erlebnisse, die während des Schlafs oder in den Übergängen zwischen Schlaf und Wachsein auftreten.

Beim Exploding-Head-Syndrom „hört“ eine Person plötzlich ein Geräusch, das scheinbar aus dem Inneren des Kopfes kommt. Es handelt sich dabei um eine Sinneswahrnehmung, die vom Gehirn erzeugt wird – nicht um einen Ton aus der Umgebung.

Typischerweise passiert das beim Wegdämmern oder beim Aufwachen, am häufigsten, wenn man schläfrig ist und kurz davorsteht einzuschlafen.

Betroffene schildern oft einen abrupten Knall oder ein lautes metallisches Geräusch, Schüsse, eine Explosion, brechende Wellen, ein elektrisches Summen, eine zuschlagende Tür oder Feuerwerk.

Das Exploding-Head-Syndrom kann sehr erschreckend sein. Zum lauten Geräusch können weitere Empfindungen hinzukommen: etwa ein kurzer stechender Schmerz im Kopf (auch wenn es meistens schmerzlos ist), Lichtblitze, Außerkörper-Erlebnisse oder das Gefühl, als würde Elektrizität durch den Körper schiessen.

Eine Episode dauert nur einen Wimpernschlag oder wenige Sekunden und verschwindet in der Regel vollständig, sobald man richtig wach ist. Manche erleben das nur einmal, andere gelegentlich – oder in kurzen Häufungen, bevor sich der Zustand wieder beruhigt.

Weil das Ganze so plötzlich und ungewöhnlich ist, befürchten viele, sie hätten einen Schlaganfall oder einen Anfall gehabt – oder es sei etwas Katastrophales passiert. Andere deuten es als übernatürliches oder unheilvolles Zeichen.

Die Belastung entsteht dabei weniger durch Schmerzen, sondern durch Verwirrung und die Alarmreaktion des Körpers: Das Gehirn ist teilweise schon wach, aber noch desorientiert, und schaltet kurz das Kampf-oder-Flucht-System ein.

Was verursacht es?

Die genaue Ursache ist nicht bekannt, doch Forschende haben mehrere Erklärungsansätze vorgeschlagen.

Da die Episoden in Übergangsphasen zwischen Wachsein und Schlaf auftreten, könnte das Phänomen mit ähnlichen Prozessen zusammenhängen, die auch hypnagoge Halluzinationen auslösen (lebhaft wirkende Sinneseindrücke beim Einschlafen).

Beim Einschlafen fahren verschiedene Bereiche des Gehirns nach und nach in einer koordinierten Reihenfolge herunter.

Beim Exploding-Head-Syndrom könnte dieser Ablauf mit dem Abschalten neuronaler Systeme verbunden sein, die die auditive Reizverarbeitung normalerweise dämpfen. Das Gehirn könnte dies dann als sehr lautes Geräusch „interpretieren“.

Eine verwandte Hypothese geht von einer kurzen Aktivitätsabnahme im Hirnstamm aus – insbesondere im retikulären aktivierenden System, das an der Steuerung der Übergänge zwischen Wachheit und Schlaf beteiligt ist.

Da das Exploding-Head-Syndrom meist ohne Schmerzen verläuft, unterscheidet es sich von Kopfschmerzen und Migräne.

Auch wegen seiner typischen Merkmale ist Epilepsie für die meisten Betroffenen eher keine plausible Erklärung.

Wie häufig ist das?

Das Exploding-Head-Syndrom kommt häufiger vor, als viele vermuten.

Mindestens 10% der Bevölkerung sind betroffen, und etwa 30% erleben es mindestens einmal im Laufe ihres Lebens.

Es kann in jedem Alter auftreten, häufig jedoch nach dem 50. Lebensjahr. Möglicherweise ist es bei Frauen etwas verbreiteter, doch der Grund dafür ist unklar.

Wahrscheinlicher ist das Exploding-Head-Syndrom bei Menschen, die auch andere Schlafprobleme haben – etwa Schlaflosigkeit (Insomnie) oder Schlafparalyse.

Ausserdem wird es in Zusammenhang gebracht mit:

  • mehr Stress oder emotionaler Anspannung als üblich
  • Angst
  • gestörten Schlafmustern oder schlechtem Schlaf, der mit Müdigkeit am Tag einhergeht

Wie wird es behandelt?

Das Exploding-Head-Syndrom ist harmlos und kein Anzeichen für ein schwerwiegendes Gehirnproblem. Die Episoden sind meist kurz und treten entweder vereinzelt oder in kurzen Serien auf, bevor sie von selbst nachlassen.

Wenn Betroffene verstehen, dass der Zustand nicht gefährlich ist und nicht auf Hirnschäden oder eine ernste Erkrankung hindeutet, werden die Erlebnisse häufig weniger beängstigend – und mitunter auch seltener.

Medikamente werden in Betracht gezogen, wenn die Episoden sehr häufig sind und stark belasten. Allerdings gibt es keine grossen klinischen Studien, die eine Behandlung klar anleiten könnten. Einige Betroffene profitierten von Medikamenten wie Clomipramin, doch die Evidenz ist begrenzt und weitere Forschung nötig.

Meist besteht die Behandlung eher aus Aufklärung und besseren Schlafgewohnheiten. Manche berichten, dass es hilft, Schlafprobleme wie Insomnie anzugehen, Müdigkeit zu reduzieren und Achtsamkeits- sowie Atemtechniken zu üben.

Im Allgemeinen harmlos

Der französische Philosoph René Descartes beschrieb im Jahr 1619 drei Träume, die er als Zeichen göttlicher Offenbarung deutete. In einem davon hörte er beim Erwachen einen lauten Knall und sah einen hellen Lichtblitz. Einige Forschende haben vorgeschlagen, dass er in Wirklichkeit das Exploding-Head-Syndrom erlebt haben könnte.

Trotz seines dramatischen Namens ist das Exploding-Head-Syndrom harmlos. Für viele ist die wirksamste „Massnahme“ zu wissen, was dahintersteckt – und dass es nicht gefährlich ist.

Auch wenn es in der Regel harmlos ist, solltest du ärztlichen Rat einholen, wenn die Episoden häufig auftreten, deine Lebensqualität beeinträchtigen oder dich stark belasten. Wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt, wenn sie schmerzhaft sind oder zusammen mit Anfällen, länger anhaltender Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder starken Kopfschmerzen auftreten.

Flavie Waters, Forschungsprofessorin, School of Psychological Science, The University of Western Australia

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lies den Originalartikel.


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