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EU und Indien schließen „die Mutter aller Abkommen“: Zölle auf Autos sinken

Weißes Elektroauto mit EU- und Indien-Flaggen in modernem Ausstellungsraum mit Stadtblick im Hintergrund.

Gestern, am 27. Januar, hat die Europäische Union (EU) mit Indien ein Abkommen unterzeichnet, das bereits als „die Mutter aller Abkommen“ bezeichnet wird. Nach 16 Jahren Verhandlungen – 2013 unterbrochen und 2022 wieder aufgenommen – akzeptiert das asiatische Land die bislang weitreichendste Handelsöffnung, die je einem europäischen Partner eingeräumt wurde.

Zu den grössten Gewinnern zählt die Automobilbranche. Neu-Delhi wird die Zölle auf Autos stufenweise senken: Sie lagen bisher bei bis zu 110% und können innerhalb der nächsten fünf Jahre bis auf 10% zurückgehen. Abgaben auf Komponenten sollen binnen fünf bis zehn Jahren vollständig entfallen. Kurzfristig sinkt der Zollsatz zunächst auf rund 35%.

Was ändert sich für europäische Marken?

Warum Indien für Europas Hersteller strategisch wichtiger wird

Während europäische Autobauer in den USA durch Zölle und in China durch anhaltend fallende Verkaufszahlen unter Druck geraten und zugleich „zu Hause“ noch immer ein Markt weit unter dem Vorkrisenniveau wartet – 2025 wurden etwa 2,5 Millionen Autos weniger verkauft als 2019 –, rückt Indien als zentrale strategische Chance in den Fokus. Der indische Markt wächst schneller als der europäische: 4,5 Millionen Einheiten im Jahr 2025 (+5%), mit Potenzial auf sechs Millionen bis 2030. Damit ist Indien bereits der drittgrösste Automarkt der Welt (nur China und die USA liegen davor).

Mit 1,5 Milliarden Einwohnern und einer wachsenden Mittelschicht gilt Indien seit Langem als Anziehungspunkt für europäische Hersteller. Das führte nicht nur zum Aufbau von Werken vor Ort, sondern auch zur Entwicklung exklusiver Modelle speziell für den indischen Markt. Die Ergebnisse blieben allerdings meist überschaubar – vor allem wegen der hohen Zölle, mit denen aufeinanderfolgende indische Regierungen den heimischen Industrieaufbau und die lokale Wertschöpfung schützten und Indien zu einem der am stärksten abgeschirmten Märkte weltweit machten.

Wer besonders von sinkenden Autozöllen profitiert

Selbst europäische Premium-Marken sahen sich gezwungen, Montagekapazitäten in Indien aufzubauen, um den Zollschock abzufedern. Dafür wurden Montagesätze (Completely Knocked Down, CKD) aus europäischen Werken geliefert – auch diese waren stark besteuert.

Von den sinkenden Zöllen dürften zunächst gerade diese Premium-Hersteller profitieren, darunter BMW, Audi und Mercedes-Benz. Obwohl sie einige Modelle bereits in Indien montieren, sind sie weiterhin in hohem Mass auf Fahrzeugimporte angewiesen.

„Jede Bewegung hin zu offeneren Märkten und zur Stärkung des Handels ist positiv für Deutschland und für Europa“, sagte Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz und Präsident der ACEA (Association des Constructeurs Européens d’Automobiles), gegenüber Reuters.

Auch die Konzerne Renault, Volkswagen und Stellantis, die in Indien bereits günstigere, lokal gefertigte Fahrzeuge verkaufen, könnten künftig teurere Modelle zu niedrigeren Zollsätzen importieren und so ihr Modellportfolio verbreitern.

„Indien war für Renault in den letzten vier Jahren vielleicht nicht die oberste Priorität, aber das wird sich ändern“, erklärte Fabrice Cambolive, CEO der französischen Marke. 2025 beliefen sich die Autoimporte aus der EU nach Indien auf 1,6 Milliarden Euro.

Nicht nach dem Motto „Wunschkonzert“

Quoten, Preisschwellen und Zeitplan

Trotz der positiven Signale ist die Zollsenkung an mehrere Vorgaben gebunden. Zunächst gilt sie nur bis zu einer jährlichen Quote von 25000 Fahrzeugen, davon 16000 mit Verbrennungsmotor und 9000 als Elektroautos.

Fahrzeuge mit einem Preis unter 1500 Euro sind von den Vergünstigungen ausgeschlossen. Zur Einordnung: 2025 entfiel das grösste Verkaufsvolumen in Indien auf Autos zwischen 5,500 Euro und 1100 Euro – das entspricht 45,5% des gesamten Marktes. Historisch werden 90–95% des Marktes durch Fahrzeuge bis 1600 500 Euro abgedeckt (15 Lakhs oder 1,5 Millionen Rupien). Indien hält damit weiterhin Schutzmechanismen für die eigene Industrie aufrecht.

Oberhalb von 1500 Euro werden importierte Fahrzeuge in drei Segmente eingeteilt – jeweils mit unterschiedlichen Quoten und Zollsätzen.

Bei Elektroautos greift die Zollreduktion erst ab dem fünften Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens. Und bei den 9000 E-Autos gilt der niedrigste Satz erst ab dem zehnten Jahr, um den Binnenmarkt zu schützen. Wird die jährliche Quote überschritten, entfällt die Ermässigung: Dann wird wieder der reguläre, hohe Zoll fällig. Lesen Sie die vollständige Vereinbarung.

Der indische Markt wird derzeit von nationalen und regionalen Marken dominiert, etwa Maruti Suzuki (40% Marktanteil im Jahr 2025), Mahindra & Mahindra sowie Tata – und diese bleiben durch lokale Regeln weiterhin abgeschirmt. Hinzu kommt Hyundai: Obwohl südkoreanisch, war die Marke in den vergangenen Jahren die Nummer zwei bei den Verkäufen (2025 verlor sie diese Position), was vor allem an ihrer tiefen lokalen Integration liegt, die sie faktisch auf Augenhöhe mit einem inländischen Hersteller bringt – praktisch 100% der Produktion erfolgt vor Ort.


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