Ein Nahrungsergänzungsmittel aus Brokkoli, grünem Tee und Kurkuma hat bei Männern, die wegen eines frühen Prostatakrebses engmaschig beobachtet wurden, den Anstieg eines Blutmarkers gebremst.
Diese Verlangsamung verschiebt den Blick darauf, wie lange einzelne Patienten im Rahmen der Überwachung bleiben können, bevor Entscheidungen über eine Behandlung anstehen.
Verlangsamung eines zentralen Krebssignals
Ob und wann ein Prostatakrebs von reiner Beobachtung zu einer aktiven Therapie wechselt, hängt in der Praxis häufig von steigenden Werten des prostataspezifischen Antigens (PSA) ab.
Im Rahmen der klinischen Nachsorge an der Universität Bedfordshire und den Universitätskliniken Cambridge wurde nach einer kurzen Ernährungsintervention dokumentiert, dass sich dieser Anstieg messbar verlangsamen kann.
Professor Robert Thomas, beratender klinischer Onkologe an den Universitätskliniken Cambridge, beobachtete die Veränderungen bei Männern, die bereits in regulären Programmen zur aktiven Überwachung eingeschrieben waren.
Damit wird ein kleiner, aber relevanter Zeitraum sichtbar, in dem sich Krankheitssignale abschwächten, ohne dass die Standardversorgung verändert wurde – und es entstehen Fragen, wie dauerhaft und wie breit übertragbar der Effekt ist.
Was in den Kapseln steckte
Statt die Teilnehmer zu einer umfassenden Ernährungsumstellung zu bewegen, setzte das Team auf Kapseln, in denen sechs pflanzliche Lebensmittel konzentriert waren.
Die Auswahl lieferte Phytochemikalien – pflanzliche Inhaltsstoffe, die Zellprozesse beeinflussen können – und die Kombination sollte verhindern, dass ein einzelner Bestandteil überbetont wird.
Zusätzlich erhielt die Hälfte der Männer Probiotika, also lebende Mikroorganismen mit potenziellem Nutzen, ausgewählt aus Lactobacillus-Stämmen, die mit einem ausgeglichenen Darmmilieu in Verbindung gebracht werden.
Da in der Vergleichsgruppe ein Placebo identisch mitgeführt wurde, konnten Unterschiede dem Zusatz von Bakterien zugeschrieben werden und nicht bloß Erwartungen.
Darmmikroben und Krebsverhalten
Zunehmend deuten Studien darauf hin, dass das Mikrobiom – die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen – mit dem Verhalten von Prostatakrebs zusammenhängen kann.
Darmbakterien beeinflussen Entzündungsprozesse und die Immunüberwachung; zugleich verändern sie, wie der Körper Hormone verarbeitet, die das Prostatagewebe mitsteuern.
Im Versuch wurden Bestandteile der Pflanzenmischung durch Bakterien in kleinere Moleküle zerlegt, die Zellen der Darmschleimhaut versorgen und dazu beitragen können, die Barrierefunktion stabil zu halten.
Die Studie nutzte diese biologischen Zusammenhänge als Grundlage, prüfte aber weiterhin ein ganz konkretes Kapsel-Set – nicht beliebige Ernährungsweisen oder Probiotika aus dem Handel.
Studiendesign und Ablauf
In einer einzelnen Klinik nahmen 208 Männer mit niedrigem Risiko bei Prostatakrebs an einer verblindeten, randomisierten Studie teil, die über vier Monate lief.
Alle befanden sich in der aktiven Überwachung, also in einem Programm mit regelmäßigen Kontrollen, weil ein langsames Wachstum erwartet wurde und Überbehandlung vermieden werden sollte.
Die Forschenden baten alle Teilnehmer, andere Nahrungsergänzungsmittel abzusetzen. Anschließend erhielten sie die Pflanzenkapseln sowie entweder die Probiotika-Mischung oder ein Placebo.
Blutuntersuchungen und Fragebögen zu Beschwerden sollten zeigen, ob sich dadurch das Tempo der Krankheitssignale verändert.
Was die Daten zeigten
Im Mittelpunkt stand der PSA-Test, weil PSA-Werte häufig ansteigen, wenn Prostatakrebs aktiver wird.
Vor Beginn der Intervention war PSA in beiden Gruppen innerhalb von vier Monaten um etwa 20 percent gestiegen – ein Verlauf, der die Situation für Betroffene oft dringlicher macht.
Während der anschließenden vier Monate verlangsamte die Kombination aus Pflanzenkapseln plus Placebo den Anstieg auf 6.5 percent, während Probiotika den PSA-Wert um 21.4 percent senkten.
Diese Differenz ist klinisch bedeutsam, weil sich viele Männer für eine Behandlung entscheiden, wenn die PSA-Entwicklung kontinuierlich ungünstig bleibt – selbst dann, wenn Bildgebung oder Biopsien zunächst keine eindeutigen Veränderungen zeigen.
MRT-Scans stützten den Befund
Ein Teil der Teilnehmer erhielt zusätzlich eine Magnetresonanztomografie; diese detaillierten Aufnahmen von Prostataveränderungen werden in der Klinik meist als MRT abgekürzt.
Bei Männern mit MRT vor und nach der Intervention zeigten 18 percent in der Placebo-Gruppe eine Progression, verglichen mit 7.8 percent in der Probiotika-Gruppe.
„Was besonders beruhigend ist: Die PSA-Veränderungen, die wir gesehen haben, wurden durch Veränderungen in den MRT-Scans gestützt, was in der Ernährungsforschung sehr ungewöhnlich und einzigartig ist“, sagte Professor Thomas.
Alltägliche Beschwerden besserten sich
Neben Tumormarkern berichteten die Männer über leichteres Wasserlassen; die Werte für Harnwegsbeschwerden verbesserten sich über beide Gruppen hinweg um etwa 25 percent.
Weil beide Studienarme die Pflanzenkapseln einnahmen, deutet das eher auf die Lebensmittelmischung als allein auf den zusätzlichen Bakterienmix hin.
Auch die Werte zur erektilen Funktion stiegen im Mittel um 11 percent – ein Punkt, der bei der Abwägung zwischen Lebensqualität und Behandlungsrisiken eine Rolle spielt.
Da Selbstangaben durch Hoffnung oder erhöhte Aufmerksamkeit beeinflusst sein können, braucht es für eine Bestätigung längere Studien mit härteren Endpunkten.
Entzündung und Hormone
Zusätzlich wurde im Blut das Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten erfasst, ein grober Entzündungsmarker aus den weißen Blutkörperchen, der sich in den Gruppen gegensätzlich entwickelte.
In der Placebo-Gruppe stieg dieses Verhältnis an, während es in der Probiotika-Gruppe sank – ein Hinweis darauf, dass Veränderungen im Darm die systemische Reizung verringert haben könnten.
Auch die Testosteronwerte lagen mit Probiotika am Ende leicht höher, was Befürchtungen entgegenwirkt, pflanzliche Stoffe könnten östrogenartig wirken.
Diese Laborzeichen beweisen keinen ursächlichen Mechanismus, passen jedoch zu der Annahme, dass Darmmikroben die Immunaktivität mitregulieren.
Was die Studie nicht beweisen kann
Vier Monate sind bei einer Erkrankung, die sich oft über Jahre entwickelt, ein kurzer Zeitraum; daher lassen sich bislang weder weniger Operationen noch weniger Todesfälle ableiten.
Die meisten Teilnehmer waren weiß und stammten aus einem einzelnen Zentrum im Vereinigten Königreich, was die Übertragbarkeit auf andere Gruppen einschränkt.
Zudem wurden keine erneuten Biopsien vorgenommen, sodass PSA und MRT als Stellvertreter dafür dienten, was sich im Tumorgewebe abspielt.
Da es sich um spezifische, markengebundene Rezepturen handelte, sollten Männer nicht davon ausgehen, dass irgendeine Brokkoli-Kapsel oder eine beliebige Probiotika-Mischung aus dem Regal denselben Effekt hat.
Nächste Schritte in der Forschung
In der Studie war die Kombination aus Pflanzenpräparat und Bakterien mit einer langsameren PSA-Entwicklung, stabileren Bildbefunden und mehr Alltagskomfort bei vielen Männern verbunden.
Für den nächsten Schritt sind längere Nachbeobachtungen, vielfältigere Teilnehmergruppen und klarere Gewebe-Nachweise nötig, bevor Ärztinnen und Ärzte solche Präparate wie Standardtherapien behandeln.
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